Wülfrath: Bürgerinitiative nutzt Demo für Lobbyarbeit

Wülfrath : Bürgerinitiative nutzt Demo für Lobbyarbeit

Auch auf lokaler Ebene fordern junge Menschen Veränderungen und setzen sich zum Beispiel für den ÖPNV-Ausbau ein. Kritik an scharfen Worten des BI-Düssel-West-Sprechers Reinhardt Weniger.

„Wir setzen uns auch auf lokaler Ebene ein, fordern beispielsweise den kreisweiten Ausbau des ÖPNV-Netzes und die Nutzung der Nahwärme aus dem Kalksteinwerk“, erklären Jan-Niklas Niebisch und Emily Birkner. Die beiden Wülfrather Schüler haben eine Gruppe von „Fridays for Future“ im eigenen Ort ins Leben gerufen und gestern erneut zur Demonstration geladen. Begeistert sind sie besonders vom Zulauf. „Es haben sich rund 150 Teilnehmer angemeldet, das macht uns schon stolz“, so Emily Birkner. Gekommen waren schließlich etwa 300 Menschen, die mitzogen.

So auch die Klasse 6 b der Schule am Berg. Kyra (11) und ihre Freundinnen sind überzeugte Klimaaktivistinnen, haben sogar ein eigenes Plakat gebastelt und darauf ihren Unmut gegen die Umweltverschmutzung zum Ausdruck gebracht. „Wir möchten den Erwachsenen gerne Tipps mit auf den Weg geben, wie man unsere Umwelt schützen kann. Mit der Plastikvermeidung fängt es beispielsweise an. Wir nutzen nur Glasflaschen“, versichert Liah (11).

Die Erzieher-Klasse des Mettmanner Berufskollegs ist ebenfalls komplett vertreten. Politiklehrer Holger Kempf hatte den Unterricht kurzerhand nach Wülfrath verlagert um Demokratieverständnis auf anschauliche Art zu vermitteln. Für die angehende Erzieherin Isabell (20) fängt der Klimaschutz mit der Ernährung an. „Ich ernähre mich vegan. Vegane und vegetarische Ernährung wirkt der Massentierhaltung entgegen. Ein wichtiger Baustein des Klimaschutzes“, ist sich die Schülerin sicher, die auch innerhalb der Klassenreihen motivieren möchte. „Ich verzichte zudem komplett auf Plastik.“ Das imponiert auch Mitschülerin Louisa (22), die ihrem Lehrer für die Möglichkeit der Teilnahme an der Demo sichtlich dankbar ist. „Wir sind schließlich die Zukunft und eine solche Demonstration motiviert mich, auch selbst politisch aktiv zu werden.“

Bevor die Demonstranten, die von vier Einsatzkräften der Polizei und einem Mitarbeiter des örtlichen Ordnungsamtes begleitet wurden, in Richtung Rathaus aufbrachen, betrat Reinhardt Weniger, Sprecher der Bürgerinitiative Düssel-West, das Podium vor dem Haupteingang der Kreissparkasse. Mit scharfen Worten betrieb der Pensionär, der nach eigenen Angaben selbst neun Enkel hat, Politikschelte. Lediglich die Grünen sowie die Linke ließ er bei seinen Ausführungen zum Thema Regionalplanänderung und der Diskussion um die Bebauung des Areals in Düssel aus. Er mahnte die Anwesenden, dass mit einer eventuellen Bebauung wichtiges Ackerland versiegelt würde. Ein Vertreter der BUND bot dem Redner kurzerhand Einhalt und verwies auf die anstehende Demo. Eine Aufforderung, die zu anhaltendem Applaus aus der Teilnehmerschaft führte.

Bürgerinitiative Düssel-West kritisiert Bebauungspläne

Und auch Grünen-Fraktionschef Stephan Mrstik, der bei der Kritik Wenigers ausgenommen wurde, hätte sich eine solche Diskussion anlässlich der Demonstration nicht gewünscht. „Selbst wenn man unterschiedlicher Meinung ist, vertrete ich die Auffassung, dass man respektvoll miteinander umgehen sollte.“ Unterstützung gab es vom SPD-Fraktionschef Manfred Hoffmann, der zudem Kritik am Logo der Bürgerinitiative äußerte. „Dass die beiden Kirchen abgebildet sind, ist unverschämt. Schließlich haben diese mit der Debatte nichts zu
tun.“

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