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Bürgerin verärgert über radikalen Rückschnitt

Wülfrath : Bürgerin verärgert über radikalen Rückschnitt

Die Stadt Wülfrath ließ den Efeubewuchs von der Mauer am Krapps Teich entfernen.

. „In der vorigen Woche wurde an zwei Tagen am Krapps Teich ein Kahlschlag durchgeführt, der so kurz vor der Brutsaison sehr viele Brutplätze für Vögel vernichtet hat. Der Efeubewuchs wurde am Mauerwerk radikal entfernt. Niedergehölz und Astwerk wurden nicht aufgeschichtet, sondern geschreddert. Wie viele Insekten wurden dabei wohl vernichtet? Wer hat diesen Naturfrevel in Wülfrath zu verantworten?“, schrieb Rita Ulbricht am 12. Februar der WZ. Die Anwohnerin der Wiedenhofer Straße bat die Lokalredaktion darum, in der Sache einmal bei der Stadt nachzuhaken.

„Nach geltender Vogelschutzverordnung werden grundsätzlich und bundesweit Gehölzschnitte in der Zeit vom 1. November bis 28. Februar durchgeführt, weil eben in dieser Zeit nicht gebrütet wird. Wir handeln also hier im Sinne des Vogelschutzes“, reagierte Daniel Hödtke, der Leiter des Baubetriebshofes auf Anfrage.

Rattenproblem zwischen
dem Bauwerk und dem Teich

Der erfolgte Rückschnitt sei deshalb notwendig gewesen, weil das städtische Hochbauamt vorhandene Bauwerkschäden an der Tiefgarage Diek beurteilen und dokumentieren will, um im Anschluss geeignete Instandhaltungsmaßnahmen durchführen zu können. „Zudem ist der Rückschnitt das Ergebnis aus der Forderung der wiederkehrenden Prüfung der Bauaufsicht, unter anderem zur Sicherung von Flucht- und Rettungswegen und Sichtbarmachung von Warn- und Hinweisschildern“, so Baubetriebshofsleiter Hödtke weiter. Außerdem bestehe zwischen Bauwerk und Teich immer noch ein Rattenproblem, welchem durch das Entfernen des Dickichts entgegengewirkt werde. „Das Aufschichten von Gehölz und Astwerk wäre hier dann natürlich konterproduktiv“, erklärt Daniel Hödtke.

„Wir hatten jetzt schon frühlingshafte Temperaturen. Ich habe dort vor dem Kahlschalg drei Drosselpaare und Grünfinken beobachten können. Nun sind sie weg. Man hätte den Rückschnitt vorsichtiger ausführen können und vor allem früher – im Herbst“, zeigt die 76-jährige Rita Ulbricht wenig Verständnis für die Argumentation der Stadt.

Es sei schließlich bekannt dass der Vogel- und Insektenbestand drastisch schrumpfe. Das erfolgreiche Volksbegehren in Bayern zur Rettung der Bienen sei doch Mahnung genug, um mehr Sensibilität walten zu lassen. „So wird unserer Natur vernichtet. Wo bleibt da die Reaktion der Naturverbände vor Ort?“, wundert sich Rita Ulbricht.