Bürger sehen Flüchtlingsheim skeptisch

Rund 60 Anwohner hatten beim Informationsabend zahlreiche Fragen an die Verwaltung.

Wülfrath. Die Verwaltung hat Anwohner des ehemaligen Gemeindezentrums Süd der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in das Gebäude eingeladen, um über den kommenden Mittwoch beginnenden Einzug von bis zu 80 Flüchtlingen zu informieren und Ängste zu nehmen. So stand es auf der Einladung, die nicht bei allen Anwohnern angekommen war. Es wurde schnell deutlich, dass Letzteres als zunächst gescheitert angesehen werden kann.

Viele Fragen der rund 60 Bürger drückten tiefe Verunsicherung darüber aus, was auf sie zukommt. Da nützte auch der Hinweis von Polizeihauptkommissar Heinrich Röhr wenig, als er von subjektiver und objektiver Angst sprach. Mit Blick auf die kürzlich vorgelegte Kriminalstatistik (die WZ berichtete) sprach er von Wülfrath als „einer Insel der Glückseligen“, weil eben hier wenig Straftaten verübt werden. Sollte es zu Anfeindungen kommen riet Röhr, sofort die Polizei zu informieren. Die Anwohner wollten zum Beispiel wissen, wie es um ihre Sicherheit bestellt sei, wer genau einziehen soll, was die Unterbringung wen kostet und ob die Polizei verstärkt Kontrollen durchführen werde.

Eine Anwohnerin fragte, wo denn die Entscheidungsträger wohnen, die diesen Standort als Unterkunft für Flüchtlinge abgesegnet haben. Ratsherr Stephan Mrystik, Fraktionsvorsitzender der Grünen, sagte daraufhin, er wohne in unmittelbarer Nähe. Die Ratsherren Andreas Seidler (CDU), Manfred Hoffmann (SPD) und André Herbes (Wülfrather Gruppe) hielten sich mit Kommentaren zurück, verfolgten das Geschehen allerdings zum Teil mit eisiger Miene.

Sozialamtsleiter Mike Flohr berichtete, dass am Mittwoch zunächst acht Personen einziehen werden. Die ehemalige Küsterwohnung soll zuerst bezogen werden, dann die ehemalige Pfarrerwohnung. Das interessierte die Anlieger weniger. Unruhig wurde es, als gesagt wurde, dass nicht nur Familien einziehen werden, sondern auch alleinstehende junge Männer. Gerade sie lösen bei den Anwohnern die größten Ängste aus. Mike Flohr verwies auf die deutlich größere Flüchtlingsunterkunft an der Fortunastraße hin, wo es mit ihnen keine Probleme gebe. Ein Anwohner machte den Vorschlag, dass die Stadtverwaltung eine wöchentliche Sprechstunde anbieten solle, um eventuell auftauchende Probleme zeitnah ansprechen zu können. Dies wurde als „guter Vorschlag“ mitgenommen.