Velbert : Bürger haben Regeln verinnerlicht

Die Lockerungen bei den Schutzvorgaben werden mit großer Erleichterung aufgenommen. Die WZ schaute sich in wieder geöffneten Nevigeser Geschäften und am Wertstoffhof in Velbert um.

„Ich bin froh, dass ich wieder da bin und alle die anderen wieder sehen kann“, freute sich Kati Maier. Normalerweise hat die Inhaberin einer Modeboutique an der Elberfelder Straße in Neviges montags geschlossen. „Jetzt dürfen wir nach vier Wochen wieder aufmachen, und dann tun wir das auch.“ Die Geschäftsfrau nutzte die Zwangspause wegen Corona zu vielen Spaziergängen und ein bisschen Online-Verkauf. „Das war nicht so dolle. Klar, viele Leute hatten auch ganz andere Sorgen“, so die Händlerin, die nicht über entgangene Umsätze klagt, sondern mit Handschuhen, Mundschutz und Desinfektionsmitteln die Auflagen erfüllt und mit guter Laune die Kundinnen berät. Eine der ersten Käuferinnen kam nicht gezielt zum Shoppen, sondern schaute nach einem Arzttermin vorbei und fand eine Tunika, passend zum sonnigen Frühjahrswetter.

Genügend Fläche, damit sich alle aus dem Weg gehen können

„Nicht nur Frauen, sondern auch Männer brauchen Schuhe“, stellte Brigitte Rystok im Geschäft von „Maier’s City Schuh“ fest. „Der erste Tag ist gut angelaufen. Alles blieb ruhig, alles friedlich, wir haben genug Fläche, um aus dem Weg zu gehen. Für neue Schuhe interessierte sich Hiltrud Gille. Ihr Obst- und Gemüsegeschäft durfte zwar geöffnet bleiben, sie freut sich, dass nun weitere Läden dazukommen. „Wir unterstützen uns gegenseitig mit unseren Einkäufen. Wir sind ein Dorf, ich fahre nicht nach ­Wuppertal.“

„Der Verkauf hat lebhaft wieder begonnen“, stellte Alexander Rüger fest. Besonders toll findet der Buchhändler das Problembewusstsein der Kunden, die alle auf den Abstand achten. „Eine Mitarbeiterin im Unruhestand hat uns mit Masken versorgt, sogar mit mehreren, damit man was zum Wechseln parat hat.“

„Mundschutz ist sehr gefragt. Zuerst habe ich den während der Schließung als Spende gemacht, jetzt arbeite ich aber für den Verkauf.“ Ammar Morad, Inhaber einer Änderungsschneiderei, hat eine große Kiste mit vorgefertigten Stoffen mit neben seiner Nähmaschine stehen, die unermüdlich rattert.

Schon morgens um 7 Uhr stehen die Autos in einer Warteschlange

Mit einem Mund-Nasenschutz hat Maike Bullert sein Gesicht verhüllt. Als der Mitarbeiter der Deponiebetriebsgesellschaft Velbert (DBV) um 7 Uhr am Morgen die Arbeit aufnahm, herrschte bereits reger Andrang am Wertstoffhof. „Da standen 25 Autos auf der Industriestraße in einer Schlange. Da hatten viele die Idee, möglichst früh zu kommen.“ Dirk Kentjens lobt die Disziplin der Anlieferer: „Der Appell an die Selbstverantwortung klappt ganz ganz gut. Die Menschen haben in den vergangenen Wochen die Regeln zum Coronaschutz verinnerlicht“, stellt der DBV-Geschäftsführer zufrieden fest. Am Anfang der Kontaktsperre klappte das nicht: „Da war das hier ein richtiger Treffpunkt, uns hat man hier die Bude eingerannt. Jetzt ist alles ganz anders, die Abstände werden eingehalten.“ Das liegt auch am verstärkten Personaleinsatz: Statt zwei sorgen jetzt fünf Mitarbeiter für den geregelten Ablauf auf dem Recyclinghof. Zwei sind mit der Eingangskontrolle beschäftigt, es dürfen nur jeweils fünf Wagen vorfahren. Grünschnitt wird derzeit nicht angenommen, Autos mit dieser Ladung werden gebeten, zur Kompostierungsanlage an der Haberstraße zu fahren. Noch nie war der Wertstoffhof über einen so langen Zeitraum geschlossen. „Das ist jetzt schlimmer als nach Weihnachten. Dann kommt jede Menge Verpackungsmüll rein, jetzt sind es die Ergebnisse von ­Entrümpelungen.“