Bläser lassen Hubertus hochleben

Die zu Ehren des Heiligen Hubertus gestaltete Messe im Mariendom wurde zu einem musikalischen Hochgenuss.

Neviges. Unter einem herbstlichen Wald zwischen Altar und Rückwand des Mariendoms hatte neben der Freiwilligen Feuerwehr und dem Hardenberger Schützenverein das 1. Fanfarencorps Neviges 1957 Aufstellung bezogen. Flankiert wurden sie durch den Velberter Männerchor 1863 und den Jagdhornbläsern Hardenberg-Neviges. In die Wallfahrtskirche kamen zur Hubertusmesse wieder mehr Menschen als zu so manchem christlichen Hochfest. Die Besucher erwartete, neben den erbaulichen Worten des ehemaligen Wallfahrtsleiter Pater Hubertus Hartmann, ein musikalischer Hochgenuss. Sie wurden nicht enttäuscht.

Nachdem der Männerchor die Klänge der Freude dargebracht hatte, brausten die Jagdhornbläser durch die moderne Kathedrale, ein Klang, der durch Mark und Bein geht. So eingestimmt begrüßte Pater Hubertus Hartmann die Gemeinde und erinnerte an den seinen Namenspatron, den Heiligen Hubertus, der nach der Legende in den Ardennen zum christlichen Glauben bekehrt wurde und anschließend über die Eifel bis ins Bergische Land verehrt wurde.

„Herrgott, warum lässt Du so was zu“, klagte Pater Hubertus über Not und Leid. Er zitierte zu Beginn seiner Predigt Teresa von Avila. Der Pater redet über den „lieben“ Gott, an dem doch so viele zweifeln. „An diesen lieben Gott haben auch gläubige Menschen so ihre Fragen, Fragen nach Gerechtigkeit und warum Gott so viel Leid zulässt. Das sind Fragen, die Theologen in Erklärungsnot bringen. Nutzt unser Beten überhaupt was, so dacht man schon vor Jahrtausenden“, so der Priester. „Kriege und Flucht sind nicht von Gott gegeben, sondern von Menschen geschaffen. Die Welt ist eben so, wie das, was draus gemacht wurde und was draus gemacht wird“, stellte der lebenserfahrene Franziskanerbruder fest und fordert: „Der Weg zu Gott ist das Gebet, auch wenn es das Gebet der Anklage ist“, womit der Prediger an den Anfang seiner Betrachtung anknüpft. Der gebürtige Kölner würzte seine Predigt zum Schluss mit einer humorigen Anekdote über Kardinal Joseph Frings, um den Zwiespalt zwischen theologischer Theorie und Glaubenspraxis mehr zu verdeutlichen.

Pater Hubertus, der Ende des Monats das 88. Lebensjahr vollendet, erinnerte an den Anfänge der Hubertusmesse, die von Anfang an durch das Fanfarencorps Neviges mitgestaltet wurde. „Später hat uns die Feuerwehr den Florianstag nachgemacht - auch sehr besuchenswert.“ Die Teilnahme der Schützen und Jäger hält er für obligatorisch, schließlich ist der Heilige Hubertus deren Schutzpatron. Mehrfach warb er für den Männerchor 1863, der gestern Abend noch ein großes Konzert gab. Besonders angetan war der greise Zelebrant von dem jüngsten Musiker und bat den zehnjährigen Daniel aus den Reihen des Fanfarencorps zu sich. Er bedankte sich mit einer Ehrennadel für dessen Engagement als Trommler. Anschließend stellte der Nachwuchsmusiker unter Beweis, dass er die Auszeichnung zu Recht erhielt: Mit „Highland Cathedral“ setzte das Fanfarencorps einen musikalischen Höhepunkt. Ein Stück, das Gänsehaut erzeugt, besonders wenn der Klang durch die außergewöhnliche Akustik des Domes noch verstärkt wird. Da nach der Messe der Regen aufgehört hatte, fand vor dem Pilgerhaus ein kleines Platzkonzert statt. Dabei ließen die Jagdhornbläser „ihren“ Pater Hubertus hochleben, der vor drei Tagen seinen Namenstag feiern konnte.

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