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Birgit Angern-Dorgarten: "Ich bin süchtig nach Landschaftsmalerei"

Neviges : „Süchtig nach Landschaftsmalerei“

Birgit Angern-Dorgarten wünscht sich für Nevigeser Künstlerladen , dass dort Werke im Kontext ihrer Entstehungsgeschichte präsentiert werden.

Ein Ende des Lockdowns im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist immer noch nicht wirklich in Sicht. Bildenden Künstlern fehlt es somit an Ausstellungsmöglichkeiten. Die WZ bietet ihnen im Rahmen der Serie „Kreatives Velbert“ ein Forum und die Möglichkeit, sich zum Plan zu äußern, einen Leerstand im Herzen von Neviges dauerhaft in die Hände von Künstlern zu geben. Heute nutzt die Chance die hauptberufliche Malerin Birgit Angern-Dorgarten aus Neviges.

Wann und wie wurde bei Ihnen das Interesse geweckt, künstlerisch aktiv zu werden?

Birgit Angern-Dorgarten: Ich schätze, es waren die langen, einsamen Nachmittage und Abende als Schülerin, als wir neu in einem recht abgelegenen Dorf in Schwaben wohnten und ich alles an Handwerk und Malen ausprobierte, was ich ersinnen und mir leisten konnte.

Gibt es Vorbilder oder Lehrer? Wie verlief Ihr künstlerischer Werdegang?

Angern-Dorgarten: Beim Leben in Schwaben lernte ich perspektivisches Zeichnen während einiger Praktika in einem Architekturbüro. Später studierte ich Aquarellmalerei und freies Zeichnen in Stuttgart. Einige Jahre lebten wir in den USA und Griechenland. Die vielen weiteren Reisen in die USA haben mich vollkommen süchtig nach Landschaftsmalerei und ganztägigem Malen gemacht – was wohl auch auf den Großteil meiner Lehrer und Malerkollegen dort zutrifft. Weitere Fortbildungen an der Küste in Holland folgten. Seit etwa 2010 gebe ich Aquarell- und Zeichenkurse in Leipzig und auch hier auf unserem Hof.  

Was ist Ihre bevorzugte Technik, wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Angern-Dorgarten: Ich habe keine bevorzugte Technik und keinen eindeutigen Stil. Meine Entscheidungen schwanken zwischen impressionistisch und expressionistisch – je nachdem, was ich beobachtet und gespürt habe, was vor sich geht – in der Natur. Ein Beispiel: eine Cumulus-Wolke male ich mit anderer Geste und Technik als einen stumpfen, grauen Felsen oder einen feinen, lockeren Blumenkranz. Eine Küste im Sturm nehme ich mir anders vor als einen Strand am heißen, bleiern schweren Sommertag – malerisch wie auch von der Technik her. Es schwingt etwas anderes.

Wovon lassen Sie sich gerne inspirieren?

Angern-Dorgarten: Alles dient mir dazu – wirklich alles. So, wie man in Wolken etwas erkennen kann, so kann man es in allem, was einem so begegnet. Ein Gedicht genauso wie ein geschmolzener Asphaltfleck auf der Straße wie ein abgebissenes Stück Brot. Die Phantasie hat keine Grenzen, wenn wir fein beobachten und frei sind.

Wo entstehen Ihre Kunstwerke?

Angern-Dorgarten: Als Landschaftsmalerin oder auch „plein-air painter“ wandere ich mit der Ausrüstung in die Natur. Eine meiner festen Stationen ist ein alter Bauwagen, der zwischen alten Bäumen bei uns auf der Wiese steht – dort bin ich bei jedem Wetter. Am Meer stelle ich die Staffelei meistens direkt innerhalb der ersten Meter des ankommenden Wassers auf. Dies am liebsten bei Sturm oder Regen in Gummistiefeln, denn dann ändert sich so viel im Wolkenbild, dass es unglaublich interessante Szenen ergibt. Dort am Wassersaum ist man den Elementen unmittelbar ausgesetzt und saugt die Atmosphäre authentisch auf.

Wann haben Sie das erste Mal ausgestellt und wo würden Sie gerne ausstellen?

Angern-Dorgarten: Die ersten Ausstellungen waren auf einem Gutshof und in einem Schloss bei Leipzig, wo wir einige Jahre wohnten. Zudem hängen dort seit Jahren große Aquarelle von mir im Mendelssohn-Haus und im alten Rathaus einer Nachbarstadt. Da mir die Atmosphäre von alten Mauern und weiß getünchten Wänden so sehr als Hintergrund  gefällt, finde ich einen solchen historischen Ort am passendsten und am geschmackvollsten. Seit kurzem habe ich das Glück einer Dauerausstellung in einer Naturheilpraxis im alten Rathaus in Heidhausen. Dort trifft der Gedanke mit den alten, dicken Mauern vollkommen zu.

Inwieweit beeinflusst die Corona-Pandemie Ihre Arbeit?

Angern-Dorgarten: Ein Landschaftsmaler braucht eine gehörige Portion Humor und Improvisationsvermögen – das hilft mir durch diese Zeit der fehlenden Ausstellungen und großen Malkurse. Bei der Arbeit draußen ist es ja so: mal regnet es plötzlich, mal wird die Staffelei mit Ölbild drauf vom Wind umgeschmissen, mal fehlt etwas, und mal ist man durchgefroren. In anderen Worten: die Pandemie beeinflusst mich, aber ich nehme mir die gewonnene Zeit gerne zum Malen. Außerdem habe ich meine Online-Präsenz ausgeweitet: neben meiner Homepage nutze ich Instagram und bleibe darüber mit meinen Malerkollegen im In- und Ausland eng verbunden. Auch kam ich auf die Idee einer kleinen Sommergalerie vor dem Haus. Dazu hätte ich ohne Pandemie keine Zeit gehabt. Auf dem Neanderlandsteig wandern mehr Menschen als früher, und manche freuen sich, unerwarteterweise eine Ausstellung am Wegesrand zu sehen.

Woran arbeiten Sie gerade?

Angern-Dorgarten: Aufgrund meiner verschiedenen Interessen in der Malerei arbeite ich an einigem gleichzeitig. Zum einen male ich große Küstenszenen in Öl. Diese fertige ich nach Skizzen an, die ich vor Ort gemacht habe, denn ich habe wie viele schon lange auf meine Reisen verzichtet. Zum zweiten stecke ich in einer amerikanischen „challenge“, in der täglich auf Instagram ein Stillleben bzw. eine Landschaftsmalerei veröffentlicht werden, Stil und Medium sind egal. Zum dritten entwerfe ich eine Frühlingsserie in Aquarell.

Was halten Sie persönlich von der Idee, in Neviges ein leerstehendes Ladenlokal von Künstlern mit Leben erfüllen zu lassen?

Angern-Dorgarten: Eine Ausstellungsmöglichkeit oder eine Art betreutes Museum oder Galerie halte ich für eine sehr schöne Idee – jedoch sollten meiner Ansicht nach die Werke von Künstlern in Verbindung mit einer Geschichte zu ihrer Entstehung präsentiert werden können.