Velbert : Beratungsbedarf zur Impfung ist groß

550 Ratsuchende haben sich allein in den ersten beiden Wochen an die Stadt gewandt.

Seit Wochenbeginn erhalten auch im Impfzentrum des Kreises Mettmann am Timocom Platz 1 in Erkrath-Hochdahl impfwillige Frauen und Männer über 80 Jahre ihre erste Dosis gegen das Corona-Virus. Dass dieser Standort für Senioren aus dem nördlichen und südlichen Kreisgebiet nur mühsam zu erreichen ist, wenn diese selber nicht mehr Auto fahren, damit hatte sich die Velberter Haupt- und Finanzausschuss nach Bürgerkritik im Januar auseinandergesetzt.

Fakt ist, dass das Land NRW die Vorgabe machte: nur ein Zentrum pro Landkreis. Taxigutscheine oder einen Impfbus regten die Lokalpolitiker als Lösung an. Herausgekommen ist der einheitliche Appell der Bürgermeister an die familiäre beziehungsweise nachbarschaftliche Hilfe, der Hinweis auf die Bedürftigkeitsprüfung für einen Taxischein durch den Hausarzt, je nach Pflegegrad oder Schwerbehinderung. Und erst wenn diese Möglichkeiten nicht zum Erfolg führen, die Vermittlung eines Fahrdienstes durch die Stadt Velbert. 

„Ich mache mir Gedanken darüber, wie betagte Menschen den Mut finden sollen, sich zu einem Impftermin in Erkrath anzumelden, wenn die Frage der Anreise dorthin nicht zufriedenstellend geklärt werden kann, da von Velbert aus dieser Ort mit öffentlichen Verkehrsmitteln für Senioren schlichtweg nicht erreichbar ist und nicht jeder in diesem Alter noch Auto fährt. Schwierigkeiten können sich auf Grund von Krankheit, des Fehlens der Familie in der näheren Umgebung, des leider bereits erfolgten Verlustes von Freunden und Bekannten ergeben“, so WZ-Leser Peter Egen (84). Er und seine gut 80-jährige Ehefrau waren in der glücklichen Lage, nach pausenlosem Wählen der Hotline-Rufnummer der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) für den 9. Februar einen Impftermin zu erhalten und den auch mit dem eigenen Auto anzusteuern. Den von der Stadt gut gemeinten Rat, mit dem Taxi nach Erkrath zu fahren, würde der Nevigeser Menschen, die von einer kleinen Rente leben müssen, nicht geben. „Wir reden hier für Velberter nämlich von Kosten von mindestens 60 Euro.“

Dass der Beratungsbedarf bei Velbertern groß ist, erfuhr die WZ auf Nachfrage bei der Stadt. Mit der Impfeinladung wurde den Senioren auch eine Rathaus-Rufnummer für Informationen genannt. „Es gab in der ersten Woche 400 und in der zweiten Woche 150 Anrufe. Die meisten Anrufer wollten Impftermine, wofür natürlich nicht wir, sondern die KV zuständig ist“, erklärt Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach. Andere hätten Taxipauschalen oder Bus-/S-Bahn-Verbindungen angefragt. Informationen, die die Stadt auch auf ihren Corona-Sonderseiten im Netz hinterlegt hat. „Bisher haben wir erst zwei Personen, die keine Nachbarschaftshilfe und keinen Taxischein in Anspruch nehmen können. Sie werden von Bürgerbusfahrern im Feuerwehrfahrzeug nach Erkrath gefahren“, so Blißenbach.

Gerne hätte die WZ von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein erfahren, wie viele Velberter in den ersten Tagen in Erkrath geimpft wurden und ob das Interesse an Impfterminen aus Velbert geringer als aus anderen Städten des Kreises ist. Doch KV-Sprecher Christopher Schneider teilte mit: „Nach unseren Informationen sind die rund 275 Impftermine, die jeweils für Montag und Dienstag im IZ Erkrath vergeben waren, wahrgenommen worden. Ob und wenn ja, in welchem Umfang Bürger aus Velbert darunter waren, können wir ad hoc nicht aufschlüsseln.“