Wülfrath/Velbert : Belegt: Die Anger entspringt in Velbert

In einem Buch weisen drei Hobbyhistoriker nach, dass die Anger nicht in Wülfrath entspringt.

Wo entspringt die Anger? Ist es der sprudelnde Stein am Angergarten im Herzen von Wülfrath? Oder ist es der felsige Keller des Hauses „Hausmann“ In den Fliethen in Velbert?  Geht es nach Friedhelm Kopshoff, August Wilhelm Rees und Jürgen Scheidsteger, entspringt die Anger in diesem Bereich, wo auch die Schloss- und Beschlagindustrie ihren Ursprung nahm. Die „Wönnemannsche Schmiede“, die demnächst wieder  im neuen Deutschen Schloss- und Beschlägemuseum zu sehen sein wird, gibt Zeugnis von der Handwerkskunst, die auf vielen Kotten neben der Landwirtschaft gepflegt wurde. In einer wesentlich erweiterten Ausgabe des Buches „Das obere Angertal“ legen die drei oben erwähnten Hobbyhistoriker  Dokumente vor, nach denen sich die Angerquelle tatsächlich im Velberter Süden nachweisen lässt. Allerdings hat sich das Obere Angertal in den vergangenen 80 Jahren sehr stark verändert.

Der Bach, der In den Fliethen unweit des Bastersteich auf einer Höhe von 250 Metern über Normalnull entsprang, schlängelte sich Richtung Rohdenhaus. In dem Tal gab es zahlreiche Höfe und Kotten, die je nach Bodenbeschaffenheit unterschiedlich genutzt wurden. Steile Hanglagen dienten der Rinder- und Milchviehhaltung, während die Ausläufer der fruchtbaren Mettmanner Löß-Lehmböden in Rützkausen und Püttbach für den Getreideanbau genutzt wurden. Der „Schlammteich“ veränderte das Landschaftsbild grundlegend. Der im Bruch gewonnene Kalkstein muss vor seiner Weiterverarbeitung gewaschen werden. Das mit Sand und Lehm versetzte Wasser wurde zur Ablagerung in ein Becken geleitet. An der schmalsten Stelle des Tales unweit des Gehöftes „Im Dahl“ wurde 1940 mit Bau eines Dammes begonnen. Die dicken Rohre entlang der Rützkausener Straße erinnern an den Wasserkreislauf der Kalksteinwäsche.

Durch das stete Absinken der Schlammablagerungen bildete sich bis 1998 eine feste Fläche. Den Verträgen zwischen den bäuerlichen Grundstückseigentümern und „Kalk“ waren Karten beigefügt, die ursprünglich aus dem Katasteramt des damaligen Kreises Düsseldorf-Mettmann stammten.

Die Bezeichnung „Angerbach“ wurde durchgestrichen und durch „Eignerbach“ ersetzt. Unklar ist, wer diese Änderung vornahm. Von da an setzte sich dieser neue Name immer mehr durch. Niemand kann mehr genau sagen, woher diese Bezeichnung kommt. Der Damm wurde bis auf 72 Meter Höhe erweitert, das dahinter liegend Tal verschwand im dem Sedimenationsbecken. Die Autoren fanden zahlreiche Unterlagen, die beweisen, dass es bei diesem  Bach, der wegen des Beckens seine Lage veränderte, um die Anger handeln muss.

Das, was da heute vom Krapps Teich am Angergarten munter Richtung Rhein plätschert, heißt „Eselsbach“. So die Bezeichnung im  „KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.“ Dabei handelt es sich um ein Informationssystem des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) über die historische Kulturlandschaft und das landschaftliche kulturelle Erbe. Ebenso fanden sich Hinweise, die das Gewässer zwischen der Wülfrather Innenstadt und Rohdenhaus als „Mühlenbach“ bezeichnen. 129 Quellen zum Quellort der Anger untersuchte das Autorentrio. Das Ergebnis ist eindeutig: 114-mal konnte die Angerquelle Velbert zugeordnet werden, 14 Zuordnungen waren unklar, eine bezog sich auf Wülfrath, und zwar im Städteatlas des LVR Wülfrath von Kurt Wesoly aus dem Jahr 1996. „Das ist schon eine seltsame Geschichte“, stellt Jürgen Scheidtsteger fest, der bereits nach dem ersten Band zahlreiche Mandatsträger anschrieb.

Eine Umbenennung
des Baches sei zu teuer

Eine Umbenennung des Baches beabsichtigt niemand: „Zu groß der Aufwand, zu teuer“, so der allgemeine Tenor. „Der ehemalige Velberter Stadtdirektor Hans-Günter Steinhauer sagte mir, wir hätten Recht, aber damit kämen wir nicht durch. Landrat Thomas Hendele schrieb, der Eigenerbach hätte inzwischen auch eine historische Situation.“

In der zweiten Auflage „Das obere Angertal“ spricht von  129 aufgeführten Fakten zum Quellort der Anger nur einer für Wülfrath, alle anderen für Velbert. Das Buch mit 212 Seiten und 254 Abbildungen ist für 28,80 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich. ISBN 978-3-9816362-5-3