Wülfrath : „Bei Kontrollen härter durchgreifen“

Die WZ hat Wülfrather gefragt, was sie von der Verlängerung des Lockdowns halten – und ist auf viel Verständnis gestoßen.

. Obwohl der Inzidenz­wert am ersten Dienstag im neuen Jahr unter die 100-Marke fällt, ist der Corona-Virus noch lange nicht besiegt. Die Massenimpfungen haben gerade erst begonnen, die Zahlen der erneut erkrankten Menschen sind noch immer zu hoch. Grund für die Länderchefs, den zunächst bis 10. Januar geplanten Lockdown bis Ende des Monats auszuweiten. Doch was sagen die Wülfrather zu den Plänen der Regierung? Wir haben nachgefragt und sind auf viel Verständnis gestoßen.

So spricht sich beispielsweise Christiane Wotsch für die Verlängerung aus und appelliert gleichzeitig an den Verstand mancher Menschen, die sich nicht an die Regeln halten. „Ich gehöre zur älteren Generation und habe große Angst davor, mich anzustecken und in das Krankenhaus zu müssen. Das sollten die Leute, die sich nicht an die Abstands- und Hygieneregeln halten, sich einmal vor Augen führen.“ Das sieht Annemarie Müller (Name von der Redaktion geändert) ebenso. „Ich habe meine Eltern seit sechs Monaten nicht gesehen, obwohl sie ganz in der Nähe wohnen. Ich stelle die Einkäufe vor die Tür und fahre wieder. Ich verspüre gerade nicht den Drang, mich in die Einkaufswelt zu stürzen, schon allein aus Mitgefühl der zahlreichen Toten gegenüber. Für mich ist der längere Lockdown die einzig richtige Entscheidung.“

Auch Georg Cieslik spricht sich für das Vorhaben der schwarz-roten Bundesregierung aus. „Ich vermisse aktuell nichts, was ich dringend im geschlossenen Einzelhandel kaufen müsste“, gibt der Wülfrather wieder. Einzig bei der Frage nach der ebenso angedachten verlängerten Schulschließung ist Georg Cieslik geteilter Meinung. „Ich kann nicht beurteilen, wie die richtige Lösung diesbezüglich aussieht. Natürlich müssen die Kinder etwas lernen, aber vielleicht kann man noch einmal eine Ferienerweiterung schaffen und dafür die anderen Ferien verkürzen.“

Für Jan Morgala ist die Situation, in der wir uns befinden, von Menschen gemacht. „Denn es halten sich noch immer zu wenig Personen an die Regeln. Da können wir von den Zahlen nicht runterkommen“, argumentiert er seine Stellungnahme. Dass ihm ebenfalls aktuell nichts fehlt, was er im Lockdown unbedingt benötigt, gibt er ebenfalls wieder. „Außerdem haben wir trotzdem Möglichkeiten, an ein Vollsortiment zu kommen. Beispielsweise bietet der Real-Markt nicht nur Lebensmittel an.“
Klaus Helmes trifft in seiner Aussage noch deutlichere Worte. Für den Wülfrather sind die Lösungen der Regierung auf die dynamische Situation „zu chaotisch“. „Besonders für meine ältere Mutter ist es schwer, an Informationen zu kommen, wenn sich die Regelung regelmäßig ändert“, gibt er wieder. „Jedes Bundesland macht es anders, es fehlen einfach zahlreiche Informationen.“ Bezüglich der Lockdown-Verlängerung hätte sich Klaus Helmes gewünscht, dass diese schon wesentlich länger in Kraft wäre. „Im Herbst hätte man direkt in diesen harten Lockdown starten sollen, anstatt nur die armen Gastronomen –  die nachweislich keine Gefahrenquellen waren – zu bestrafen.“ Für die Zukunft wünscht sich der Wülfrather, dass besonders bei den Kontrollen und den damit verbundenen Bußgeldern härter durchgegriffen wird. „Denn 50 Euro, die tun nicht weh. Bei 500 Euro überlegen es sich die Menschen aber mehrmals, ob sie gegen die Vorgaben verstoßen.“

Deutliche Kritik an der Organisation der Impfungen

„Das muss so sein und wird auch etwas bringen“, meint Harry Bernecker. Dies sei der einzige Weg, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Er fühlt aber auch mit den Schülern, deren Unterricht sich unter den gegebenen Bedingungen derzeit schwieriger gestaltet. Auch Ilse Forsthoff hat Verständnis für die Verlängerung des Lockdowns. „Ich hoffe, dass die Pandemie dadurch eingedämmt wird. Er wäre schön, wenn sich alle an die Vorschriften halten würden, damit es wirklich klappt.“

Eine betagte Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, übt Kritik an der Organisation der Corona-Impfungen. „Da hat Deutschland schön geschlafen, es gibt viel zu wenig Impfstoff. Andere Länder machen es vor, wie es richtig geht. Sie haben rechtzeitig und in ausreichender Menge bestellt.“ Sie würde sich sofort impfen lassen, weil sie zu einer Risikogruppe zählt. Der Lockdown geht ihr auf die Nerven. „Das einzige, was noch geht, ist der Gang zum Arzt.“ Aber auch sie zeigt Verständnis für die Maßnahmen. „Wenn die das wieder lockern, geht es wieder los.“

„Wenn die Infektionszahlen immer rauf und runtergehen, ist die Verlängerung des Lockdowns natürlich sinnvoll“, sagt Egon Fix. Die Einschränkungen beträfen ihn persönlich nicht besonders, aber vor allem die betroffenen Geschäftsleute und Gastronomen haben sein Mitgefühl. „Für sie ist es jetzt sehr schwer.“

„Die sollen mehr machen, damit das funktioniert“ meint eine Erzieherin, die ebenfalls nicht namentlich genannt werden möchte. Sie kritisiert, dass die Kindergärten weiterhin geöffnet sind. „Wenn sie die zumachen, gehen auch die Zahlen nach unten“, ist sie sich sicher. Auch sie übt Kritik an der Bundes- und Landesregierung. „Die hatten im Sommer genug Zeit, sich etwas einfallen zu lassen. Passiert ist zu wenig.“