Velbert : Bei den Orchestern herrscht Stille

Kaum Auftritte, erschwerte Probebedingungen: Die Musiker in Neviges haben es im Pandemiejahr extrem schwer.

Die Pandemie legt auch die Orchester in Velbert lahm. Beispiel Fanfarencorps Neviges: „Wir haben unsere Proben freiwillig schon Mitte Oktober ausgesetzt“, berichtet Vorsitzender Andreas Fischer. Erst zwei Monate zuvor hatte man, nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt, den Übungsbetrieb im Tönisheider Pfarrheim wieder aufgenommen. Das vorzeitige Ende vor dem offiziellen Lockdown begründet Fischer mit der Sorge um die Gesundheit der Mitglieder: „Wir haben einige ältere Semester in unseren Reihen, die zur Risikogruppe gehören.“ Ohnehin war das Jahr von Absagen geprägt, zuletzt der Martinszug der KAB sowie die traditionelle Hubertusmesse im Mariendom: „Den Jagdhornbläsern geht es nicht besser“, weiß der Nevigeser. Bis auf ein vereinsinternes Gastspiel zum Geburtstag eines Ensemblemitgliedes im Januar gab es für das Fanfarencorps nicht einen einzigen Auftritt in diesem Jahr, resümiert Fischer. Auch die Weihnachtsfeier sei abgesagt.
Nicht viel besser geht es dem Musikzug der Velberter Feuerwehr. Das symphonische Blasorchester, das im obersten Geschoss der Velberter Hauptfeuerwache über einen großen Probenraum verfügt, hatte mit seinen gut 40 Musikern aus Abstandsgründen Mitte Juli den Übungsbetrieb mit „Außenproben“ wieder aufgenommen: „Auf dem Gelände eines befreundeten Landwirtes“, erläutert Musikzugführer Norbert Albrecht, denn dort fand das Ensemble ausreichend Platz, um die erforderlichen Mindestabstände einzuhalten. Ende August entfiel diese Option wegen nachlassender Temperaturen und weniger Licht am Abend. Danach probten die Musiker wechselweise in den Fahrzeughallen der Gerätehäuser in Neviges und Langenberg, aus Platzgründen zum Teil mit reduzierter Besatzung.

Als die Inzidenz, soll heißen die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb der letzten sieben Tage, Anfang Oktober kreisweit den Wert 25 überstieg, griffen bei den Feuerwehren wieder die schon im Frühjahr geltenden Beschränkungen: Danach sollen Feuerwehrangehörige, Wachen und Gerätehäuser nur noch im Einsatzfall betreten, um das Verbreitungsrisiko der Infektion zu reduzieren und die Einsatzbereitschaft der Löschzüge zu erhalten. Seither gilt auch für den Musikzug eine Zwangspause, die mit den neuen Verboten ohnehin eingetreten wäre. Neben zahlreichen Auftritten bei Feuerwehrveranstaltungen in Velbert und Umgebung, die Corona-bedingt abgesagt wurden, waren zuletzt die Martinszüge, die die Feuerwehrmusiker wie auch das Fanfarencorps jedes Jahr begleiten, gestrichen. Besonders bedauert das Orchester jedoch, dass erstmals seit Jahrzehnten die traditionellen Adventskonzerte nicht stattfinden können, so Albrecht.

In der Zwangspause befindet sich auch der Posaunenchor der evangelisch-reformierten Gemeinde. Die sieben Bläser haben die wöchentliche Probe durch einen Video-Chat ersetzt, erläutert Jörg Sindt, Presbyter und Waldhornist des Ensembles: „Thema des letzten Treffens war, in welcher Form wir noch was machen können.“ So hatte man beim ersten Lockdown im Wohngebiet Pöthen eine „Kreuzungsprobe“ veranstaltet – die Musiker hatten sich auf die vier Straßenecken verteilt, um Abstand zu halten. Der Posaunenchor spielte außerdem im Sommer bei einem Freiluftgottesdienst.

Letzter Auftritt war am Freitag vor dem Lockdown eine Videoaufzeichnung für den Gottesdienst der Freien Evangelischen Gemeinde in Wülfrath: „Persönlich glaube ich nicht, dass wir in diesem Jahr noch mal irgendwo spielen können“, zeigt sich Sindt wenig optimistisch.

Ein Auftritt aus dem Stegreif sei zudem nicht ohne Probe machbar: „Man muss vorher wenigstens ein- oder zweimal zusammen geübt haben. Immerhin können die drei Jungbläser im Alter von acht bis 15 Jahren weiterhin proben – sie bekommen durch die musikalische Leiterin Annelies Iffland Einzelunterricht per Video.