Neviges: Bei den Gartentagen zerging der Herbst auf der Zunge

Neviges : Bei den Gartentagen zerging der Herbst auf der Zunge

Kulinarische Leckereien, Dekotipps und Informationen aus erster Hand zogen viele Besucher zu den Gartentagen an.

Das müssen harte Zeiten für das Personal in den Schlössern gewesen sein: Der Verdienst war so gering, dass sich die Bediensteten keine Trauringe leisten konnten. So stahlen sie heimlich Besteck aus dem Herrenhaus und fertigten daraus Trauringe an. Wurden sie erwischt, drohten ihnen erbarmungslose Strafen. Ob das am Hardenberger Schloss so war, ist nicht bekannt. „Anderswo war das so gewesen, dass habe ich nachrecherchiert“, versicherte die Kölner Metallkünstlerin Doris Simon, die bei den Hardenberger Gartentage ihre Kreationen ausstellte. „Das Besteck ist aus Silber, das habe ich gekauft“, fügte sie hinzu. Eine Frau aus Sprockhövel war ganz angetan: „Ich habe öfter nach solchen Ringen gesucht, hier habe ich sie gefunden“, freute sie sich.

Besucher kauften mehr ein,
als sie eigentlich kaufen wollten

So mancher Besucher kaufte mehr ein, als er wollte. So wie Gerd Sodt aus Langenberg, der mit einer großen Tüten blühender Herbstblumen zum Parkplatz ging. „Die haben wir gesehen, die sind einfach schön. Mich interessierten eigentlich die Fackeln, aber ich hatte mir zuvor welche in Norddeutschland gekauft.“ Er und seine Frau wollten sich vor allem mit Käse und mit Marmelade eindecken. „Die gibt es nicht überall, höchstens noch in Düsseldorf.“ Den Herbst ließ sich Georg Biela auf der Zunge zergehen. „Flammkuchen und Federweißer – das ist jetzt die richtige Jahreszeit dafür“, so der Velberter. „Den ersten Flammkuchen hatten wir geschenkt bekommen, weil der angebrannt war. Ich hab die schwarzen Stellen abgeschnitten, der schmeckte trotzdem“, beschrieb Hildegard Biela den kleinen Bonus.

Die ausgesuchten Leckereien waren es, auf die viele Besucher scharf waren. Das fing bei Gewürzen an und endete bei ausgefallenen Käsesorten, bei deren Anblick so manchem Feinschmecker das Wasser im Munde zusammen lief.

Andere Besucher fanden originelle Dekorationsideen: Ralf Sieg hatte zum Beispiel einen alten, nach oben abgerundeten Fensterbogen ergattert, an dem die Farbe abblätterte. „Das ist ein toller Rahmen für Fotos“, beschied er. Der Neu-Nevigeser war noch ein bisschen unentschlossen: „Oder ich drehe ihn um 90 Grad und hänge kleine Objekte rein, zum Beispiel eine kleine Vase, das sieht dann auch ganz toll aus.“

In ihrem Atelier in Schwerte fertigt Burglind Becker Keramik für Haus und Garten an. „Die passen in Landhausgärten wie in moderne Anlagen. Ganz toll finden die Leute Keramikherzen mit Sprüchen drauf.“ Und noch einen Trend hat die Bildhauerin ausgemacht: „Bepflanztes Geschirr von der Oma früher. Das ist ein schönes Highlight für Küche oder den Gartentisch.“ Handfeste Tipps rund um Pflanzen und deren Pflege hatte wie immer der Obst- und Gartenbauverein Neviges parat.

Hobbygärtner sind mit der Obsternte durchaus zufrieden

Eine Traube interessierter Blumenfreunde scharte sich im Wilfried Fritsche, der 150 Exemplare an Fuchsien besitzt und eine große Erfahrung in der Pflege und Zucht der verschiedenen Arten besitzt, die sich erheblich von einander unterscheiden. Mit der Obsternte sind die Hobbygärtner in diesem Jahr durchaus zufrieden. „Je nach Standort ist es doch unterschiedlich“, so die Erfahrung von Gabriele Schnabel, die von einem durchschnittlichen bis guten Ertrag spricht. Jürgen Kirchner, der vor 17 Jahren von der Mosel nach Neviges zog, freut sich, dass Weinbergpfirsiche inzwischen nicht nur in der milden Witterung des Rheinnebenflusses gedeihen, sondern auch in den Höhen von Nordrath. Offenbar ist dies ein Effekt des Klimawandels. „Ich habe mir von der Mosel auch Reben mitgebracht, die Sorten Regent und Phönix machen sich ganz gut.“

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