Velbert: Baas Dorothea Kollenberg: Von Ruhestand keine Spur

Velbert : Baas Dorothea Kollenberg: Von Ruhestand keine Spur

Die Offers-Kompeneï feiert im Oktober das 65-jährige Bestehen.

Den alten Velberter Zungenschlag hört man jedoch immer seltener, mehr und mehr verschwindet die Mundart aus dem sprachlichen Alltag. Eine kleine Gemeinschaft hält dieses kulturelle Erbe aber bis heute aufrecht: Als mundart- und heimatkundliche Arbeitsgruppe der Volkshochschule pflegt die Offers-Kompenei das Velberter Platt - und das seit nunmehr 65 Jahren. Kursleiterin und „Baas“ (Chef oder Familienoberhaupt) der Gesellschaft ist seit 2012 Dorothea Kollenberg.

Initiiert wurde der VHS-Arbeitskreis, der erstmals am 14. Oktober 1954 rund 30 Gleichgesinnte im mittelalterlichen, ehemaligen Gutshof am Offers zusammenführte, von Rolf Fahrenkrog. Dem damaligen Leiter des Velberter Kulturamtes wird der Satz zugeschrieben, dass die meisten Menschen, die Platt sprechen, eigentlich nur „Huachdütsch met Knubbeln“ können. Es sollte ernsthafte Arbeit geleistet, der bergische Frohsinn jedoch nicht außer Acht gelassen werden – ein Motto, dem die Offers-Kompeneï getreu der Devise „Kall met us Velbeder Platt!“ bis heute folgt.

Dorothea Kollenberg stieß erst 2005 dazu, nachdem ihr Mann verstorben war: „Er und meine Schwiegermutter hatten zu Hause immer Platt gesprochen.“ Als gebürtige Sauerländerin hat sich die Wahl-Velberterin, die seit 1958 in der Schloßstadt lebt, in die Mundart hineingefunden und spricht sie inzwischen recht leidlich: „Manchmal erziele ich allerdings ganz gute Lacherfolge, wenn ich etwa ein Gedicht vortrage.“ Die Kompeneï habe sie jedoch sehr gut getragen, als sie 2012 die Aufgaben des Baas zunächst kommissarisch übernahm, nachdem Friedhelm Kopshoff und Maria Dübbers das Amt aus Altersgründen abgegeben hatten.

Viele Mundartlesungen, zum Beispiel aus Werken der Heimatdichter Carl Schmachtenberg und Eduard Schulte, dazu etliche Veröffentlichungen dokumentieren die Arbeit des Kreises, der aktuell mehr als 30 Kompeneïslütt zählt – die meisten jenseits der 70, die noch von klein auf Platt gelernt haben und auch sprechen, aber auch Mundartfreunde, die Platt zumindest gut verstehen und sich zunehmend mit Erfolg bemühen auch Platt zu sprechen.

Früher eher Schulstunde, heute Vertellsches und Ongerhaulen

Zwei junge Männer, die die Mundart sehr gut beherrschen, können wegen ihres auswärtigen Studiums zur Zeit leider nicht an den Treffen teilnehmen: „Es gibt zum Glück noch Familien, die Platt sprechen, wo auch die Kinder Spaß daran haben“, freut sich Kollenberg. Über die Jahre habe sich der Charakter der Treffen indessen sehr verändert: „Anfangs waren das regelrechte Schulstunden“, weiß die agile 81-Jährige zu berichten. Heute prägen eher Vertellsches (Erzählungen) und ein munteres Ongerhaulen (Unterhalten) die Zusammenkünfte: „Die Gruppe ist ganz toll zusammengewachsen, es macht einfach Freude“, erklärt Dorothea Kollenberg ihre Motivation.

Ein besonderes Erlebnis ist für sie der Mundart-Gottesdienst, der einmal pro Jahr in der Alten Kirche gleich neben dem Offers gehalten wird: „Friedhelm Kopshoff überträgt die Predigt von Gerhard Sandrock vorab in Velberter Platt, und auch die Gebete werden in Mundart gesprochen“, erläutert die Velberterin: „Die Kirche ist jedes Mal gerammelt voll.“ So ergab die Kollekte im Vorjahr stolze 900 Euro für den Hospizverein. Zum Vormerken: Der Gottesdienst wird am 11. September um 18 Uhr gefeiert.

Mehr von Westdeutsche Zeitung