Auf der Tanzfläche blüht sie auf

Auf der Tanzfläche blüht sie auf

Astrid Kallrath trainiert die Bundesliga- Formation des TSZ Velbert. Ihre Arbeit zeigt der WDR in der Doku-Soap „Tanzfieber“.

Velbert. Ihre Mannschaft zeigt bei jedem Auftritt Können, Kraft und Koordination auf Spitzenniveau. Ihre Formation tanzt in der Bundesliga, die Mitglieder gehören zu den stärksten Sportlern Velberts. Sie selbst hingegen ist für die Öffentlichkeit kaum zu sehen: Tanz-Trainerin Astrid Kallrath von der Formationsgemeinschaft Bochum/Velbert ist Motor, Managerin und zeitweise wohl auch eine Art Mutter ihres Teams. Sie selbst sagt: „Über ein bloßes Hobby geht das längst hinaus. Tanzen auf dem Level ist richtig Arbeit.“

Kallraths Formation bereitet sich derzeit erneut auf die Deutsche Meisterschaft vor. Zusammen mit Co-Trainer Steffen Runge verlangt die Chefin ihren elf Tanzpaaren im Sportzentrum an der Metallstraße alles ab. Nur acht werden als Turnierauswahl antreten, in glitzernden, maßgeschneiderten Kostümen ihre Leistung zeigen.

Latein-Formationstanz bedeutet Lebensfreude, strahlende Menschen und eine scheinbare Leichtigkeit auch der schwierigsten Figuren. Astrid Kallrath zeigt bei ihrer Arbeit ganz unterschiedliche Facetten. Da ist die Profi-Managerin, die zügig und furchtlos an jedes Problem heranzugehen scheint. Nur ein Blick, eine Körperdrehung genügt, dann ist sie im persönlichen Gespräch mit einem Team-Mitglied. Immer ruhig, gerade aufgerichtet zeigt sie sich. Was da besprochen wird, hat erkennbar Gewicht.

Tänzerin Elena Käser, Studentin und seit mehr als vier Jahren in Kallraths A-Team, sagt: „Sie muss schon wahnsinnig viel abkönnen. Es gibt so viele verschiedene Charaktere in der Mannschaft. Es ist toll, was wir zusammen erreichen.“ Auf der Tanzfläche blüht Kallrath auch selbst sichtlich auf. Geschickt bewegt sie sich zwischen den Tanzreihen, taucht mal rechts, mal links auf. Sie korrigiert die Aufstellung in einer Reihe oder die Körperhaltung bei einem Paar.

Ursprünglich kam Kallrath als Top-Tänzerin in ihr Metier. Mit fünf war sie im Ballett, als 19-Jährige war sie in einem Bonner Verein dabei: „Ich hab’ gesagt: Tanzkurs ist öde. Aber Formation — das ist cool.“ Später zog sie vorübergehend nach Düsseldorf, um bei ihrem Wunsch-Verein tanzen zu können. Nach Velbert kam sie aus Gefälligkeit für einen früheren Trainer - und war sogar erst enttäuscht: „Ich war zu ungeduldig. Das waren so pubertäre Tanzschüler. Ich fühlte mich fehl am Platze.“

Astrid Kallrath, Tanz-Trainerin, zum Training in der inzwischen geschlossenen Stadthalle Neviges

Ein erstes Leitungs-Angebot habe sie ablehnen wollen, sagt Kallrath: „Ich habe gesagt, ich komme nur, wenn wir ab sofort fünfmal pro Woche trainieren.“ Zu ihrer Überraschung sagte die damalige Mannschaft aber glatt zu. Es wurde der Beginn einer starken Karriere. Über Jahre trainierte das Tanzssportzentrum in der nun geschlossenen Stadthalle Neviges. Über den Umzug ins Sportzentrum Velbert spricht Kallrath zwiespältig: „Die Stadthalle war dunkel und im Winter kalt. Es hatte mehr von Anstrengung, dort zu trainieren, mehr Flair.“

Die aktuellen Anstrengungen der Mannschaft zeigt das WDR-Fernsehen in der Doku-Soap „Tanzfieber“ — zusammen mit anderen Tanzaktionen in Nordrhein-Westfalen. Die immense Resonanz bekomme sie zu spüren, sagt Kallrath: „Das tut dem Tanzsport gut. Ich glaube, seit 20 Jahren hat es keine solche Dokumentation mehr gegeben.“ Viele würden schreiben, wie gern sie mitmachen wollten. Und dass sie wüssten: Das kann gar nicht jeder schaffen. Dabei sagt Astrid Kallrath, dass sie inzwischen geduldiger geworden sei: „Mich fragen Leute sogar manchmal, ob ich ihnen Walzer beibringen kann. Klar mache ich das.“ Als Tanztrainerin bekomme sie auch von andernorts Anfragen, sagt Astrid Kallrath. Aber von Velbert weg wolle sie nicht mehr: „Es sind die Leute hier. Alle haben das Herz auf dem rechten Fleck.“

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