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Arbeit und Pflege: Velberter Firma hilft bei Doppelbelastung

Arbeit und Pflege: Velberter Firma hilft bei Doppelbelastung

Das Unternehmen Mecu unterstützt seine Mitarbeiter, wenn sie Angehörige versorgen.

Velbert. Wenn Unternehmerin Sabine Lindner-Möller vom Tod ihres Lagermitarbeiters erzählt, schaut sie heute noch nachdenklich zu Boden. „Das hat mich zutiefst betroffen gemacht“, sagt die Geschäftsführerin der Mecu Metallhalbzeug GmbH in Velbert. „Da wusste ich, dass ich etwas tun muss, damit Mitarbeiter mit ihren Problemen nicht alleine bleiben.“

Der Mitarbeiter hatte jahrelang seine Frau gepflegt. Von den seelischen und körperlichen Belastungen im Privatleben wussten die Kollegen. „Trotzdem weiß man nicht so recht, was man außer Mitgefühl als Hilfe bieten kann“, sagt Lindner-Möller. Eines Tages ging der Kollege nach Feierabend heim und kam nie wieder — er starb an einem Herzinfarkt. Für das Unternehmen ein einschneidendes Erlebnis. Lindner-Möller dachte nach. „Ich wollte meinen Mitarbeitern eine Hilfe anbieten, wenn sie in die Lage kommen, einen Angehörigen zu pflegen“, sagt sie.

Nach einem Gespräch mit der Stadt Velbert wurde sie an die Diakonie Niederberg weitergeleitet. Letztlich entstand ein gemeinsames Projekt „Vereinbarkeit Pflege und Beruf“, das es mittlerweile seit vier Jahren gibt. Am Mittwoch wurde es im Rahmen der „Unternehmenstage 2013 — Innovative Personalpolitik“ des Kompetenzzentrums Frau und Beruf Düsseldorf und Kreis Mettmann vorgestellt.

So funktioniert das Angebot: Hat ein Mitarbeiter Not, weil ein Angehöriger zum Pflegefall geworden ist, kann er sich bei der Diakonie melden. Dort erfährt er bei einem Pflegeberatungsgespräch, was zu tun ist — vom Beantragen des Pflegegelds über die Suche nach einem Heimplatz bis zum Umgang mit dem medizinischen Dienst. Die Kosten von 88 Euro übernimmt Mecu.

Wer den Termin nicht persönlich ausmachen will, kann sich an Personalleiter Matthias Müller wenden. „Der Mitarbeiter kann den Termin in seiner Arbeitszeit wahrnehmen. Auch wenn andere Dinge im Rahmen der Pflege zu regeln sind, versuchen wir, eine Lösung in Sachen Arbeitszeiten zu finden.“

So war es auch bei Thomas Draganski. Der 47-Jährige hatte 2012 entschieden, seine damals 85-jährige Mutter zu sich nach Hause zu holen. „Sie war im Krankenhaus und es war klar, dass sie nicht in die eigene Wohnung zurück kann. Dann musste ich allerhand organisieren: ihre Wohnung auflösen, bei mir ein Zimmer einrichten, die Pflegestufe beantragen. Da war es super, dass mir das Unternehmen Freiräume gegeben hat und ich die Pflegeberatung in Anspruch nehmen konnte. Denn durch den Dschungel der Pflegegesetze blickt doch niemand durch“, sagt er. Das Angebot seines Unternehmens motiviere ihn auch. „Es ist schön zu wissen, dass man nicht im Stich gelassen wird.“

Das sagt auch Manfried Wiezorrek. Sein Vater (80) kam nach einer Herzoperation im Jahr 2010 nicht mehr auf die Beine. Wiezorrek musste innerhalb kurzer Zeit einen Heimplatz suchen. „Nur: Ich wusste ja gar nicht, was dann zu tun ist.“ Die Diakonie habe ihn mit Informationen rund ums Thema Heimplatz helfen können. „Und ich hatte den Kopf wieder für die Arbeit frei“, sagt er.

Für Chefin Sabine Lindner-Möller steht fest, dass sie mit dem Projekt genau die richtige Entscheidung getroffen hat. „Die Mitarbeiter sind dankbar. Das spüre ich. Und ihre Bindung an das Unternehmen ist enorm.“