Wülfrath : Mit Hypnose gegen die Leiden der Seele

Markus Kranz ist Heilpraktiker für Psychotherapie. Er setzt auf Hypnose.

. Marie ist 18 Jahre, eine zierliche junge Frau. Wegen Depressionen hat sie bereits eine Psychotherapie gemacht. „Ich habe die Therapie abgeschlossen und war dann auch recht stabil“, erzählt Marie, ihre Hände umklammern einen Becher mit heißem Tee. „aber irgendwie wollte ich mehr, ich wollte mich besser verstehen lernen, begreifen, was da in mir drin nicht richtig läuft.“

Zu diesem Zeitpunkt hörte sie von Matthias Kranz. Der 29-Jährige ist trotz seines jungen Alters erfahrener Heilpraktiker für Psychotherapie, hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf Hypnosetherapie spezialisiert, ist Dozent an einer Fachschule. „Ich arbeite in erster Linie mit Hypnosetherapie, bei der der Patient in eine erhöhte Aufmerksamkeit geht, aber nicht die Kontrolle verliert. Das ist sehr wichtig, weil viele Menschen genau davor Angst haben.“ In diesem Zustand, einer Art Trance, gelänge es, den Fokus nach innen zu richten, einen Zugang zur inneren Welt zu finden. „Ein Angstpatient etwa kann dann die gesamte Aufmerksamkeit auf ein in der Vergangenheit geschehenes Erlebnis richten und dieses, was damals als bedrohend und angsterregend empfunden wurde, neu und als angstfrei
abspeichern.“

Auch Störungsbilder wie ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) oder Suchterkrankungen behandelt Matthias Kranz: „Wir gehen davon aus, dass hinter jeder Reaktion eine Ursache steckt. Sucht entsteht immer durch Kompensation anderer Bedürfnisse, die nicht erfüllt wurden, die ursprünglichen Bedürfnisse können aber häufig später gar nicht mehr gefühlt oder benannt werden. In der Trance finden wir diesen Zugang und können umdenken und lernen, diese Bedürfnisse ohne Suchtmittel zu befriedigen. Und auch Unruhe bei Kindern hat Gründe, die wir mit dem Zustand der Trance
finden können.“

In der hellen Gemeinschaftspraxis von Matthias Kranz und Heilpraktikerin Alexandra Klett dominieren warme Farben, orange, cremeweiß, Holzmöbel, im Behandlungsraum des Psychotherapeuten Kranz können die Patienten auf einem weichen, verstellbaren Liegestuhl zur Ruhe kommen. „Ich fühle mich hier immer sehr gut, es ist eine Art Geborgenheit, ich kann mich fallenlassen und tatsächlich den Zustand der totalen Entspannung problemlos erreichen“, erklärt Marie, „ich komme irgendwie, wie soll ich es formulieren, an mich heran, was mir in den herkömmlichen Therapien nicht gelungen ist.“

Kranz will den Menschen helfen, sich selbst besser wahrzunehmen

Matthias Kranz weiß natürlich: auch seine Behandlungsmethoden haben ihre Grenzen, Menschen mit akut psychotischen Schüben oder Selbstmordgedanken gehören in ein geeignete Klinik. Sich und seine Bedürfnisse wieder wahrnehmen und danach handeln zu können, Selbstverantwortung zu leben, das ist das Ziel von Matthias Kranz.

Als Wülfrather fühlt er sich seinen Mitbürgen eng verbunden, mittlerweile hat er viele Stammkunden, wird weiterempfohlen. Allerdings werden die Kosten nicht von den Krankenkassen übernommen. „Ich denke und erlebe es ja auch in meinem beruflichen Alltag, dass häufig bereits eine Sitzung ein Problem nachhaltig lösen kann. Insofern bleiben die Kosten in der Regel überschaubar.“

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