Abschied von den Sternenkindern

Die Seelsorge am Klinikum Niederberg lädt zweimal im Jahr betroffenen Familien zu einer Beerdigung auf den Katholischen Friedhof in Velbert-Mitte.

Velbert. Die Seelsorge am Helios Klinikum Niederberg lädt in Zusammenarbeit mit drei Velberter Bestattungsunternehmen zu einer gemeinschaftlichen Beerdigung von Sternenkindern am heutigen Donnerstag, 19. Oktober, um 10 Uhr auf dem Katholischen Friedhof in Velbert-Mitte an der Talstraße 23 ein. Wenn Eltern ihr Kind zu Grabe tragen müssen, ist das immer ein tragisches Ereignis für die ganze Familie. Besonders schwierig ist die Situation für Eltern von Sternenkindern. Sie haben ihr Baby schon vor oder kurz nach der Geburt verloren und hatten somit keine Möglichkeit es kennenzulernen und aufwachsen zu sehen. Dennoch ist es ein Teil ihres Lebens, der für immer unvergessen bleiben wird.

Karin Anhuef-Natrop, evangelische Pfarrerin am Klinikum

Eine Beerdigung für Sternenkinder kann für die betroffenen Eltern eine große Hilfe sein, um von ihrem Kind Abschied zu nehmen. Neben der offiziellen Anerkennung, dass ihr Kind existiert hat, haben sie so auch einen Ort, an dem sie ihrem Sternenkind im Stillen gedenken und Trost finden können.

Dieses Geschehen bleibt oft unbemerkt von Außenstehenden, während es die betroffenen Familien zumeist in eine Krise hineinführt, die das oft junge Familiengefüge erschüttert. Das Thema Tod und unwiderruflicher Verlust eines Menschen hat sich mit Vehemenz in ihr Leben gedrängt. Schmerz, Trauer, Enttäuschung und auch Gefühle von eigener Unzulänglichkeit halten plötzlich Einzug in die Familien, wo kurz zuvor das Leben von froher Erwartung und nicht selten bereits geschäftiger Geburtsvorbereitung geprägt war. Manchmal sind Geschwisterkinder und Großeltern bereits voller Vorfreude gewesen, so dass es neben der eigenen Trauer auch noch Trost zu spenden gilt.

In der Begleitung der trauernden Familien sehen die Seelsorgerinnen im Helios Klinikum Niederberg eine Aufgabe, die ihnen sehr am Herzen liegt. Zeit und Raum für eine würdevolle Verabschiedung der Sternenkinder ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Trauerarbeit. Für Eltern ist es tröstlich, ihr Kind an einem guten Ort zu wissen, den sie in ihrer Trauer aufsuchen können.

Eine Engelstatue und kleine Gedenktafeln mit Datum der Beisetzung verleihen diesem Ort des Abschieds und Erinnerns seine besondere Prägung. Manche Eltern haben auch den Wunsch, ihr Kind einzeln bestatten zu lassen. Die Evangelische Kirche hat hierfür ein Gräberfeld bereitgestellt, auf dem Einzelbestattungen von still geborenen Kindern stattfinden können.

Bei den Trauerfeiern auf dem Katholischen Friedhof wird ein ökumenischer Gottesdienst gehalten, sagt Karin Anhuef-Natrop, evangelische Pfarrerin am Klinikum. „Der Trauergottesdienst wird so gestaltet, dass auch muslimische Familien dabei sein können.“ Im Schnitt würden zu jeder Beerdigung etwa 50 Familien eingeladen.

Beerdigungen von Sternenkindern gibt es von Seiten des Klinikums Niederberg seit dem Jahr 2005. Seitdem finden sie zweimal im Jahr statt. Die Kosten übernimmt das Klinikum. Die betroffenen Eltern müssen nichts bezahlen, wenn sie das Angebot annehmen. mj