150 neue Flüchtlinge an einem Tag

Die Sporthalle am Waldschlößchen wird für drei Wochen zur Notunterkunft. Die Stadt hat einen Krisenstab gebildet.

Eigentlich waren es bislang selten mehr als 15 Flüchtlinge, die im Schnitt jede Woche Velbert erreichten. Am Mittwochabend stellte die Bezirksregierung die Stadt überraschend vor eine Aufgabe anderer Dimension. Sie verfügte die Errichtung einer Notunterkunft für 150 Asylbewerber — bis Freitagabend. „Das hat uns als Verwaltung etwas überrascht“, sagt der Erste Beigeordnete Holger Richter.

Obwohl diese Aufgabe die Stadt sicherlich auf dem falschen Fuß erwischte, — derzeit sind Bürgermeister, Kämmerer, Abteilungsleiter für Zuwanderung und Pressesprecher der Stadt in Urlaub — hat ein Krisenstab der Stadt mit Unterstützung von Rotem Kreuz in nur einem Tag großes geleistet. „Schon am Donnerstag um 22 Uhr war die Notunterkunft fertig“, berichtet Richter.

Die Stadt entschied sich dafür, die Flüchtlinge, die hauptsächlich aus Syrien, Albanien und dem Kosovo kommen, in der Nevigeser Sporthalle am Waldschlößchen unterzubringen. Davor wurde ein Zeltlager eingerichtet, wo die Migranten zunächst vom DRK einer medizinischen Untersuchung unterzogen werden. Das Rote Kreuz ist es auch, das sich am ersten Wochenende, um die Nahrungsversorgung kümmert. Danach will die Stadt einen Caterer einsetzen.

Der plötzliche Ansturm ist vor allem eine organisatorische Herausforderung für Velbert, keine finanzielle. Dezernent Richter sagt: „Die Verfügung beinhaltet auch, dass alle Kosten, die entstehen an die Bezirksregierung Arnsberg gehen.“ Diese ist im Flüchtlingsbereich NRW-weit tätig.

So entlastet der Zustrom die Stadt sogar in gewisser Weise. Die 150 Neulinge werden auf die regulär angewiesenen 660 Flüchtlinge in Velbert angerechnet, ohne dass die Stadt für sie aufkommen muss. Auch sei laut Richter damit zu rechnen, dass es dafür in nächster Zeit weniger Zuweisungen gibt.

Gerade erst hatte die Stadt die Turnhalle an der Grünstraße als „Notpuffer“ für Flüchtlinge ausgezeichnet — doch hier hätten lediglich 50 Menschen Zuflucht gefunden.

In drei Wochen sollen die 150 Feldbetten aus der Nevigeser Sporthalle wieder verschwunden sein. Die Reise für die Flüchtlinge geht weiter, für sie ist Velbert nur eine Zwischenstation.

Trotzdem brauchen sie mehr als nur ein Bett. „150 Menschen haben auch Wäsche“, sagt Richter. Die Organisationsliste ist noch lang. Es fehlen noch Möglichkeiten zum Waschen und Trocknen. Vielleicht brauchen die Flüchtlinge auch psychologische Betreuung und die Kinder eine Möglichkeit zum Zeitvertreib.