Velbert: Gerüstbauer trotzen den Stars

Velbert: Gerüstbauer trotzen den Stars

Fußball: Ein großer Tag für das Team um den Velberter Jörg Motzkau: Die Handwerker haben die DFB-Allstars in Schach gehalten und damit einen Kleinbus gewonnen.

Velbert. "Morgen haben erstmal alle frei", keucht Jörg Motzkau. Sein Torwarttrikot ist durchnässt und voller Matsch. Bevor der Gerüstbaumeister die vor dem Regen schützende Kabine erreicht, muss er sich erstmal den Weg durch die Menge bahnen. "Glückwunsch, super", wird ihm aus allen Ecken zugerufen, zig Hände werden geschüttelt. Jörg Motzkau und seine Gerüstbauer haben das schier unmögliche möglich gemacht. Sie haben den Wettbewerb "Meister vs. Meister" (die WZ berichtete) gewonnen, obwohl sie am Sonntagnachmittag gegen die DFB-Allstars mit 6:11 verloren haben.

Ungefähr fünf Stunden vorher stehen Horst Eckel und Andreas Brehme im Flur des Clubhauses der SSVg Velbert. Die beiden Fußballweltmeister (1954 und 1990) interessiert es kaum, dass es draußen Katzen und Hunde regnet. "Das ist Fritz-Walter-Wetter. Aber mir war die Witterung immer egal. Hauptsache Fußball spielen", sagt der 78-jährige Eckel, der wegen einer Knieverletzung in Velbert nur Teamchef ist, "aber wir haben nichts zu verschenken." Andreas Brehme sieht das ähnlich, auch wenn es ihm vornehmlich darum geht, mit alten Kollegen zu spielen. "Es macht Spaß, vor so vielen begeisterten Fans zu spielen", sagt der Alt-Internationale. Um 15.15Uhr ist dann der Anstoß im Stadion Sonnenblume.

"Das sind auch nur Menschen", sagen die Handwerker vor dem Anpfiff. Und "vor nicht ganz 40000 Zuschauern", wie Kommentator Werner Hansch gewohnt übertreibend durchgibt, aber sicherlich 3000 großartig anfeuernden Fans ist das Spiel tatsächlich lange Zeit völlig offen. Torwart Motzkau hält sensationell und stellt Sepp Maier klar in den Schatten. Hinterher sagt er, dass man nicht mehr darüber nachdenkt, dass gerade ein Ulf Kirsten aufs Tor schießt. "Man versucht einfach nur zu halten." Und wie es sich für Gerüstbauer gehört, ist auch ab und an ein Metallrohr, nämlich Latte oder Pfosten, zu Hilfe. Mit einer knappen 4:3-Führung gehen die Allstars in die Halbzeit.

"Auf geht’s, Motzkau schießt ein Tor", hallt es durch das Rund. Unterstützt von den Besuchern, die fast alle mit Gerüstbau-Warnwesten und Bauhelm eingekleidet sind, Cheerleadern und eigener Trommelgruppe, kämpfen sie aufopferungsvoll. Im Vergleich zu den drei anderen Handwerkerteams, die schon gegen die Allstars antraten, dürfen sie nicht höher als mit fünf Toren verlieren, also zählt jeder Treffer.

Als Ralf Dittmar vier Minuten vor Schluss das 6:9 erzielt, scheint den Velbertern der Hauptpreis, ein Mercedes Vito, sicher. In der Nachspielzeit kassieren sie doch noch zwei Treffer - und legen eine Punktlandung hin. Der neue Firmenwagen gehört ihnen, der Jubel ist grenzenlos. "Das war Wahnsinn. Eine tolle Mannschaftsleistung von meinen Jungs. Jetzt wird erstmal ordentlich gefeiert", sagt Jörg Motzkau - und verschwindet in die Kabine zu seinen Mitstreitern.

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