Wülfrather Heimatmuseum: Geburtstag des ältesten Museums im Kreis

Wülfrather Heimatmuseum: Geburtstag des ältesten Museums im Kreis

Leni, Ole und Co. lassen die Besucher des Festakts schmunzeln — auch wenn die Zukunft des Heimatmuseums nicht gesichert ist.

Wülfrath. Von wegen verstaubte Vergangenheit. Emily (11) entdeckt im Niederbergischen Museum viel. „Es ist voller spannender Dinge. Zum Beispiel in Spazierstöcken versteckte Degen,“ sagt sie. Mit den anderen jüngsten Museumsführern Leni, Celine, Naemi, Noah und Ole zeigt sie diesen und andere Exponate von gestern.

Auf dem Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Heimatmuseums lassen die Kinder das Publikum im Saal des evangelischen Gemeindehauses schmunzeln. Und das an einem Tag, an dem nicht allen zu lachen zumute ist. Denn: Auf weitere 100 Jahre will und kann niemand anstoßen, weil das finanzielle Überleben des Trägervereins, wie Vorsitzender Jürgen Meinhard sagt, nach wie vor nicht gesichert ist. Große Jubelreden bleiben an diesem Vormittag wohl auch deshalb aus. Das rüstige Geburtstagskind wird gewürdigt. Aber kritische Anmerkungen fehlen keinesfalls.

16 Museen gibt es im Kreis Mettmann. „Das Niederbergische ist das älteste“, merkt Landrat Thomas Hendele an. Die Wülfrather Einrichtung habe für die Stadt, aber auch für den Kreis und die Marke Neanderland Bedeutung. Dem Trägerverein bescheinigt er „bestes bürgerschaftliches Engagement“. Dass die Finanzierung auf der Kippe stehe, sei weder Schuld des Vereins, noch von Stadt oder Kreis. Dass Kommunen heute nur noch mit „Ach und Krach Pflichtaufgaben finanzieren können. Und für Freiwillliges wie Museen nichts mehr übrig ist“, hätten Bund und Land zu verantworten. Hendele: „Die Kommunen müssen finanziell besser ausgestattet werden.“

Bürgermeisterin Claudia Panke streicht das Ehrenamt heraus: „Die Helfer sind die Seele des Museums, ein Ort, in dem Geschichte konkret und greifbar wird.“

Dr. Norbert Kühn, dem Leiter des Fachbereichs Kultur beim Landschaftsverband Rheinland, ist es vorbehalten, die Geschichte des Museums zu skizzieren. In den 1970er und 1980er Jahren sei es auf der Höhe der Akzeptanz gewesen. Das Wülfrather Haus sei stets ein „besonderer Lernort mit Vorbildcharakter“ gewesen. Dass ein Trägerverein das Haus vor der Schließung gerettet habe, ist für ihn außerordentlich. Vergleichbares sei ihm im ganzen Rheinland nicht bekannt. Das Niederbergische Museum bezeichnet er als ein „Museum zum Anfassen“. Etwas anfassen zu können — das mag Ole (9) besonders an dem Museum, in dem er mit anderen Kindern als Führer fungiert. „Da gibt es Bilder aus Haaren“, sagt er. Auch das dürfe man berühren.

Nach dem Festakt können das viele ausprobieren. Denn dann wird im Museum weitergefeiert. Und wieder sorgen Mädchen und Jungen für gute Stimmung — zum Beispiel als Thomas Gerhold mit seinem Kinderchor auftritt. Ein lebendiger Geburtstag.

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