Wülfrath: Wohnen auf dem Bolzplatz

Wülfrath: Wohnen auf dem Bolzplatz

Pläne: Weil ein Schallschutz optisch stören würde, schlägt die Verwaltung vor, den Bolzplatz am Jugendhaus zu bebauen. Die Empörung über die Idee ist groß, abgelehnt ist sie aber noch nicht.

Wülfrath. Das muss man dem Investor lassen: Das ehemalige Kinder- und Jugendhaus, das zurzeit aufwändig zu einem Wohnhaus umgebaut wird, wird ein echtes Schmuckstück. Das sieht gut aus. Doch im Umfeld droht Ungemach. Ein Bebauungsplan sorgte im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Stadtplanung für Unmut. So schlägt die Stadt vor, den ans Jugendhaus grenzenden Bolzplatz zugunsten einer Wohnbebauung aufzugeben. Für den Jugendhaus-Investor hätte das den Vorteil, dass er keine fünf Meter hohe Schallschutzmauer bauen müsste.

André Herbes (Wülfrather Gruppe) kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Genüsslich zitierte er nicht nur aus dem aktuellen Bebauungsplan, sondern auch aus einem Beschluss des Rates aus dem vergangenen Dezember. In dem wird ausdrücklich auf die Notwendigkeit einer Schallschutzwand verwiesen. Jetzt aber stellt die Verwaltung fest, dass eine fünf Meter hohe und 40 Meter lange Wand "städtebaulich nicht zu vertreten ist". Das mindere die Wohnqualität im ehemaligen Jugendhaus und stelle außerdem eine Wertminderung des Areals dar.

Das Schallschutzgutachten des Tüv Nordrhein fordert in dem Gutachten vom November 2009 die Schallschutzmaßnahme, falls die Sportanlage weiter betrieben werden sollte.

Die Konsequenz, die die Verwaltung daraus zieht: Der Bolzplatz mit der Weitsprunganlage soll verschwinden. Auf rund zwei Hektar soll stattdessen Wohnungsbau ermöglicht werden. Das Gymnasium habe der Stadt mitgeteilt, dass sie die Sportanlage nicht mehr nutze. Ihr reiche eine Fläche, auf der sich die Schüler nachmittags etwas bewegen könnten, so Fachbereichsleiterin Christiane Singh auf Nachfrage der Politik. Der Vorlage der Stadt für den Ausschuss ist aber etwas anderes zu entnehmen. Darin äußert Götz-Reinhardt Lederer, BUND-Vorsitzender und Lehrer am Gymnasium, dass der Platz "in Einzelstunden regelmäßig" genutzt werde.

Aus dem Verkaufserlös soll laut Bauamt unweit des bestehenden Spielplatzes eine Fläche so hergerichtet werden, dass darauf Fußball gespielt werden könnte. Tore sollen aber nicht mehr aufgestellt werden.

Das quittierten Politiker vereinzelt mit Kopfschütteln. Ebenso löste der Umstand Kritik aus, dass die Stadt möglicherweise in Vorleistung gehen müsste, um das Baugebiet zu erschließen - in Form von Zuwegung und Versorgungsanschlüssen. "Wir reden immer über Geld: Können wir uns das überhaupt leisten?", fragte Herbes rhetorisch.

Im ehemaligen Jugendhaus entstehen zurzeit acht Wohnungen auf zwei Etagen. Zudem soll in dem Haus eine Praxis eröffnen. Würde eine Mehrheit des Rates den Vorschlägen der Stadt folgen, könnten auf dem Bolzplatz auf rund 2100 Quadratmetern zum Beispiel sechs Wohneinheiten in drei Doppelhäusern entstehen. Eine Entscheidung hat der Ausschuss erst einmal vertagt. Der Rat soll sich in der kommenden Woche erneut mit dem Thema befassen.