Wülfrath: Im Blitzkurs zum Musicaltänzer

Wülfrath: Im Blitzkurs zum Musicaltänzer

In nur zweieinhalb Tagen erarbeitet die Gruppe „Gen Rosso“ mit allen 263 Schülern der Hauptschule das Stück „Streetlight“. Sie werden Tänzer, aber auch Sänger und Techniker.

Wülfrath. "Just listen to my legs", sagt Ponssyde Pascal. "Hört nur auf meine Beine”, wird er von einer neben ihm sitzenden jungen Frau übersetzt. Der 28-jährige HipHop-Tänzer aus Tansania stellt sich aufrecht hin, zählt den Takt an und wippt mit den Füssen vor und zurück. Dann bewegt er die Arme nach oben, wirbelt mit einem Schritt zur Seite. Hinter ihm stehen ungefähr 20 Schüler der Hauptschule Wolverothe und schauen etwas ungläubig. Denn innerhalb von nur wenigen Stunden sollen sie Pascals Choreographie lernen und bei einem richtigen Musical vorführen können.

"Die meisten glauben das ja nicht. Aber am Ende klappt es immer", sagt Benedikt Enderle schmunzelnd. Enderle gehört als künstlerischer Leiter ebenso wie Ponssyde Pascal dem internationalen Künstlerkollektiv "Gen Rosso" an. Die Gruppe arbeitet seit 2006 mit der Caritas und dem Verein "Starkmacher" zusammen, um weltweit das Projekt "Stark ohne Gewalt" durchzuführen. Dazu sind sie seit gestern in Wülfrath, um mit allen 263 Hauptschülern innerhalb von zweieinhalb Tagen ein Musical auf die Bühne zu bringen. In 16 Workshops von HipHop-Tanz über Musical-Gesang bis hin zu Tontechnik und Licht wird den Schülern alles beigebracht, was dazu gehört.

Es geht aber nicht nur darum, dass die Schüler tanzen oder singen lernen. "Das ganze Projekt soll den Jugendlichen helfen, sich gegenüber Gewalt zu positionieren", sagt Pia Deuß von der Caritas. Denn das Musical mit dem Namen "Streetlight" handelt von einer wahren Geschichte über einen Idealisten, der zwischen die Fronten von Straßengangs gerät und deshalb erschossen wird.

Nach Wülfrath kam die Gruppe durch den Einsatz von Schulleiterin Ulrike Preuß, die sich mehrfach darum beworben hatte. "Wir haben zwar keine größeren Probleme mit Gewalt, aber es stärkt die Persönlichkeit der Schüler unheimlich, mit solchen Profis arbeiten zu können", erklärt die Schulleiterin.

Die nehmen die Herausforderung gerne an. "Es ist mir wichtig, den Kids zu zeigen, dass kleine Fehler nicht schlimm sind, wenn man Spaß an etwas hat", sagt HipHop-Lehrer Pascal. Trotzdem ist es nicht ganz leicht, meinen Kim (15) und Ella Alina (13). "Man traut sich erst nicht, vor so vielen Mitschülern zu tanzen", sagt Kim, "aber wenn man merkt, dass die anderen das gleiche Gefühl haben, geht es."

Am Donnerstag und Freitag stehen sie dann auf der großen Bühne, die momentan in der Sporthalle Goethestraße aufgebaut wird.