Wülfrath: Glücksgefühle auf dem Gipfel

Wülfrath: Glücksgefühle auf dem Gipfel

Lange Anstiege, aber die schönsten Ausblicke: Sechs Wülfrather wanderten in den Dolomiten.

Wülfrath. Gleich am ersten Tag geht es an den höchsten Punkt: 2810 Meter, der Seekofel. Eine Herausforderung zum Start. "Am Abend war ich so geschafft, da bin ich schon beim Zudecken eingeschlafen. Kurz nach acht war’s da." Thomas Feichtinger sagt’s mit einem Schmunzeln.

Zusammen mit fünf Freunden eroberte er eine Woche lang den Dolomiten-Höhenweg Nummer 1 in Italien. Es war die erste Streckenwanderung des Sextetts - und gleich eine atemberaubende.

"Wir kennen uns alle seit Jahren. Einige spielen zusammen Fußball, andere laufen zusammen. In der Kirche sehen wir uns alle regelmäßig", sagt Feichtinger. Aber gewandert? Nein, das war für die sechs Mittvierziger Thomas Buckard, Jörg Ernst, Michael Liell, Michael Linßen, Martin Sträßer und eben Feichtinger bisher Neuland.

Auf einer Party sinnierten drei von ihnen über einen Wandertrip. Die anderen registrierten das am Rande und sagten: "Wir wollen mit." Das war im späten Herbst 2008. Neun Monate und viele Planungseinheiten später ging’s los. Durch Bücher und via Internet hatten sie sich über unterschiedliche Ziele informiert, bis der Entschluss fiel: Die Dolomiten sind’s.

Fortan spielte das Vorhaben auch im Alltag der sechs Familien - die Wanderkameraden haben insgesamt 16 Kinder - eine gewichtige Rolle, was zum Beispiel an Geschenken abzulesen war. "Egal ob Weihnachten oder Geburtstag oder ein anderer Anlass: Wandersocken, Rucksack, Wanderstiefel und andere Ausstattungsgegenstände waren auf dem Tisch", erinnert sich Feichtinger.

Da alle sechs regelmäßig Sport treiben, war eine Grundfitness vorhanden. Doch über das normale Spazierengehen hinaus wurde im Niederbergischen ab sofort mehr marschiert. "Die Stiefel mussten ja auch eingelaufen werden", merkt Feichtinger an.

Eine Probewanderung mit Gepäck - ein Wochenende auf dem Rheinsteig - gab es auch. "Um Gewicht zu machen und die Schwere des Rucksacks zu simulieren, hatten wir da auch Bohrmaschinen reingelegt." Auf der Dolomiten-Tour waren die Rucksäcke schließlich zwölf bis 15 Kilo schwer - inklusive zwei Litern Wasser.

Am Pragser Wildsee stieg die Truppe - Bänker, Geschäftsführer, Anwalt & Co. - "in den Berg" ein. Von da an ging’s südwärts. "Wir hatten Glück mit dem Wetter. Als wir ankamen, verzogen sich die letzten Gewitterwolken. Dann hatten wir nur noch Sonne. Die Regenhose habe ich noch originalverpackt", sagt Feichtinger.

Mal im Pulk, mal alleine - jeder habe sein Tempo gefunden. "An langen Anstiegen war es manchmal schon hart. Da kommen schon Zweifel auf. Aber wenn man dann erst mal oben ist, sich abklatscht, durchpustet und den Ausblick genießt, ist das vorbei."

Die Hütten für die Wanderung hatten sie vorgebucht. "Die Qualität ist unterschiedlich. Einmal hatten wir Zweibettzimmer mit Balkon und einem wahnsinnigen Ausblick. Am letzten Tag war es ein 22-Betten-Lager unterm Dach. Da wird in drei Sprachen geschnarcht. In solchen Situationen helfen nur Ohrstöpsel und Bier", lacht Thomas Feichtinger. In der Regel sei ab 22 Uhr Bettruhe gewesen. Um 6.30 Uhr war Wecken angesagt.

Nach den Tagestouren hat es "eigentlich immer das gleiche Essen auf den Hütten gegeben: Spaghetti Bolognese, Schnitzel mit Pommes und Schoko-Pudding". Zugenommen habe aber niemand - mit einer Ausnahme. "Den Namen verrate ich aber nicht."

Etwas mehr als zwei Drittel des 150 Kilometer langen Höhenwegs hat das Sextett bezwungen - rund 45 Kilometer Luftlinie und nicht gezählte Höhenmeter. In einem Wanderbuch hat jeder seine Erinnerungen niedergeschrieben und "Hüttenstempel" gesammelt. "Das war wie Fußballbilder sammeln", strahlt Feichtinger.

Von Listolade ging es mit dem Taxi zum Ausgangspunkt zurück. "In zwei Stunden nur." In der Zeit ist man im Tal an Hotels vorbeigekommen, "die im Titel den Blick zu den unterschiedlichsten Bergen führen. Wir haben die nicht nur angeschaut, sondern waren drauf", sagt Feichtinger nicht ohne Stolz.

Dass die sechs Herren mittleren Alters wieder auf Wanderschaft gehen, steht außer Frage. Feichtinger: "Vielleicht machen wir den Höhenweg Nummer 1 zu Ende oder wandern ganz woanders."

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