Wülfrath: Ein Signal für behinderte Menschen: Barrieren fallen

Wülfrath: Ein Signal für behinderte Menschen: Barrieren fallen

Gestern erhielt das erste Wülfrather Geschäft ein Signet über die Barrierefreiheit. Weitere Läden und das Rathaus werden folgen.

Wülfrath. "Nordrhein-Westfalen ohne Barrieren" - seit März wirbt die Landesbehindertenbeauftragte mit diesem Signet. Es soll am Eingang zeigen: Dieses Gebäude ist für Menschen mit Handicap gut nutzbar. Am Mittwoch wurde es zum ersten Mal in Wülfrath vergeben. Tabakwaren Schlüter an der Wilhelmstraße kann sich als erstes Geschäft rühmen, barrierefrei für die Kunden da zu sein. "Das ist nur der Anfang", kündigt Schwerbehindertenbeauftragter Peter Schiestel weitere Auszeichnungen für Wülfrather Einrichtungen an.

Sich um die Anliegen behinderter Menschen zu kümmern - für Schiestel ist das nicht nur ein Job. Seit mehr als 20 Jahren ist bei der Stadtverwaltung Wülfrath tätig, aktuell im Steueramt. Intern ist er für behinderte Kollegen schon länger Ansprechpartner. Als die Anfrage vom Land kam, als Schwerbehindertenbeauftragter auf örtlicher Ebene als Landesvertreter zu agieren, hat er nicht lange überlegt.

"Das ist ein Ehrenamt, zu dem ich stehe. Ich mache das gerne und zu 100 Prozent", sagt der 58-Jährige im Gespräch. Dass er im kommenden Jahr in den Vorruhestand gehe, spiele dabei keine Rolle. "Das Ehrenamt nehme ich weiter wahr."

Schiestel selbst ist schwerbehindert. Als ambitionierter Fußballer zog er sich schwere Knieverletzungen zu und musste den Sport aufgeben. Eine Beeinträchtigung, die er mit einer großen Portion Humor hinnimmt. Lachen ist bei ihm Trumpf. "Das ist eine Art der Freundlichkeit, die immer weiterhilft, auch wenn es um die Belange behinderter Menschen geht", hat er festgestellt.

Die Unterstützung von Kollegen vor dem Sozialgericht, Anträge auf eine Kur, die behindertengerechte Ausstattung von Büros: Das sind alltägliche Themen, die Schiestel im Rathaus behandelt. Die Abnahme der Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden ist ein neuer Bereich.

Wie jetzt im Tabakwarenhaus Schlüter. "Die Türen müssen sich automatisch öffnen und schließen. Der Zugang muss ohne Stufen sein. Im Ladenlokal muss ein Rollstuhlfahrer wenden können", skizziert er einige Vorgaben, die zu erfüllen sind. "Dieses Geschäft ist ein gutes Beispiel dafür, wie Barrierefreiheit funktioniert und sollte in Wülfrath Schule machen", so Schiestel.

Auf ein Signet kann sich auch das Rathaus im Dienstleistungszentrum freuen, kündigt Schiestel an. "In allen Punkten bestanden", habe es die Abnahme. Laut Schiestel wäre es das erste barrierefreie Rathaus im Kreisgebiet. "Es gibt sogar eine Toilette für Schwerbehinderte."

Unlängst habe ein Rollstuhlnutzer das Haus durchfahren. "Es gab keine Unzulänglichkeiten. Es hat alles gepasst. Flure, Aufzug, Türen, Büros. Alles ist O.K." Das, er sagt das ruhig und sachlich, wäre im Rathaus an der Goethestraße nie der Fall gewesen.