Wülfrath: Ein Rucksack zur Begrüßung

Wülfrath: Ein Rucksack zur Begrüßung

Wegweiser, Freikarten und mehr: Die Stadt heißt neue Erdenbürger willkommen.

Wülfrath. Hannah geht so langsam ihre eigenen Wege. Noch krabbelt die elf Monate alte Tochter von Britta und Andreas Amthor durch die Wohnung, aber an der Hand der Mama klappen auch schon die ersten Schritte. Vor einem halben Jahr bekam die kleine Wülfratherin schon mal hohen Besuch. Die damalige Bürgermeisterin Barbara Lorenz-Allendorff hatte sich gemeinsam mit einer Mitarbeiterin des Sozialen Dienstes angekündigt, um persönlich den Baby-Begrüßungsrucksack zu überreichen.

Hannah war die erste auf der langen Liste der jüngsten Einwohner, die persönlich begrüßt wurden. "Wir saßen damals gemütlich auf der Terrasse und haben gemeinsam einen Kaffee getrunken", erinnert sich Britta Amthor an den Besuch, den die Stadtverwaltung zuvor in einem Schreiben an die Familie angekündigt hatte. Das Gefühl, irgendwie kontrolliert zu werden, sei jedenfalls nicht aufgekommen. Im Gegenteil: Die Infomappe, die auch Hilfestellung beim Weg durch den Behördendschungel leisten soll, konnten die Amthors gut gebrauchen.

Der rote Rucksack ist auch ansonsten keineswegs nur mit Babybrei und Windelproben gefüllt. Mit einem Rauchmelder fürs Kinderzimmer, einem Kirschkernkissen und Freikarten für die Wasserwelt und den Zeittunnel gibt es durchaus sinnvolle Präsente.

Dass die Übergabe des Begrüßungspakets in den eigenen vier Wänden von den Familien missverstanden werden könnte, glaubt Jugendhilfeplaner Udo Neumann nicht: "Wir gehen nicht in die Familien, um zu kontrollieren, ob alles gerade ist. Uns geht es vor allem darum, Wülfrath als familienfreundliche Stadt zu präsentieren, die sich über den Nachwuchs freut". Außerdem sei in 95 Prozent der Familien ohnehin alles in Ordnung. Sollte es Schwierigkeiten geben, könne die Mitarbeiterin des Sozialamtes allerdings auch über Hilfsangebote aufklären und die Eltern unterstützen. Einige Weitervermittlungen habe es bereits gegeben. So wurde beispielsweise für Familien mit Fragen zum Wohngeld ein Kontakt zur zuständigen Stelle bei der Stadtverwaltung hergestellt.

Mehr als 100 Neugeborene wurden bislang besucht. "Unser Ziel ist es, alle Familien zu erreichen, und das schaffen wir auch", so Neumann. Derzeit wird sogar darüber nachgedacht, die Besuche nicht erst drei Monate nach der Geburt, sondern früher durchzuführen. "Viele Eltern haben uns darauf angesprochen und uns mitgeteilt, dass sie schon in Sachen Kindergeldantrag oder bei Fragen zur Elternzeit Hilfe gebraucht hätten", weiß Neumann. Finanziert wird das Projekt bislang noch aus Landesmitteln. Um den städtischen Haushalt nicht zu belasten und den Begrüßungsrucksack dennoch weiter verschenken zu können, sollen zukünftig Sponsoren gewonnen werden.

Mehr von Westdeutsche Zeitung