„Wir sind glimpflich davongekommen“

„Wir sind glimpflich davongekommen“

Keine Personen-, dafür aber erhebliche Sachschäden — das ist die Bilanz der Velberter Feuerwehr nach Sturmtief Friederike.

Neviges. „Wir sind relativ glimpflich davongekommen“, bilanzierte gestern Nachmittag die Velberter Feuerwehr die Folgen des Sturmtiefs Friederike. „Das war kein Vergleich zu ,Kyrill’ vor genau elf Jahren oder ,Ela’, wo wir tagelang mit Aufräumarbeiten beschäftigt waren“, erinnert sich Feuerwehrsprecher Reinhard Lüdeke. „Besonders positiv bleibt festzuhalten, dass niemand körperlich zu Schaden kam.“ Dafür waren die Sachschäden erheblich.

So stürzte eine Linde vor dem ehemaligen evangelischen Pastorat auf die Siebeneicker Straße und beschädigte drei Personenwagen. Einer davon gehört Vera Marquardt. Die Erzieherin aus dem benachbarten „Kinderreich“ schaut zu, als die Feuerwehr Meter für Meter die Äste kleinschneidet. „Mit dem Wagen kann ich nicht mehr fahren: Das Dach ist eingedrückt, die Windschutzscheibe zersplittert, viele Glaskrümmel liegen auf den Sitzen. Das Auto muss ich abschleppen lassen. Ich hoffe, dass die Versicherung das zahlt.“ Noch schlimmer hat es den Opel-Caravan von gegenüber getroffen, sein Dach ist großflächig zerstört.

Ähnlich schwere Schäden an geparkten Autos gab es in Langenberg. Die Feuerwehr hatte sich frühzeitig auf den Sturm eingestellt, seit 10 Uhr standen die Freiwilligen Kräfte in allen Wachen in Bereitschaft. Einen ersten Einsatz für den Nevigeser Löschzug gab es an der Kuhlendahler Straße, wo in Höhe des Abzweigs einige kleinere Bäume umfielen.

Regine Hötzel, Marktbeschickerin

Dann ging es Schlag auf Schlag: Im Bereich der Serpentinen hatte ein Baumriese keinen Halt mehr in dem aufgeweichten Boden und blockierte die Fahrbahn. An der Ecke Beethovenstraße/Schubertstraße traf eine Baum eine Doppelgarage, an der Neustraße wurde das Dach eines türkischen Supermarktes abgedeckt. An mehreren Stellen musste die Feuerwehr tätig werden, um lose Ziegel zu entfernen.

Der Sturm wirbelte zudem den Alltag vieler Nevigeser durcheinander. Wer gestern Morgen den beliebten Nevigeser Wochenmarkt besuchte, fand nur wenige Stände vor. Einer, der sich trotz Unwetterwarnung traute und aufbaute, war Alessandro Maugeri. Kurz vor Mittag packte er aber seine Kartoffeln wieder zusammen. „Der Sturm weht die Werbebanner und Preisschilder weg, das ist mir zu gefährlich.“ Gegenüber schloss Regine Hötzel ihren Eierverkaufswagen. „Mitarbeiter den Ordnungsamtes haben uns gebeten, den Verkauf einzustellen. Dabei war der Umsatz am Anfang ganz gut, besser als ich dachte.“

Für Jörg Greiwe war um 10.47 Schluss. „Da bekam ich die Anweisung von der Leitstelle, den nächsten Bahnhof anzufahren und dort stehen zu bleiben“, so der Triebfahrzeugführer einer S-Bahn auf den Weg von Haltern nach Wuppertal, der seinen Zug im Bahnhof Neviges „parkte“. „Die Oberleitung wurde aus Sicherheitsgründen abgestellt. Wenn ein Baum drauf fällt, kann das echt gefährlich werden, wenn da 15 000 Volt unkontrolliert abfließen.“

Insgesamt waren 126 Feuerwehrkräfte bei rund 80 Einsätzen in ganz Velbert bis in die späten Nachmittagsstunden im Einsatz, betroffen war sogar die Feuerwehr selbst: An der Voßkuhlstraße stürzte ein Baum um und beschädigte die Feuerwache in Langenberg.