Wein schmeckt auch am neuen Ort

Zum ersten Mal fand das Velberter Weinfest auf dem Pestalozziplatz statt. Dem geselligen Genuss tat das keinen Abbruch.

Velbert. Unwetterwarnungen, die zwar bald wieder zurückgenommen wurden, konnten die Weinfreunde nicht daran hindern, zum Platz der ehemaligen Pestalozzischule zu kommen. Dort im Schatten der Christuskirche zwischen Kurze Straße und Grünstraße, findet das 29. Velberter Weinfest statt.

Conrad Closheim, Winzer aus Langenlonsheim

Im vergangenen Jahr musste der Rathausplatz für den Weingenuss herhalten, die angrenzende Poststraße wurde gesperrt, dort standen die Imbissbuden. In diesem Jahr war eine Sperrung nicht so ohne weiteres möglich, weil schwere Lastwagen daher müssen, um Bauteile für die Stadtgalerie heranzuschaffen. „Auf dem Rathausplatz war mehr los“, so der erste Eindruck von Marion Louis. Aber sie wollte am späten Nachmittag abwarten, wie es sich so entwickelt: „Das wird bestimmt noch voller.“ Bruno Bertold macht sich über die wechselnden Standorte keine Gedanken: „Der Wein schmeckt genauso gut.“

Neun Winzer aus Langenlonsheim stellen ihre Gewächse vor. Am Stand der Großen Velberter gibt es von jedem dieser Weingüter eine Flasche. „Das machen wir schon seit zehn Jahren“, weist Michael Schmidt, der Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft, auf das kleine Jubiläum hin. Geschäftsführer Jörg Fischer ist froh, dass es nicht mehr 30 Grad und heißer ist. Und er findet die Anordnung der Verzehrbuden am Rande des Platzes gut.

Winzer Conrad Closheim und seine Familie beschicken von Anfang an das Velberter Weinfest. „Velbert ist meine zweite Heimat geworden, ich könnte hier Taxifahrer sein, so gut kenne ich mich hier aus.“ Mitunter ist er zweimal in der Woche im Niederbergischen unterwegs, um seine Erzeugnisse zu den Kunden zu bringen. Umgekehrt sind die Beziehungen zwischen Velbert und dem Weinort ebenso intensiv geworden: „Viele Velberter Gruppen kommen zu uns, um zu wandern, die Kellereien zu besichtigen und um zu feiern.“

Conrad Closheim über die T-Shirts „Weinfest Velbert first“

Über die Qualität des neuen Standorts auf dem ehemaligen Schulgelände konnte Conrad Closheim zu Beginn des Weinfestes noch nichts sagen. „Wir müssen uns einfach damit arrangieren. Wenn in der Stadt gebaut wird, dann ist das ebenso. Ähnliches haben wir in Langenlonsheim gehabt: Da wird der Marktplatz umgebaut, unser Weinfest fand auf einem Schulhof statt. Das hatte den Vorteil, dass die Kinder an den Spielgeräten toben konnten, während die Eltern sich dem Wein schmecken ließen.“

Was den Winzer ein wenig stört, ist die relativ große Entfernung zum Zentralen Omnibusbahnhof. „Wein hat nun mal Alkohol, da lässt man das Auto stehen, viele unserer Besucher kommen deshalb gerne mit dem Bus.“

Auffallend sind die schwarzen T-Shirts, die alle Mitarbeiter an den Weinständen tragen: „Weinfest Velbert first“ steht drauf. „Das ist ein Zeichen unserer Verbundenheit zu dieser Stadt, wir Winzer aus Langenlonsheim lieben Velbert“, so Closheim, der damit auch im Namen seiner Kollegen spricht, die alle ihren festen Kunden haben und sich keine Konkurrenz machen, aber sich dafür gegenseitig ergänzen.

„Der eine mag die Scheurebe von dem Betrieb lieber, aber dafür schmeckt ihm der Kerner vom anderen Kollegen besser. Dafür ist das Weinfest da, um sich mal durchzuprobieren.“

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