Velberter Schüler begrüßen Jugendliche aus Polen

Velberter Schüler begrüßen Jugendliche aus Polen

Ein Dutzend junger Leute aus der Partnerstadt Morag sind derzeit zu Gast in der Schlossstadt. Der rheinische Karneval durfte im Programm nicht fehlen.

Velbert. „Über die Bonbons und die anderen Süßigkeiten, die uns zugeworfen wurden, haben wir uns sehr gefreut“, stellt Zuzia Legeza fest. Die 17-Jährige und die elf anderen Jugendlichen aus dem polnischen Morag kannten Karneval bisher nicht. So war es selbstverständlich, dass die Teilnehmer des deutsch-polnischen Jugendaustausches den Höhepunkt des rheinischen Brauchtums hautnah miterlebten. Für die entsprechenden Kostüme von Piraten über Schornsteinfeger bis hin zum Astronauten hatten die Velberter Gastgeber gesorgt. Nachdem die Velberter im Herbst den Alltag in Morag in Masuren kennenlernten, freuten sich die Schüler, ihren polnischen Gästen Velbert zu zeigen. „Es ist ganz ähnlich hier“, findet Zuzia, allerdings seien die Landschaft mit den Bergen und das Schulsystem ganz anders als daheim in Masuren.

Reinhard Schürmann, Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums

Neben dem Schulalltag wollen die jungen Menschen aus dem ehemaligen Mohrungen die deutsche Kultur im Allgemeinen und die Velberter im Besonderen kennenlernen. So gab es eine Bergische Kaffeetafel, die Firma Hülsbeck und Fürst hatte zu einer Betriebsführung geladen, die Jugendlichen besuchten die Landeshauptstadt Düsseldorf und stehen heute Abend zusammen in der Lehrküche des Berufskollegs Bleibergquelle, um typisch deutsch zu kochen.

Selbstverständlich wird der Nevigeser Dom besichtigt, der vor 40 Jahren von einem polnischen Kardinal besucht wurde, der als Papst Johannes Paul II. in die Geschichte eingegangen ist. „Anschließend geht es ins Jugendzentrum Lessingstraße. So was gibt es in Polen nicht“, weiß Susanne Susok, die sich in der Stadtverwaltung um die Städtepartnerschaften kümmert und bekennt, dass ihr der Schüleraustausch eine Herzensangelegenheit ist.

Um das deutsch-polnische Gemeinschaftserlebnis möglichst intensiv zu gestalten, leben die Velberter und ihre polnischen Freunde für eine Woche zusammen im Jugendgästehaus Am Buschberg. Obwohl die meisten polnischen Schüler Deutschunterricht erhalten, unterhält man sich meistens auf Englisch. „Die Aussprache im Polnischen ist sehr schwierig“, klagte gestern der Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Reinhard Schürmann war bereits einmal in Krakau und über den Jahreswechsel in Danzig, wo er unter anderem jene Werft besuchte, an der Lech Walesa wirkte. „Nach dem Besuch des Solidarnosc-Museums glaube ich, dass der Mauerfall und das Ende der DDR nicht ohne Polen möglich gewesen wären.“

Reinhard Schürmann, Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums

Jetzt freut er sich, dass ein Austausch mit Polen möglich ist, das lange Zeit hinter dem Eisernen Vorhang lag. Er hat Polen als sehr weltoffen und gastfreundlich empfunden. Als Leiter einer Europaschule legt Schürmann großen Wert auf den Jugendaustausch: „Wir betreiben aktive Friedenpolitik, wenn sich junge Leute untereinander verstehen.“ Das Geschwister-Scholl-Gymnasium, das gerade für sein Engagement für die europäische Einigung rezertifiziert wurde, bietet seinen Schülern die Möglichkeit, Betriebspraktika im europäischen und internationalen Ausland zu absolvieren. „Wichtig ist uns, dass die Schüler ganz Europa als ihre Zukunft wahrnehmen“, beschreibt Projektleiterin Jutta Vondung das Ziel der Schule.

Mehr von Westdeutsche Zeitung