Velbert: Stadt buhlt um Berufspendler

Velbert: Stadt buhlt um Berufspendler

Leben: Die Stadt verliert Bürger. Daher sollen jetzt neue Einwohner gewonnen werden – vor allem Pendler.

Velbert. Etwa 1400 Menschen aus anderen Städten arbeiten in Velbert - doch umziehen wollen die meisten nicht. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen aus beruflichen Gründen aus Velbert fortziehen, und die Bevölkerung aufgrund des demographischen Wandels schrumpft. So prognostiziert eine Bertelsmann-Studie der Stadt bis zum Jahr 2020 einen Bevölkerungsrückgang von 7,5 Prozent. Ausgehend von rund 88500 Bürgern im Jahr 2003 würde die Schlossstadt dann nur noch gut 81870 Bewohner zählen. "Die Lage ist zurzeit noch relativ entspannt. Dennoch wollen wir dieser Entwicklung entgegenwirken", sagt Jürgen Wosimski von der Stadt Velbert.

Daher hat die Stadt beim Institut für Wohnungswesen und Immobilienwirtschaft (Inwis) eine Studie für mehrere tausend Euro in Auftrag gegeben. Diese soll Aufschluss über die Gründe von Wegzug-und Fortzug liefern, und die Wünsche der Berufspendler beleuchten. Dazu wurden 14000 Fragebögen an Pendler, fortgezogene sowie zugezogene Haushalte verschickt.

Das Ergebnis der Befragung: Für knapp zwölf Prozent der Fortziehenden war ein unpassendes Angebot an Eigenheimen beziehungsweise Baugrundstücken der Grund des Umzuges in eine andere Stadt.

Die Pendler kritisierten zudem das Freizeitangebot für Jugendliche, das kulturelle Angebot und mangelnde Einkaufsmöglichkeiten. Auch wünschten sich viele der Berufspendler eine bessere Verkehrsanbindung an das Ruhrgebiet und die Rheinschiene. Ein attraktives Stadtbild sei eine weitere Bedingung für einen Umzug.

Doch auch Positives bringt die Befragung zutage. So bewertet jeder fünfte Zuziehende die familien-und kinderfreundlichkeit der Stadt als entscheidenden Umzugsgrund. Und besonders entscheidend für die Stadt: Rund 3000 der Pendler geben an, eine sehr hohe Bereitschaft zu haben, nach Velbert zu ziehen. "Um diese Menschen wollen wir nun werben", sagt Jürgen Wosimski. Als erster Schritt wurde eine Internetseite entworfen, auf der Wohnungsuchende alle nötigen Informationen und Ansprechpartner finden. Am Samstag findet zudem auf dem Rathausplatz die erste Velberter Wohnungsbörse statt. Dort präsentieren sich Kooperationspartner wie die Wohnungsbaugesellschaft Velbert, die Baugenossenschaft Niederberg, der Spar-und Bauverein und die Sahle Wohnen GmbH. Die Stadt informiert über besondere Förderangebote sowie über Betreuungsangebote für Kinder.

Zudem hat die Stadt auf Grundlage der Befragung beim gleichen Institut eine Wohnungsmarktanalyse in Auftrag geben. "Die Ergebnisse der Studie erwarten wir Ende September. Dann wird entschieden, welche Maßnahmen nötig sind, um neue Einwohner in die Stadt zu holen", sagt Jürgen Wosimski. Eines sei aber jetzt schon klar: "Ziel muss es sein, die Eigentumsquote zu erhöhen, um Einwohner zu binden." Ein Trend den auch die Anbieter entdeckt haben. So baut die Sahle Wohnen derzeit an der Werner-Buschmann-Straße in Neviges mehrere Doppelhaushälften, die zum Verkauf stehen.

Doch auch Miethäuser für Familien sind gefragt. André Clasen von der Wohnungsbaugesellschaft: "Es gibt einen Bedarf an mietbaren Reihenhäusern für Familien mit mehr als drei Kindern. Wir stecken noch in Planungen für ein solches Projekt."

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