Taxibranche sieht Existenz durch Mindestlohn bedroht

Taxibranche sieht Existenz durch Mindestlohn bedroht

Wenn wenig los ist, fahren Mitarbeiter weniger Geld ein, als ihnen bezahlt wird.

Velbert/Haan. Seit mehr als 30 Jahren ist der Velberter Unternehmer Werner Kamann im Taxigeschäft. „Die wirtschaftlich schwerste Zeit haben wir jetzt“, sagt der 59-Jährige. Das liegt nicht nur an dem veränderten Freizeitverhalten in den kleinen Städten, wo die Leute in der Woche selten noch bis spät abends die Eckkneipen unsicher machen. Im Moment belastet die Taxibranche vor allem der Mindestlohn. „Ich fühle mich in meiner Existenz bedroht“, sagt Kamann.

8,50 Euro müssen Unternehmer ihren Fahrern seit dem 1. Januar mindestens zahlen. Kamann entweicht ein bitteres Lachen. „Ja, das machen sie eine Zeit lang, tun dann im Monat 2000 Euro dabei und dann ist schnell Ende“, sagt er vor. Das Problem sei: Heutzutage haben Taxifahrer extrem lange Phasen, an denen sich nichts tut. Unter anderem wochentags in der Abendschicht. Dann komme kaum Geld rein, doch der Angestellte, der im Taxi sitzt, muss weiter bezahlt werden.

Taxiunternehmer Herbert Wachsener aus Haan rechnet vor, warum das Chefs mit mehreren Angestellten finanziell das Genick breche: „Es gibt tote Schichten, da fährt ein Fahrer in zehn Stunden gerade einmal 50 bis 100 Euro ein. Wie soll man dann dem Angestellten 85 Euro zahlen?“

Wachsener fährt jetzt zwangsweise wieder mehr selbst. „Um den Verlust zu minimieren.“ Er hat nur ein Auto und einen Festangestellten, für ihn ist der Mindestlohn eine Herausforderung, aber kein Tiefschlag.

Anders bei Kamann, der drei Autos und drei feste Fahrer unterhalten muss. Seine zehn Aushilfen werden die Auswirkungen des Mindestlohns direkt zu spüren bekommen. „Da muss ich jetzt kürzen“, sagt der Taxiunternehmer, der den Mindestlohn nicht generell verteufelt — nur auf die Taxibranche sei er nicht zugeschnitten. „Eine Maschine läuft den ganzen Tag, aber das Taxi steht auch mal.“

Die Crux an der Sache: Der Kreis Mettmann als Behörde hat sogar ein Interesse daran, dass Taxen auch mal stehen, damit sie an wichtigen Plätzen wie Bahnhöfen und Krankenhäusern verfügbar sind. Das könnte zum Konflikt werden. Ein Unternehmer aus dem Kreis, der anonym bleiben möchte, erzählte der WZ, er habe überhaupt kein Problem mit dem Mindestlohn.

Aber nur, weil er sich mehr und mehr von dem klassischen Taxibetrieb löse. „Anders geht es nicht.“ Der Unternehmer berichtet stolz: „Wir fahren hauptsächlich lukrative Privatkunden zu festen Zeiten, so dass die Wagen immer in Bewegung sind.“ Ist nichts los, ruhen auch mal die Autos.

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