Ratingen: Erst das Mikro, dann die Zöpfe

Ratingen: Erst das Mikro, dann die Zöpfe

naturbühne Nicht nur bei Pippi Langstrumpf muss jeder Handgriff sitzen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Ratingen. Ein paar Schritte über die Bühne, mit einem Satz in die Villa Kunterbunt und dort vom Dach mit einer gekonnten Akrobatikeinlage wieder zurück auf den sandigen Bühnenboden: Für Pippi Langstrumpf alias Clara Groeger beginnt so jeder Soundcheck kurz vor der Vorstellung. Hält die Mikrofonbefestigung? Dazu noch ein paar Stimmproben - denn darum geht es ja eigentlich, wenn die Technik auf Touren kommen soll.

Auf der Naturbühne am Blauen See läuft hinter den Kulissen alles etwas anders als sonst. Erst kommen die Mikrofone, dann die Zöpfe und zum Schluss die Kostüme. Maskenbildnerinnen wird man lange suchen, die Schauspieler schminken sich selbst. Eigentlich ist das auch gar nicht wirklich nötig, weil man die geschminkten Gesichter kaum erkennen würde. Dafür müssen aber die Sommersprossen überdimensional groß sein. Denn Pippi ohne Sommersprossen - das geht schon mal gar nicht.

Während die Schauspieler drinnen zur Tat schreiten, werden draußen die noblen Bühnenkarossen poliert. Im goldenen Jaguar wird später der feine Herr sitzen, deshalb muss der Reifendruck noch mal kontrolliert werden. "Sicherheit wird groß geschrieben. Ohne Disziplin kommt der ganze Ablauf durcheinander", erklärt Tagesspielleiterin Tanja Bockelkamp, warum alle Handgriffe an jedem Spieltag sitzen müssen. Denn in der Pause bleiben nur 20 Minuten, um die Kulissen von "Schweden" in "Taka-Tuka-Land" umzubauen.

Auch hinter der Bühne wird nichts dem Zufall überlassen Deshalb trifft sich das Team schon Stunden, bevor sich die Tore für die Zuschauer öffnen. Das Lampenfieber hält sich nach mittlerweile 30 Vorstellungen allerdings in Grenzen. Nur Annika alias Friederike Straub hat noch gelegentlich mit dem flauen Gefühl im Magen zu kämpfen. "Das ist meine erste Produktion", sucht die junge Schauspielerin nach Erklärungen. Dagegen ist Wallach Karib, der als "Kleiner Onkel" sein Schauspieldebüt feiert, sichtlich entspannt und gelassen. Das mag auch daran liegen, dass er den Stall mit Kamerunziege "DJ" aus dem Märchenzoo teilt. Was als Zweckgemeinschaft wegen der drohenden Einsamkeit begann, ist mittlerweile zur innigen Liebesgeschichte geworden: Schaf und Pferd weichen sich nicht von der Seite, die Trennung nach der Spielsaison dürfte schwierig werden.

Der Sonnenschein sorgte am Wochenende nicht nur für ein volles Haus, sondern auch bei den Schauspielern für gute Laune. Vor allem bei Victoria Wiese, die mit der Feinen Frau und Frau Prysselius gleich zwei Rollen spielt. Als Letztere springt sie aus Liebe für Kapitän Langstrumpf auch noch in den Teich, was sich bei schönem Wetter deutlich besser anfühlt. Gespielt wird auf der Naturbühne übrigens immer, auch bei Regen. Nur wenn´s blitzt und donnert, wird aus Sicherheitsgründen eine Zwangspause eingelegt.

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