Ratingen: Ein Romantiker im Park

Ratingen: Ein Romantiker im Park

Am liebsten hält sich Rainer Bendt im Poensgenpark auf – auch am frühen Morgen. „Hier komme ich zur Ruhe“, sagt er.

Ratingen. Die Hände in den Hosentaschen und den Blick aufs blühende Beet gerichtet, steht Rainer Bendt von der Ratinger Touristeninformation einfach nur da. Das kann er gut im Poensgenpark - entspannen. Seit 1991 lebt Bendt in Ratingen. Auf den Park in der Mitte der Stadt stieß er durch Zufall. "Das war ein richtiges Aha-Erlebnis", sagt er. Aha? "Ja, ich war zum ersten Mal im Frühling da und hellauf begeistert." Seitdem macht Bendt oft einen Abstecher ins Grüne. Mehrmals im Monat. Egal zu welcher Tageszeit. "Hier komme ich zur Ruhe", sagt er.

Hier - damit meint Bendt den kleinen Abschnitt Grün am Brügelmannweg. Dort, wo die Putten aus Stein sich um Blumenranken streiten und dünne Metall-Stäbe den Ort markieren, an dem bis 1945 das alte Poensgen-Haus stand. Bendt kennt die Geschichte des Hauses. Frau und Tochter des Parkgärtners und der Neffe Poensgens kamen dort zu Tode. Damals, im März 1945, als die Alliierten die Stadt bombardierten.

Vielleicht sei es das, was ihn am Park so fasziniere, sagt Bendt. "Eine Mischung aus Geschichte und Poesie." Im Herzen, so scheint es, ist Bendt ein Romantiker. Wenn er sich auf der Parkbank am Brügelmannweg niederlässt, hat er oft ein Buch dabei. Die Klassiker hätten es ihm angetan, sagt er: "Novalis, Hölderlin oder E.T.A. Hoffmann." Sie alle waren Schriftsteller der Romantik. So eingestimmt, wirkt selbst die große Atlaszeder im Park, deren schweren Äste durch Stangen gestützt werden, ein wenig wie gemalt - vielleicht von Caspar David Friedrich.

"Die exotischen Pflanzen - das ist hochromantisch", sagt Bendt dazu. Der 46-Jährige besucht den Park zu jeder Jahreszeit. Ihm gefällt, wie das 5,4 Hektar große Areal sein Gesicht ändert. "Zum Beispiel wenn sich die Farben der Blätter im Herbst wechseln oder im Winter Schnee fällt." Auch am frühen Morgen, wenn aus Richtung der Anger der Nebel über die Wiesen treibt, spaziert Bendt durchs Gelände. "Seit die Sichtachsen freigelegt sind, hat man von der Kastanienallee einen tollen Blick auf die Wasserburg."

Bendt kennt sich aus im Poensgenpark, er hat ein Buch zu seiner Geschichte mitgebracht. Um etwas nachzulesen, muss er nicht lange blättern. Wie alt die Putten seien, deren Dynamik ihm so gefällt? "In jedem Fall ist das der Stil des Rokoko. Die Putten könnten aber eine Nachahmung sein", sagt Bendt. Doch das genaue Alter? Bendt blättert und findet die passende Abbildung auf Anhieb. "Hier", sagt er und deutet aufs Blatt. "1920 haben die schon hier gestanden."

Dass auch andere Besucher das über 200 Jahre alte Grün einfach faszinierend finden müssen, ist für Bendt selbstverständlich. Es gäbe kaum Parks, die so kompakt und gleichzeitig so vielfältig seien. "Natürlich muss man sich für Geschichte begeistern können." Bendt hat beobachtet, dass zunehmend Besucher von außerhalb den Park besuchen. Und er hat gesehen, wie der Park seine Ruhe an die Spaziergänger weitergibt. "Der Park hat einen Charakter und der überträgt sich auf die Besucher", sagt er.