Neviges: Der Müller ist längst ausgezogen

Neviges: Der Müller ist längst ausgezogen

Geschichte: Die alte Hardenberger Mühle wurde zuletzt als Wohnhaus genutzt. Ob und wie sie saniert und wieder genutzt werden kann, wird jetzt geprüft.

Neviges. Wenn vom Ensemble Schloss Hardenberg gesprochen wird, sind in der Regel Herrenhaus und Vorburg mit dem umliegenden Gelände gemeint. Doch was ist mit der alten Mühle? Im Bezirksausschuss stellte die SPD kürzlich Fragen nach dem Zustand des historischen Gemäuers und Konzepten für die zukünftige Nutzung im Rahmen des Ensembles - Anlass für die WZ, sich einmal in dem Gebäude umzuschauen und einen Blick auf dessen Geschichte zu werfen.

Bereits ausgangs des Mittelalters soll sich unmittelbar am Schloss eine sogenannte Zwangsmühle befunden haben. Der Name rührt vom alleinigen Recht des Grundherrn her, eine Mühle zu betreiben - nur dort durften die Untertanen ihr Getreide mahlen lassen. Urkundlich belegt ist, dass die Schlossmühle - auch als Hardenberger Mühle oder Oberste Mühle bezeichnet - mindestens bis 1502 durch einen direkt vom Herrn von Hardenberg angestellten Müller betrieben wurde. Ein offensichtlich zu allen Zeiten einträgliches Geschäft, denn ein Dokument von 1697 berichtet von der Verpachtung der Mühle für die damals enorme Summe von jährlich 500 Talern.

In den Jahren 1769/70 entstand ein Fachwerkbau samt Torhaus und Galerie für den Müller. Der Standort war mit dem heutigen identisch, wie die Urkarte der Bürgermeisterei Hardenberg von 1815 zeigt. Diese Bauten wichen schließlich 1842 der Mühle in ihrer heutigen Form, in der fortan zwei Mühlräder je einen Mahlgang für Roggen und Weizen antrieben. Sommertags ruhte allerdings der Betrieb bisweilen wegen Wassermangels, heißt es in den Annalen.

Wie lange in der Mühle wohl tatsächlich Getreide gemahlen wurde? Einen Hinweis gab im Oktober 2003, als das Herrenhaus seine Pforten für die Öffentlichkeit schloss, die Zeitzeugin Hilde Oetzbach, damals 94 Jahre alt. Im Gespräch mit der WZ erinnerte sie sich, wie sie als Kind mit den Eltern von Velbert ins Tal ging, um an der noch aktiven Mühle Buchweizenmehl zu holen und auf dem Mühlenteich Schlittschuh zu laufen. Der Teich ist auf alten Fotos noch bis in die 1930-er Jahre nachweisbar, heute befindet sich an seiner Stelle zwischen Vorburg und Bernsaustraße die Schlosswiese.

Zuletzt diente die Mühle, die 1981 mit dem Schloss unter Denkmalschutz gestellt wurde, als Wohnhaus. Ein Mühlrad oder sonstiges Inventar, das an die frühere Nutzung erinnert, gibt es nicht mehr. Die letzten Bewohner haben das Gebäude inzwischen verlassen. Äußerlich noch recht ansprechend, offenbart sich im Innern doch erheblicher Sanierungsbedarf: "Ein großes Problem ist die Feuchtigkeit", erläutert Udo Misiak, Bautechniker der städtischen Fachabteilung Umwelt- und Stadtplanung.

Sie hat insbesondere in den Kellerräumen erheblichen Schaden angerichtet. In einer Ecke ist ein deutlicher Belag auf der Wand erkennbar: "Der gemeine Hausschwamm", so Misiak. Bereits im Ausschuss hatte Stadtplaner Detlef Jobst berichtet, dass erheblicher Sanierungsbedarf auch an Sanitär- und Heizungsanlage bestehe, das Mauerwerk außerdem auf Schimmelbefall untersucht werden soll. Es werde eine Instandsetzung im Zusammenhang mit der künftigen Nutzung des Schlosses geprüft, so Jobst.

Ob das Gebäude für museale Zwecke, als Atelier oder wieder zum Wohnen infrage komme, hänge jedoch davon ab, wie die Schäden im Keller bewältigt werden könnten. Die Verwaltung will daher so bald wie möglich darlegen, wie teuer eine Sanierung wird und wie die Mühle künftig genutzt werden könnte.

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