Neviges: Aufgeschlossen für Technik

Neviges: Aufgeschlossen für Technik

Projekt: Mit Unterstützung von Johannes Vorberg, der seit November das Museumsteam verstärkt, haben Schüler der Kölver-Realschule sehenswerte Schlossmodelle gebaut.

Neviges. "Wir warten nicht mehr, bis jemand zu uns kommt", sagt der stellvertretende Museumsleiter Johannes Vorberg. Seit November im Schloss- und Beschlägemuseum beschäftigt, weiß er schon ganz genau, welchen Stellenwert Museumspädagogik heute einnimmt: "Wir kommen zu den Velbertern."

Und so unterstützte der 34-jährige studierte Lehrer zwei Monate lang die siebte Klasse der Heinrich-Kölver-Realschule. Zusammen mit den Schülern erarbeitete er im Rahmen des Technikunterrichts sechs verschiedene Schlosstypen. Vom Sperrfederschloss bis zum Ankerschloss lernten die Jugendlichen nicht nur die Funktionsweise kennen, sondern sie bauten sie sogar nach. Als Vorlage dienten ihnen die alten Schlösser aus dem Museum.

Das Ergebnis kann und wird sich sehen lassen: Ab morgen ist die Ausstellung "Welt der schlösser" bis Oktober im Schloss- und Beschlägemuseum zu bestaunen. "Die Idee finde ich super. Das ist Unterricht, der Spaß macht. Wir wissen alle, worauf wir hinarbeiten. Welche Schulklasse bekommt schon eine Ausstellung im Museum?", freut sich Justin (13). Für die Eröffnung haben die Schüler kurze Vorträge eingeübt, die sie vor Lehrern, Mitschülern, Verwandten und anderen Interessierten halten werden.

"Im oberen Bereich des Schlosses sind Stifte und Fallriegel, die durch ihr Eigengewicht in die Löcher im Riegel fallen und dann blockieren", erklärt Mirco(13) sein selbst gebautes Ankerschloss. Vier Stunden in der Woche feilten, raspelten, sägten und bohrten er und seine Klassenkameraden Patrick (13) und Justin, um das älteste Schloss der Welt nachzubauen.

Im Museum maßen die Schüler erst einmal die einzelnen Teile aus, in der Schule fertigten sie Skizzen an und verarbeiteten dann das Holz. Lehrerin Katharina Reuters ist von dem Engagement ihrer Schüler ganz begeistert: "Alle haben mit großem Interesse und Spaß mitgearbeitet. Auch, wenn es vom Schwierigkeitsgrad nicht gerade einfach war, sind alle Schlösser toll geworden."

Mit Hilfe von Johannes Vorberg und eigenen Recherchen lernten die Siebtklässler auch die Geschichte zu den Schlössern kennen: "Erste Abbildungen fand man auf arkadischen Siegeln des 3. Jahrtausends vor Christus", weiß Patrick und findet nun, dass Museen auch richtig Spaß machen können. Für seinen Klassenkameraden Maik (13) ist der technische Unterricht zu seinem Lieblingsfach geworden: "Mein Berufswunsch ist technischer Ingenieur. Dass ich mich da mal auf Schlösser spezialisiere - das kann nach diesem Projekt gut sein."

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