Liebe zur Musik liegt in der Familie

Liebe zur Musik liegt in der Familie

Annette Heber ist seit 1. November neue Kirchenmusikerin in der evangelischen Gemeinde Düssel. Sie möchte die Tätigkeit nutzen, um mehr Menschen zum Singen zu animieren.

Wülfrath. Die Verbundenheit zur Kirchenmusik zeigt sich bei Annette Heber schon im Geburtsort: In der Bach-Stadt Leipzig kam die 54-Jährige zur Welt. „Zudem ist meine Mutter Hobbysängerin gewesen. Da bin ich mit Gesang aufgewachsen“, sagt sie. Seit dem 1. November ist Heber neue Kirchenmusikerin in der evangelischen Gemeinde Düssel. Ihre „erste große Bewährungsprobe“ hat sie mit den Gottesdiensten zu den Weihnachtsfeiertagen hinter sich gebracht, nun steht für dieses Jahr noch der Gottesdienst am Silvesterabend um 17 Uhr an.

Seit nunmehr 40 Jahren macht Annette Heber, die Mutter von drei erwachsenen Söhnen ist, Kirchenmusik. Klavierunterricht erhielt sie, seitdem sie acht Jahre alt war. Nach dem Umzug nach Westdeutschland im Jahr 1975 lebte die Familie zunächst in Rheinberg (Kreis Wesel). Nachdem Heber konfirmiert worden war, sprach sie die Kantorin der dortigen Kirchengemeinde an, ob sie nicht Lust habe, an der Orgel zu spielen. „Die suchte damals natürlich auch jemanden, der sie bei Gottesdiensten vertreten kann“, schmunzelt Heber.

Etwa ein halbes Jahr habe sie gebraucht, um sich an das Instrument zu gewöhnen, erinnert sie sich. „Vor allem die Koordination von Händen und Füßen ist schwierig.“ Da sie sich aber viel Zeit zum Üben gegeben habe, ging es bald schon ganz gut. Nach einem Umzug der Familie ins benachbarte Xanten durfte Heber als Jugendliche auch bei einigen Schulgottesdiensten im dortigen Dom auf der Orgel spielen.

Nach einem nicht abgeschlossenen Psychologiestudium in Bonn nahm Heber 1990 ein Studium im Institut für Kirchenmusik der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf auf, das sie vier Semester später abschloss. Im Jahr 2015 folgte noch ein Gaststudium an der Hochschule für Kirchenmusik im ostwestfälischen Herford — Schwerpunkt dabei waren die Bereiche „Gesang“ und „Pop-Piano“.

Seit 1993 hatte Heber zudem schon in evangelischen Gemeinden als Kirchenmusikerin gearbeitet: Zunächst 20 Jahre lang in zwei Gemeinden in Oberhausen, anschließend noch einmal vier Jahre in einer Gemeinde in Dortmund-Wellinghofen. Von dort wechselte sie jetzt nach Wülfrath-Düssel. Dort ist sie Nachfolgerin von Johannes Bielski.

Sie wolle mit ihrer Arbeit in der Gemeinde gerne ein „eigenes Profil verwirklichen“ und sich auch neueren Entwicklungen in der Orgel- und Chormusik öffnen, sagt Annette Heber. „Klassiker“ wie Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Dietrich Buxtehude zählen zu ihren musikalischen Vorbildern, doch auch moderne Kirchenmusik, die eher in die Jazz-Richtung geht, ist für sie interessant.

Neben der musikalischen Begleitung der Gottesdienste ist auch die Arbeit mit dem Chor der Gemeinde ein Herzensanliegen von Heber, die seit etwa eineinhalb Jahren in Wuppertal-Ronsdorf lebt. „Mein Wunsch und auch mein Auftrag ist es, möglichst alle Generationen zum Singen zu verführen“, sagt sie. Derzeit sind etwa 15 Sängerinnen und Sänger im Kirchenchor Düssel vertreten. Weitere Mitsänger seien jederzeit willkommen, betont die Chorleiterin. Sowohl Männer- wie Frauenstimmen würden gesucht — nur beim Sopran gebe es kaum Bedarf.

Doch auch die Stärkung und Ausbildung des Nachwuchses gehören zu den Aufgaben der neuen Kirchenmusikerin. Dazu sucht sie den Kontakt zu den beiden Kindergruppen, die sich regelmäßig im Gemeindehaus treffen. „Ich würde gerne einen Kinderchor ins Leben rufen“, sagt Annette Heber. Eine Kindergruppe habe sie bereits besucht und für ihr Anliegen geworben, der Besuch in der zweiten Gruppe soll bald folgen. Leider gebe es ansonsten ja keinen Kindergarten und keine Schule im Ortsteil, die man ansprechen könne.

Und für das kommende Jahr hat sich Heber gemeinsam mit der Kreiskantorin des Kirchenkreises Niederberg, Sigrid Wagner-Schluckebier, ein großes Chorprojekt vorgenommen. Aus den beiden Chören in Düssel und Velbert soll ein gemeinsamer Chor entstehen, zu dem noch weitere Sängerinnen und Sänger hinzustoßen können. Am 10. und 11. November soll der große Chor dann in Velbert beziehungsweise in Düssel auftreten.

Für eine Gemeinde ist eine Kirchenmusikerin auf jeden Fall unverzichtbar. „Kirchenmusik ist ein essenzieller Bestandteil des Gemeindelebens und des Gottesdienstes“, sagt Pfarrer Udo Schmitt. Und im Reformationsjahr verweist er auch darauf, welch große Bedeutung Martin Luther der Musik zusprach. So stammt von dem Reformator unter anderem folgendes Zitat: „Musik ist ein reines Geschenk und eine Gabe Gottes, sie vertreibt den Teufel, sie macht die Leute fröhlich und man vergisst über sie alle Laster.“

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