Langenberg: Der Prunk ist nur Beiwerk

Langenberg: Der Prunk ist nur Beiwerk

Denkmäler: Ab 1895 entstand in Langenberg das heutige Gebäude der Vereinigten Gesellschaft. Bis heute ist es der Kristallisationspunkt der Gemeinschaft.

Velbert-Langenberg. Es war am 20.Dezember 1798, als sich elf wohlhabende Bürger aus Langenberg in einem Gasthof an der Hellerstraße zusammenfanden. Neben Kaufleuten und Fabrikanten gehörten der Arzt des Dorfes und ein Wirt dazu. Bei Kerzenschein und Wein gründeten sie die Vereinigte Gesellschaft (VG), einen "geschlossenen Herrenclub". Allen Einheimischen war der Zutritt in die Gesellschaft untersagt; neue Mitglieder konnten nur nach Vorschlag durch ein anderes Mitglied aufgenommen werden.

Dies ist heute noch so: Nach mehrmonatiger Probezeit berät ein Ausschuss über den Bewerber, bis eine geheime Abstimmung mit silbernen und schwarzen Kugeln erfolgt. "Allerdings habe ich bislang nicht erlebt, dass ein Bewerber abgelehnt wurde", betont Hartmut Eipper (63), 1.Direktor der VG. Seit 1927 dürfen die Ehefrauen an den meisten Veranstaltungen teilnehmen, ohne dass jedoch der Status des Herrenclubs aufgegeben worden wäre.

Erstes Gesellschaftsheim war bis zum Abriss 1894 das erworbene "Haus am Endt", das letzte Haus des Ortes. Nach dem Entwurf eines Elberfelder Architekturbüros entstand ein Jahr später an gleicher Stelle, Hauptstraße84, das heutige Gebäude. Der bestehende Festsaal wurde beibehalten, hinzu kamen unter anderem Wohnräume, ein Herrenzimmer, Stübchen sowie zwei Kegelbahnen. "Dieses Haus ist der Kristallisationspunkt unserer Vereinigung", sagt Eipper, der zurzeit 75 Mitgliedern vorsteht. "Wenn es das Haus nicht gäbe, gäbe es wahrscheinlich auch die Vereinigte Gesellschaft nicht mehr." Es sei wichtig, "dass man sich in einer Umgebung befindet, in der man sich heimisch fühlt. Wenn Sie sich in einer Gaststätte im Hinterzimmer treffen würden, wäre das Clubleben viel schwieriger."

Während das "Stübchen" mit dunklem Holz vertäfelt ist und das Licht durch die Buntglasfenster an Schirmlampen mit Goldrand vorbei auf olivgrüne Polsterstühle fällt, erstrahlt der Festsaal mit kleinem Konzertflügel in Weiß und Gelb. Der französische Empire-Stil des 18. Jahrhunderts, der hier umgesetzt wurde, sollte Feierlichkeit ausstrahlen, ohne protzig zu wirken. Die thronartigen Ledersitze im von der Decke her lichtdurchfluteten Foyer bilden da eine Ausnahme. Herbert Gursky, einstiger VG-Direktor, betonte 1964 den Unterschied zu englischen Traditionsclubs: "Dort ist man Mitglied, um vornehm-gelangweilt gemeinsam zu schweigen, während uns §1 der Satzungen die gesellige Unterhaltung in den Vordergrund stellt."

Die Satzungen haben noch heute ihre Gültigkeit - etwa mit Jazz-Frühschoppen, Kegelabenden und wissenschaftlichen Vorträgen: Referierte 1864 Forscher Johann Carl Fuhlrott über seinen Fund des Neandertalers, so sprach im März Jens Baganz, Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, über den "Energiestandort NRW". Viermal im Jahr veranstaltet die VG ein öffentliches, eintrittsfreies Klavierkonzert. In Zusammenarbeit mit der Bücherstadt werden ab Herbst einmal im Monat Rezitatoren aus "gehobener Unterhaltungsliteratur" lesen.

"Exklusivität ist schön, Überleben ist besser", lautete das Motto in den 1970er-Jahren, als das Haus baufällig zu werden drohte. "Es war nicht mehr möglich, das Gebäude allein aus den Beiträgen aufrecht zu erhalten", offenbart Eipper. Die Sanierung kostete knapp 600000 Mark, wovon die VG ein Drittel selbst einbringen musste. "An die finanzielle Unterstützung von Stadt und Land war ein Vertrag gekoppelt, demzufolge die VG das Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich machen sollte", schreibt Annette Böhm in der Festschrift zum 200-jährigen Bestehen. Und so übernahm seit 1980 eine Handvoll Pächter das Haus. Seit Anfang des Jahres ist es das Langenberger Cateringunternehmen "Linke". Einen Schwerpunkt sieht Geschäftsführer André Linke in der Ausrichtung von Hochzeitsfeiern, aber auch von Firmenseminaren.