Er ist einer der letzten seiner Art

Er ist einer der letzten seiner Art

Der Trichter-Kalkofen Hammerstein leitete die Industrialisierung im Handwerk ein und markiert den ersten Schritt technischer Entwicklung bei der Kalkgewinnung.

Wülfrath. Nahezu täglich fährt wohl so mancher Wülfrather daran vorbei — und doch sieht man kaum, dass sich im Dickicht der Bäume bei Schlupkothen ein echtes Industriedenkmal versteckt. Erst, wenn man auf der Wilhelmstraße am Kreisverkehr die Ausfahrt zum Parkplatz Hammerstein nimmt und zu Fuß die lange Straße weiter geht, steht man quasi direkt davor. Die Äste muss man ein wenig beiseite schieben und den Kopf strecken — dann kann man im kühlen Wald zwei steinerne Bögen entdecken. Sie gehören zu einem alten Trichter-Kalkofen.

In der Kalkstadt so etwas zu finden, ist vielleicht nicht überraschend, aber dennoch etwas Besonderes. Denn hier kann man noch ein echtes Stück Industriegeschichte bewundern. Hier zeigt sich nämlich, wie noch vor vielen Jahren der Kalk behandelt und verarbeitet wurde — und in welchem Maß. Ganz anders, als das heute der Fall ist.

Die Elberfelder Bauunternehmer Gebrüder Hein baten im November 1891 um eine Konzession, einen Trichterofen zum Kalkbrennen zu errichten. Der daraufhin erbaute Trichter-Kalkofen Hammerstein war bis 1921 in Betrieb. Diese Bauweise ist eine der älteren. Schon im Mittelalter brannten Bauern in einfachen Feldbrennöfen Kalkstein für ihren eigenen Bedarf an Mörtel- und Düngekalk. Im 19. Jahrhundert wurden dann Öfen wie dieser bei Schlupkothen gebaut.

Die gemauerten Trichteröfen wurden von oben mit Kalk gefüllt. Von unten konnte das Gewölbe befeuert werden, meistens mit Holz. Etwa zwei bis drei Tage blieb der Kalk hier in der Mitte des Trichters, wo die nötige Temperatur von 900 bis 1200 Grad gut gehalten werden konnte. Von oben wurde immer wieder Material nachgefüllt, unten im Arbeitsgewölbe konnte man den fertig gebrannten Kalk herausziehen. Eine viel praktischere Methode also, als noch die alten Feldöfen, da hier kontinuierlich gearbeitet werden konnte.

An dieser Trichterbauweise erkennt man einen speziellen Zeitabschnitt in der Geschichte des Kalkbrennens. Er stellt das erste Glied einer technischen Entwicklung dar, schreibt der Landschaftsverband Rheinland (LVR) in seinem Denkmalportal „Kuladig“. So folgten auf die Trichteröfen die Ringöfen, auf alten Luftbildern aus der Zeit um 1900 ist neben dem Hammersteiner Trichterofen auch solch ein Ringofen zu sehen. Doch auch diese wurden wieder abgelöst — durch die heute üblichen Schacht- und Drehöfen.

Besonders ist daran auch, dass sich so zeigt, wie sich die Nutzung des Kalks über die lange Zeit verändert hat. Wenn er vor vielen Jahrzehnten Kalk vor allem von Bauern für ihren Handwerksbedarf genutzt wurde, entdeckte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Stahlindustrie im Ruhrgebiet den Nutzen des Stoffes für sich. So wurde auch die Kalkproduktion immer weiter ausgebaut und gewann an Bedeutung. „Ohne Städte wie Wülfrath wäre die Stahlindustrie im Ruhrgebiet nicht so groß und erfolgreich geworden“, sagt Axel Welp, der sich für den LVR mit den Denkmälern in der Umgebung befasst hat.

Der Trichterofen Hammerstein ist schon seit 1921 nicht mehr in Betrieb. Der Trichter wurde zugeschüttet, die Arbeitsgewölbe in den 1960er Jahren aus Sicherheitsgründen zugemauert. Zu sehen sind nur noch das Mantelmauerwerk und die zugemauerten Öffnungen. Dennoch ist er einer der wenigen solcher Öfen, die noch erhalten geblieben sind. Einen vergleichbaren gibt es nur noch in Wuppertal-Eskesberg

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