Der Schulhof wird zum Frühstücksraum

Der Schulhof wird zum Frühstücksraum

Bei den Schülern der Bergstraße stand der Austausch mit den Nachbarn auf dem Stundenplan. Sie hatten zum Frühstück eingeladen.

Wülfrath. Schon von weitem tönt Große-Pausen-Stimmung vom Schulhof der Theodor-Heuss-Realschule (THR) und der Sekundarschule am Berg durch die Siedlung. Alle Schulklassen und Lehrer frühstückten am Freitag gemeinsam auf dem Pausenhof. Statt Unterricht waren Brötchen, Marmelade und Gespräche mit den eingeladenen Nachbarn angesagt.

Jan-Niklas Niebisch von der Schülervertretung (SV) delegiert die Sitzplanung an einen Mitschüler: „Die Fünfer müssen noch da rüber.“ Der 16-Jährige und die weiteren Mitglieder der SV, die sich aus den Klassensprechern aller Stufen zusammensetzt, haben das gemeinsame Nachbarschafts-Frühstück geplant.

Jan-Niklas Niebisch, Schüler

Es ist zugleich eine kleine Abschlussfeier vor der Schließung der Realschule zum Ende des Unterrichtsjahres. „Auch wenn wir theoretisch zwei Schulen sind, sind wir eine Schulgemeinschaft“, sagt Niebisch. „Deshalb organisieren wir Feste, wie dieses, zusammen.“ Jede Klasse bringt ihre Tische und Stühle auf den Pausenhof und besorgt Brötchen und Aufschnitt selber, erklärt der Zehntklässler.

Einige Klassen haben sich besondere Mottos ausgedacht. „Wir sind heute in Black und White gekleidet“, erzählen Schülerinnen der 6b. Auf anderen Tischen stehen bemalte Pappteller, zum Beispiel mit dem Logo von Bayern München. Matteo, Ilias, Ayberk und Fabian aus der 8a erzählen: „Unsere Klasse hat das Motto „international“. Wir haben Essen aus verschiedenen Ländern mitgebracht. Zum Beispiel Tiramisu, türkische Knoblauchwust, Pfannkuchen oder Cevapcici.“ Brötchen seien der Klasse zu normal.

Eine weitere Besonderheit ist der sogenannte „VIP-Tisch“ in der Mitte der U-förmig angelegten Frühstückstische. „Hier sitzen die Nachbarn “, erzählt Jan-Niklas Niebisch. Die Schülervertreter kamen auf die Idee, in diesem Jahr Anwohner aus der Umgebung anlässlich des Abschieds von der Realschule einzuladen. „Sie haben viel von uns miterlebt, und die Einladung ist auch eine kleine Entschädigung“, sagt der Zehntklässler.

Ein Nachbar ist das Niederbergische Museum. Geschäftsführerin Karin Fritsche hat es sich nicht nehmen lassen vorbeizuschauen. „Das war wirklich eine nette Idee“, findet sie und erzählt, dass die Mädchen und Jungen in den Pausen gerne auf den Stufen des Museums sitzen.

Bei Christel Volz und Helen Gregorian weckt das Frühstück auf dem Schulhof Erinnerungen: Die Söhne beider Anwohnerinnen besuchten die Traditions-Schule THR. Christel Volz, die seit 60 Jahren in der Umgebung wohnt, erzählt mit einem Schmunzeln: „Mein Sohn ist immer über den Zaun geklettert, das war der kürzeste Weg, und er wurde oft vom Rektor ermahnt.“

Der Nachbarschafts-Tisch ist gut besucht. Viele haben die Einladung der Schüler angenommen. Realschul-Rektor Frieder Winterberg strahlt: „Schön, dass sich hier alle treffen und austauschen.“ Nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer sind mit den Nachbarn bekannt. Karl Lichey wohnt seit vier Jahren neben der Schule. Er berichtet, dass die Lehrer vor den Haustüren parken. „So kommt man ins Gespräch.“ Auch die vielen netten Schüler seien eine Bereicherung: „Sonst wäre hier ja nichts los“, sagt Lichey.

Das Frühstück, das auch schon in den Vorjahren Spaß gemacht habe, solle weiterhin stattfinden, meinen die Schüler und widmen sich ihren Donuts, Muffins, Erdbeeren, Käsebrötchen und all den Gesprächen.