Bürgermeisterin Barbara Lorenz-Allendorff :„Es wird dem Bürger weh tun“

Bürgermeisterin Barbara Lorenz-Allendorff :„Es wird dem Bürger weh tun“

Barbara Lorenz-Allendorff will den Rat mit Taten überzeugen und mehr als Stadtdirektorin denn als Bürgermeisterin handeln.

Wülfrath. In den WZ-Sommergesprächen räumt Bürgermeisterin Barbara Lorenz-Allendorff ein, die Leinen in der Vergangenheit nicht straff genug gehalten habe. Das sei jetzt anders: "Ich trage den Hut der Stadtdirektorin." Einen Zeit- und Maßnahmenkatalog habe sie dem Landrat pünktlich übermittelt. Auf welche Einschnitte sich die Wülfrather vorbereiten sollten, sagte sie nicht. Nur so viel: "Es wird weh tun." Das Gespräch führten die WZ-Redakteure Lothar Leuschen und Thomas Reuter.

Bei Ihrer Nominierung 2004 haben Sie erklärt, "in Liebe zu Wülfrath verfallen" zu sein. Wie groß ist die Liebe im Sommer 2007?

Lorenz-Allendorff: Ich stehe weiterhin für das liebenswerte Wülfrath. Ich habe in den vergangenen Jahren beeindruckende Menschen kennen gelernt, die ich auch heute zu meinen Freundeskreis zählen darf. Sie geben mir Freude und Kraft für meine Arbeit. So wird mir die Liebe zurückgegeben.

Aber in der öffentlichen Diskussion müssen Sie aktuell Kritik einstecken, die sich quer durch die Parteien zieht. Auch in Leserbriefen und Diskussionen auf den Straßen wird sie laut.

Lorenz-Allendorff: Ich erfahre zurzeit viel Zuspruch. Leute bringen mir Blumen ins Rathaus. Viele unterstützen mich.

In der Kritik wird Ihnen immer wieder ein Kommunikationsdefizit vorgeworfen. Haben Sie ein Kommunikationsproblem?

Lorenz-Allendorff: Nein. Das sind doch immer die gleichen Behauptungen und Aussagen, die durch Wiederholungen nicht Gehalt gewinnen. Ich setzte mich aber mit dem Vorwürfen auseinander. Jede Praxis ist verbesserbar. Ich habe erkannt, dass ich die Leinen straffer halten muss. Ich trage nun eher den Hut der Stadtdirektorin.

Sie mussten bis Montag dem Landrat einen Maßnahmen- und Zeitkatalog vorlegen. Welche Maßnahmen stehen oben?

Lorenz-Allendorff: Der Landrat hat die Unterlagen wie zugesagt pünktlich erhalten. Der Plan zeigt auf, mit welchen Schritten der Rat bis zum 15. Oktober ein Haushaltssicherungskonzept verabschieden kann. Darin fließt auch das Konsoliderungsgutachten aus dem Hause Rödl und Partner ein.

Aber welche Maßnahmen schlagen Sie konkret vor?

Lorenz-Allendorff: Es ist ein Gesamtpaket, aus dem keine Einzelpositionen herausgegriffen und vorher zerredet werden sollten. Jetzt schon von Unverzichtbarem zu sprechen, bedeutet bereits jetzt eine Schere im Kopf zu haben. Gerade diese dürfen wir uns in unserer Situation nicht leisten.

Sparen heißt auch Verzicht. Auf was muss sich der Wülfrather einstellen?

Lorenz-Allendorff: Es wird weh tun. Ja. Es werden Leistungen abgebaut und auch Mehrbelastungen auf die Bürger zukommen.

Lorenz-Allendorff: Alles kommt auf den Prüfstand. Eine Stadthallen-Funktion war und ist mir wichtig. Das Bestehen der Stadthalle ist abhängig von den Möglichkeiten einer deutlichen Kostenreduzierung. Ob die Stadthalle erhalten bleibt, ist nicht 100-prozentig gesichert.

Sie plädieren für die Nicht-Wiederwahl der beiden Beigeordneten - als eine Sparmaßnahme. Vier der fünf Ratsfraktionen wollen mindestens einen wiederwählen. Setzen Sie sich nicht durch, müssen Sie mit einem Beigeordneten zusammenarbeiten, den Sie nicht mehr wollten. Was kann zur Klimaentspannung beitragen?

Lorenz-Allendorff: Ja, es ist richtig. Ich plädiere für eine schlanke Verwaltung. Für eine Verwaltungsorganisation ohne Beigeordnetenstellen. Ich habe meinen Vorschlag erarbeitet und gehe davon aus, dass er so umgesetzt wird. Auf Beigeordnete zu verzichten, ist auch Trend. Das machen viele Städte von der Wülfrather Größe in Nordrhein-Westfalen. Mit Ihrer letzten Frage beschäftige ich mich derzeit nicht.

Und wer würde dann im Rathaus das Umsetzen der Sparmaßnahmen kontrollieren?

Lorenz-Allendorff: Dies erfolgt über ein aus dem Personalbestand zu besetzendes Controlling, das noch weiter ausgebaut werden muss.

Sie üben Kritik am Rat. Was ist die Schwäche des Rates?

Lorenz-Allendorff: Ich habe den Eindruck, dass Ratsmitglieder und manche Fraktionen sich darauf beschränken, gegenüber der Verwaltung Schuldzuweisungen zu produzieren. Wir brauchen aber eine konstruktive, sachorientierte Zusammenarbeit.

Das Tischtuch zwischen Ihnen und der Mehrheit des Rates ist doch zerschnitten. Wie wollen Sie die Situation verbessern? Zum Beispiel durch mehr Gespräche?

Lorenz-Allendorff: Gespräche allein werden hier nicht ausreichen. Ich werde durch Taten überzeugen, durch Handeln.

Was macht Wülfrath aus?

Lorenz-Allendorff: Eine kleine Stadt in ländlicher Umgebung und urbanen Möglichkeiten. Eine hohe Wohnqualität. Gesellige Menschen, die sich in Vereinen engagieren. Das ist Wülfrath.

Und welche Vision haben Sie für Wülfrath?

Lorenz-Allendorff: Dass Wülfrath saniert ist und sich von seinen finanziellen Zwängen befreit hat.

Was würden Sie tun, wenn es die finanziellen Problemen nicht geben würde?

Lorenz-Allendorff: Die Stadt besser vermarkten, die Plätze verschönern und die Vorzüge besser herausstellen. Heute kann ich nicht einmal eine Broschüre in Auftrag geben, ohne dass diese nicht vorher über Anzeigen finanziert ist.

Wo steht Wülfrath im Sommer 2008?

Lorenz-Allendorff: Wir werden erste Erfolge der Konsolidierung verzeichnen.

Was ist Ihr Traumberuf?

Lorenz-Allendorff: Bürgermeisterin in Wülfrath - ohne Geldprobleme und mit einem besonnenen Rat.

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