Todesfahrt in Hilden: Fahrerin (34) muss ins Gefängnis

Todesfahrt in Hilden: Fahrerin (34) muss ins Gefängnis

Auf der Flucht vor der Polizei raste ein Einbrecher-Trio im Oktober 2008 in ein Auto. Eine junge Frau starb.

Kreis Mettmann. Wie schwer wiegt der Tod eines Menschen? Durch welche Strafe findet er eine angemessene Sühne? Mit diesen schwer wiegenden Fragen musste sich das Wuppertaler Amtsgericht gestern befassen. Das Schöffengericht hatte über die Zukunft eines Einbrechter-Trios aus Düsseldorf zu befinden, das auf der Flucht vor der Polizei am 4. Oktober vergangenen Jahres den Tod einer jungen Frau aus Ratingen verursacht hatte.

Am Mittag befand der Vorsitzende Richter Christian Podeyn, dass eine Bewährungsstrafe, wie sie Verteidigung und Staatsanwaltschaft gefordert hatten, für die Fahrerin des Fluchtautos nicht angemessen wäre. Er verurteilte die 34 Jahre alte Frau zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Ihre beiden Komplizen - ihre Schwester (26) und der Schwager (25) - wurden zu Bewährungsstrafen von einem und eineinhalb Jahren verurteilt.

Hoch emotional war es am Vormittag im Gerichtssaal zugegangen. Angespannt hatten die drei Angeklagten verfolgt, was die Zeugen über die tragischen Vorfälle jenes Oktoberabends berichteten. Es hatte ein "einfacher" Wohnungs-Einbruch werden sollen, den das Trio in der Bachstraße in Haan verüben wollte. Doch dann war alles aus dem Ruder gelaufen.

Ein Nachbar hatte den Einbruch beobachtet und die Täter auf frischer Tat angesprochen. Doch der 25-Jährige habe sich ihm in den Weg gestellt und mit einem langen Stab - vermutlich ein großer Schraubenzieher - gedroht: "Hau ab" und "ich stech’ Dich ab" habe er gerufen, berichtete der 41 Jahre alte Bankkaufmann gestern als Zeuge vor Gericht. Dann wandte er sich, mit den Tränen ringend, an die Schwiegereltern der zu Tode gekommenen Frau, die als Zuschauer im Gerichtssaal saßen: "Es tut uns so unendlich leid, was passiert ist. Das lässt unsere ganze Familie nicht los... wir machen uns solche Vorwürfe."

Denn aufhalten konnte er die Täter nicht. Sie sprangen ins Auto und fuhren los - die inzwischen alarmierte Polizei war ihnen bald auf den Fersen. Nach einiger Zeit der Verfolgung fuhren die Diebe immer schneller - ein Sachverständiger sprach von mehr als 100 Kilometern in der Stunde.

Dabei warfen die Einbrecher ihre Beute aus dem Fenster. Schließlich verlor die Fahrerin nach einer langgezogenen Rechtskurve auf dem Westring in Hilden die Kontrolle über ihren Ford Ka und raste frontal in das Auto einer 27-jährigen Ratingerin. Die völlig unbeteiligte Frau starb wenig später an ihren Verletzungen im Krankenhaus.

"Ich wollte niemals, dass so etwas passiert", sagte die Hauptangeklagte unter Tränen. Noch immer verfolgen sie die Bilder bis in den Schlaf. Ihr Verteidiger betonte in seinem Plädoyer, dass man diese Tat nicht ungeschehen machen könne. "Man darf mit dem Strafmaß nicht versuchen, zu kompensieren, was nicht zu kompensieren ist." Er forderte eine Bewährungsstrafe. Die gab es nicht. Die 34-Jährige nahm das Urteil, um Fassung ringend, entgegen.

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