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Starke Galopper sind sein Ein und Alles

Reiten : Sein Herz schlägt für starke Galopper

Rennsport-Fachmann Rüdiger Alles führte eine Agentur für Vollblutpferde mit Sitz in Mettmann, die international agierte.

Rüdiger Alles hat das Talent und die bedingungslose Bereitschaft, ein Hobby zu seinem Beruf zu machen, schon als Junge von seinem Vater geerbt, der nach dem Krieg in die Dienste des Düsseldorfer Reiter- und Rennvereins in Grafenberg trat und später zum ersten Galopprennsportjournalisten der „Welt“ avancierte.

Die Geschichte des Englischen Vollbluts reicht zurück in das späte 17. beziehungsweise das frühe 18. Jahrhundert, als damals schon extrem reiche arabische Scheichs dem englischen Königshaus eine beträchtliche Anzahl von Araberhengsten überließen – so als Gastgeschenk –, die dann in England zur Zucht eingesetzt wurden. Nur solche Pferde dürfen Vollblut genannt werden, die die direkte Nachkommenschaft zu diesen Araberhengsten nachweisen können – und darüber wird peinlich genau Buch geführt.

Das Leben des jungen Rüdiger spielte sich auf den Rennbahnen ab und so nahm es nicht Wunder, dass er nach Beendigung einer kaufmännischen Ausbildung zunächst bei seinem Vater weiter lernte, um sich später mit einer Agentur selbständig zu machen.

Auch das Leben der jungen Familie Alles war von den Rennbahnen nicht zu trennen – der Vater ständig im Einsatz, telefonisch Tag und Nacht erreichbar, denn in Australien oder Amerika war Arbeitszeit, wenn in Mettmann gerade die Lichter ausgingen. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Die Agentur bestimmt das Leben der Eheleute. Jutta Alles hat ihren Mann schon mit 16 Jahren kennengelernt und ist mit dieser anstrengenden, aber auch glamourösen Passion ihres Mannes groß geworden.

Ehefrau war Gastgeberin mit natürlichem Charme und Schliff

Internationaler Hochadel und Finanzgrößen hauchten der damals jungen Frau schon so etwas wie Ehrfurcht ein, aber sie zeigte sich stets mit natürlichem Charme und Schliff als gute Gastgeberin bei den großen Rennen in Baden-Baden, Hamburg oder wo auch sonst in der Welt, wenn ihr Mann für die illustren Gäste die richtigen Pferde bei den Auktionen aussuchte und ersteigerte.

In der Regel kauft Rüdiger Alles nur Einjährige. Die Tiere müssen sich hoch arbeiten, die unterschiedlichsten Qualifikationen bestehen, um im Alter von drei bis vier Jahren bei den ganz großen Rennen der Gruppe I dabei sein zu können. Die Liste der Pferde, die Rüdiger Alles gekauft hat, und deren Stammbaum sind auch für Laien beeindruckend. So kaufte der Fachmann im Auftrag eines Adeligen in Baden Baden für „nur“ 130 000 Euro den Hengst Manduro, der später zum besten Rennpferd der Welt gekürt wurde und mehr als 1,5 Millionen Euro gewonnen hat.

Ein bisschen wehmütig betrachten Jutta und Rüdiger Alles den Niedergang des Rennsports in Deutschland, der in früheren Jahren einen Wettumsatz von 120 Millionen verzeichnen konnte. Heute sitzen die Buchmacher am Computer, die interessierte Bevölkerung geht am Sonntag nicht mehr auf die Rennbahn, um zu wetten, dadurch sinken die Geldpreise, die die Pferde gewinnen können. Auf der anderen Seite liegen allein die Trainingskosten für ein Rennpferd bei circa 2000 Euro im Monat und die müssen in einen Einjährigen erst einmal investiert werden.

Die Tiere müssen den
Biss haben zu kämpfen

In diesem Geschäft dominiert das große Geld. „Da haben einfache Millionäre keine Chance“, sagt Jutta Alles lachend. Und doch sind die Tiere für ihren Mann keine Ware, nein, es sind Lebewesen, die auch den Ansprüchen an sich selbst genügen müssen. Sie müssen neben körperlicher Klasse Charakter und den Biss haben zu kämpfen – das kann nur der Experte richtig einschätzen. Deswegen ist er international mit allen Agenturen vernetzt, arbeitet mit technischen Hilfsmitteln, liest und informiert sich pausenlos. Es ist wie an der Börse, im Minutentakt kann sich vieles ändern. Das ist ein Job, der kein Job ist, denn dazu gehört eine Berufung. Einsatz rund um die Uhr, nicht der Ruf nach Freizeit und Vergnügen, aber so sein Slogan: „Erfolg ist alles“.