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Mettmannerin Leonie Menzel ist Europameisterin

Rudern : Leonie Menzel ist Ruder-Europameisterin

Die Mettmannerin gewann im Doppelzweier mit Carlotta Nwajide die Goldmedaille.

Einen Tag nach ihrem großen Triumph ist Leonie Menzel immer noch ganz aufgewühlt. „Es war mein erster Wettkampf überhaupt in der A-Mannschaft“, sagt sie überglücklich nach dem Gewinn der Goldmedaille bei der Europameisterschaft im schweizerischen Luzern. Erstmals startete die Mettmannerin im Doppelzweier im Seniorenbereich und war ganz überwältigt von ihren Gefühlen. „Ich habe das noch nicht wirklich realisiert“, gesteht sie auf Nachfrage. Denn der Aufstieg in der Nationalmannschaft hatte ­Torpedo-Züge.

Erst vor vier Wochen stieg sie mit ihrer neuen Partnerin Carlotta Nwajide ins Boot. Doch das Duo harmonierte von den ersten Ruderschlägen an. Gleich ihr erster Start bei der Internationalen Regatta in Duisburg war erfolgreich. Nach nur einer Trainingseinheit in Berlin und einem Probelauf auf der Duisburger Regattastrecke ließen die beiden Ruderinnen die Konkurrenz aus Österreich und Grobritannien bereits im Vorlauf hinter sich. Im Finale bezwangen sie unter anderem die drei Vizeweltmeisterinnen Frieda Hämmerling, Franziska Kampmann und Marie Cathérine Arnold. Eine beeindruckende Vorstellung, mit der sich Menzel auch ein Sonderlob von DRV-Cheftrainer Ralf Holtmeyer verdiente.

Der Lohn folgte mit der Berufung in den Nationalkader für die EM in Luzern. An zwei verlängerten Wochenenden trainierte das Duo noch einmal für den Titelkampf. Mit Erfolg: Menzel, die erst vor zwei Wochen das 20. Lebensjahr vollendete, behauptete sich gemeinsam mit der vier Jahre älteren Nwadije im Wettkampf mit 16 Doppelzweiern. Schon im Vorlauf unterstrich das Duo seine Ambitionen, führte das Feld bereits nach den ersten 500 Metern an und brachte am Ende mit einer Zeit von 7:07,750 Minuten eine halbe Bootslänge Vorsprung ungefährdet ins Ziel.

Auch im Halbfinale lief es bei traumhaften Wetterbedingungen rund. Erneut übernahmen die beiden Deutschen vom Start weg das Kommando und verwiesen die Gegnerinnen bis ins Ziel auf die Plätze. Am Ende fuhren sie nach 6:54.520 Minuten über die Linie und verbesserten damit ihre Zeit aus dem Vorlauf deutlich. Allerdings waren die ersten drei Boote des anderen Halbfinales schneller, doch das Selbstbewusstsein der Deutschen stieg mit jedem Lauf.

Eine Erklärung für den guten Auftritt hat Menzel nicht parat. „Das hat einfach gut geklappt mit meiner Partnerin. Wir haben von Beginn an gut harmonisiert“, erklärt die Biologiestudentin und ergänzt mit Blick auf das krönende Finale: „Wir mussten das nur umsetzen und haben es hinbekommen.“ Wie schon in den beiden anderen Rennen setzten sich die beiden Deutschen nach einem schnellen Start direkt mit einer halben Bootslänge Vorsprung von der Konkurrenz ab. Nach 500 Metern betrug das Polster fast eineinhalb Sekunden. Bei der 1000-Meter-Marke wuchs der Vorsprung auf die rumänischen Verfolger bereits auf eine Bootslänge an. Die Zweitplatzierten steigerten das Tempo, schafften es aber nicht Menzel und Nwajide zu verunsichern. Letztlich ruderten die beiden den Sieg ungefährdet ins Ziel und verbesserten ihre Zeit auf 6:49.230 Minuten.

Total erschöpft kommentierte Menzel gleich danach ihren Traumeinstand in der A-Nationalmannschaft: „Mir fehlen einfach die Worte.“ Die erfahrene Nwajide war da schon zu einer abgeklärten Analyse fähig. „Wir sind mit einer für unsere Verhältnisse extrem hohen Schlagzahl durchgefahren. Die Bedingungen waren einfach super. Wir haben hier als Frauen-Skull-Team ein gutes Zeichen gesetzt“, erklärte die Hannoveranerin. Doch auch die 23-Jährige betrat mit dem überraschenden Erfolg Neuland, konnte erstmals die deutsche Nationalhymne genießen.

An die nächsten Aufgaben verschwendet Leonie Menzel noch keinen Gedanken. „Worldcup und Weltmeisterschaft stehen an, aber es steht noch nicht fest, ob ich überhaupt im Zweier antrete oder woanders“, sagt sie. Ganz klar: Das EM-Gold schwingt noch nach und will erst einmal mental verarbeitet werden. Und Menzel hat sich angewöhnt, nur von Wettkampf zu Wettkampf zu denken. Einen Moment später stellt sie gleichwohl fest: „Ich habe mich in eine gute Position gebracht, aber die Entscheidung liegt beim Trainer.“ Ob es noch einen Empfang für die Europameisterin gibt? „Das weiß ich nicht“, antwortet Menzel auf die irdische Frage – 24 Stunden nach dem Triumph auf dem Luzerner Rotsee schwebt die 20-Jährige zweifellos immer noch auf Wolke ­sieben.