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Mettmann-Sport und Unitas Haan spielen auf Augenhöhe

Handball : Oberliga-Derby kennt im Vorfeld keinen Favoriten

ANALYSE Für die Handballer und die Zuschauer ist das Duell zwischen Mettmann-Sport und DJK Unitas Haan gleichermaßen aufregend. Die Teams begegnen sich meist auf Augenhöhe.

In der vergangenen Saison erwischten die Unitas-Handballer in der Halle an der Adlerstraße einen Sahnetag und fertigten den Lokalrivalen mit 34:22 ab – ME-Sport-Trainer Jürgen Tiedermann verließ seinerzeit wortlos das Parkett. Im Rückspiel trennten sich die Kontrahenten mit einem 27:27-Unentschieden. Ganz anders verlief in dieser Saison die Hinrundenpartie. Die Haaner, die kurzfristig ohne Chefcoach Kai Müller antreten mussten, fanden überhaupt nicht in die Begegnung und zogen am Ende mit 21:27 den Kürzeren – die Freude lag da ganz auf Mettmanner Seite. Am Samstag kommt es nun zum Rückrundenduell. Anpfiff ist um 17.30 Uhr in der Halle Herrenhaus. Was Handball-Fans wissen sollten:

Wie groß ist die Rivalität zwischen den beiden Mannschaften?

Beide Trainer sind sich einig, dass das Lokalduell längst nicht mehr die Brisanz früherer Jahre hat. „Im sportlichen Bereich gibt es sie, aber es ist eine gesunde Rivalität auf dem Platz, man kennt sich und man achtet sich“, sagt Jürgen Tiedermann. Auch Kai Müller spricht von einer „gesunden Rivalität“, betont jedoch zugleich: „Aber nicht übermäßig, nicht mehr als bei anderen Teams.“ Vielmehr hat sich seit einigen Jahren eher ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt – das liegt vielleicht auch daran, dass immer wieder Spieler zwischen den beiden Klubs wechseln.

 Jürgen Tiedermann (r.) und Andre Loschinski beraten sich.
Jürgen Tiedermann (r.) und Andre Loschinski beraten sich. Foto: Blazy, Achim (abz)

Wird es ein Derby auf Augenhöhe oder eine klare Angelegenheit?

Kai Müller rechnet mit einem Duell auf Augenhöhe. „Da begegnen sich zwei Mannschaften, die alles dafür tun werden zu gewinnen“, sagt der Unitas-Coach und schiebt hinterher: „Das sind immer besondere Spiele und die deutlichen Hinspiele in dieser und der letzten Saison sind nicht die Regel.“ Für Müller ist klar: „In Mettmann waren die Spiele immer knapp.“ Der Erfolg hängt also auch von Tagesform und Spielglück ab.

 Kai Müller gibt bei der Unitas die Taktik vor.
Kai Müller gibt bei der Unitas die Taktik vor. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Jürgen Tiedermann hält sich lieber bedeckt. „Momentan sind wir nicht hundertprozentig konkurrenzfähig. Über die Saison hatten wir zu viele Ausfälle. Momentan haben wir nur acht Feldspieler – die Unitas ist da besser aufgestellt.“ Als Tiefstapelei will Tiedermann das nicht verstanden wissen, zumal sein Team in den letzten vier Begegnungen vor der Weihnachtspause vier Niederlagen kassierte. Und den beiden Auftaktsiegen im neuen Jahr folgte zuletzt die 28:34-Abfuhr in Oppum. „Die vielen Verletzten waren ein Hauptgrund – das macht auch das Training nicht einfacher“, führt der ME-Sport-Coach aus. Mit drei Niederlagen und vier Siegen sieht die Bilanz der Unitas in den letzten sieben Partien zweifellos besser aus.

Wie wichtig ist ein Punktgewinn oder gar ein Sieg im Derby?

„Für jeden Sportler sind Siege wichtig – für uns auch. Und ein Derby, das möchte man erst recht gewinnen“, erklärt Kai Müller und ergänzt: „Natürlich wäre es toll, Schwung aufzunehmen vor unseren beiden schweren Spielen gegen den LTV Wuppertal und beim HC Wölfe Nordrhein. Aber auch wenn das Derby nicht positiv verläuft, werden wir in den nächsten Partien die notwendige Stabilität auf den Platz bekommen.“

An Ehrgeiz mangelt es auch Jürgen Tiedermann nicht. „Es ist immer schön, gegen den Lokalrivalen zu gewinnen, weil man sich gut kennt und sich foppt“, sagt er und nennt als Beispiel die Rivalität der beiden Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund und Schalke 04. Wichtig für Tiedermann: „Nach dem Abpfiff ist wieder alles in Ordnung.“

Welche Stärken hat die eigene Mannschaft, welche der Gegner?

Von Stärke mag Jürgen Tiedermann in diesen Tagen nicht reden. „Zurzeit ist sie nicht so vorhanden wie noch vor einem halben Jahr“, sagt der ME-Sport-Coach und erinnert sich dabei auch an das erste Duell der beiden Lokalrivalen zurück. „Wir haben eine recht junge Truppe, konnten deshalb offensiv gegen die Unitas decken, das geht aber nur mit vollem Kader, da es kraftraubend ist“, führt er aus und stellt fest: „Diese Stärke haben wir jetzt nicht mehr, können nur von Spiel zu Spiel schauen.“ An der Haaner Mannschaft lobt er die Kompaktheit: „Die haben viele erfahrene Spieler, die viele richtige Entscheidungen im richtigen Moment treffen. Im Hinspiel hatten wir einen guten Tag und die Haaner hatten nicht die Antworten, dazu war Kai nicht da – das macht auch etwas aus.“

Kai Müller sieht viele Parallelen. „Ein Stück weit ähneln sich beide Mannschaften: Über eine starke Abwehr wollen sie Bälle erobern und Tempo entwickeln. Wenn das gelingt, gibt es immer einer positiven Spielverlauf, weil beide diese Angriffe benötigen“, analysiert der Unitas-Coach.“ Gleichwohl sieht er Vorteile bei den Mettmanner Handballern: „Sie haben durch junge Spieler frisches Blut bekommen und entwickeln mehr Tempo als vorher. Mit Blick auf die offensive Spielweise ergänzt er: „Beide Mannschaften haben keine andere Chance. Es ist nicht unsere Mentalität, mit angezogener Handbremse die Aufgabe zu lösen und die Mettmanner können das auch nicht.“ Dazu sieht Müller aber auch individuelle Stärke im ME-Sport-Team. „Wenn Tim Wittenberg fit ist, spielt er individuell über dem Niveau und Stephan Verholen ist am Kreis einer der besten in der Liga.“

Welche Führungskräfte
haben die Mannschaften?

Im Team der Haaner Unitas nehmen die Torhüter Tobias Joest und Christopher Seher eine herausragende Stellung ein. „Als Gespann funktionieren sie super“, lobt Kai Müller. In der Deckung ist Pascal Schusdzarra der Taktgeber, während im Angriff Raphael Korbmacher aufgrund seiner Spielanlage wesentliche Akzente setzt. „Vor allem aber durch seinen Abschluss, den er sukzessive entwickelt hat“, findet Müller. In der Aufzählung fehlen darf auch nicht Marcel Billen. „Das ist immer noch einer der besten Rechtsaußen“, hat der Unitas-Trainer eine klare Meinung – und konstatiert abschließend mit Nachdruck: „Ich bin von jedem meiner Spieler 100-prozentig überzeugt.“

Nach dem Abgang von Andre Loschinski und Karsten Mühlenhaupt fehlen im Mettmanner Team hingegen Häuptlinge, zumal Tim Wittenberg seit Wochen angeschlagen ist. „Durch die Ausfälle haben sich die Leute noch nicht so herauskristallisieren können“, erklärt Tiedermann.

Welches Ziel wollen
die Lokalrivalen in der
Rückrunde erreichen?

„Wir wollen vor allem unsere Leistung stabilisieren, mehr Punkte einfahren als in der Hinrunde und in der Tabelle klettern“, stellt Kai Müller fest. Ähnlich sieht es Jürgen Tiedermann und formuliert es so: „Wir wollen so viel wie möglich gewinnen, die Teams, die vor uns stehen, ärgern und schnell die Verletzten wieder ins Spiel ­bekommen.“