1. NRW
  2. Kreis Mettmann
  3. Sport

Insolvenz der Rhein Vikings: Auch die SG Ratingen könnte profitieren

Handball : SG Ratingen sucht neue Nummer eins

Torhüter Nils Thorben Schmidt wird den Handball-Regionalligisten nach der Saison verlassen. Er wechselt nach Opladen. Bei der SG Langenfeld arbeitet sich Christian Pagel langsam zurück in die Mannschaft.

Die SG Ratingen ist auf der Suche nach einer neuen Nummer eins für die kommende Saison: Nils Thorben Schmidt wechselt vom aktuellen Tabellensechsten der Handball-Regionalliga zum derzeitigen Spitzenreiter TuS Opladen. Für Arne Fuchs, der den Verein im Sommer verlassen wird, geht der Torhüter mit Drittliga-Erfahrung nach nur einem Jahr in Ratingen nach Leverkusen. Der 25-Jährige wird gemeinsam mit Eric Prützel das TuS-Torhüter-Gespann in der kommenden Saison bilden. Der neue sportliche Einsatzort ist ein gutes Stück näher an Schmidts Wohnort Köln, was es dem Studenten an der Universität Köln erleichtert, sich mehr auf sein Referendariat zu konzentrieren.

Überhaupt dreht sich das Spielerkarussell gerade gewaltig. Vor einer Woche verlängerten bei der SG Ratingen Rechtsaußen Etienne Mensger, Linksaußen Maik Ditzhaus und Rückraumspieler Sam Schäfer um ein Jahr bis 2021. Ab April kommt dann Nedim Hadzic für den rechten Rückraum hinzu. Der Linkshänder erholt sich derzeit bei seinen Eltern in Süddeutschland von einer Fuß-OP und wird nach seiner Genesung und den absolvierten Fachabiturprüfungen nach Ratingen kommen.

Mit der bosnischen Jugendnationalmannschaft soll er im Juni an der Europameisterschaft teilnehmen – dann schon offiziell als Ratinger. Hazdic freut sich besonders auf seinen neuen Trainer. „Ace Jonovski kenne ich schon aus Kindertagen – allerdings nur aus dem Fernsehen. Ich freue mich sehr darauf für ihn zu spielen, und bin mir sicher, dass ich sehr viel von ihm lernen werde,“ sagt Hadzic.

Vielleicht gibt es aber schon früher Verstärkung für die SG, denn neuen Schwung erhält das Spielerkarussell in der Region nun durch die Insolvenz der Unternehmergesellschaft der Rhein Vikings, die den Drittligisten bislang finanzierte. Da der Fusionsklub aus Düsseldorf und Neuss angekündigt hat, kein Spiel mehr zu bestreiten, könnten die vorhandenen Vertragsamateure direkt für andere Klubs spielen. Vor rund einem Jahr erhielt die SG auf diese Weise für den Rückraum Thomas Bahn und Alexander Oelze, als die Vikings in der Zweiten Liga insolvent gingen.

Bastian Schlierkamp hätte sicher nichts dagegen, wenn es so bald Verstärkung geben würde, der Geschäftsführer der SG betont aber an erster Stelle: „Das jetzt wieder ein Verein, der in den Handball investiert, aufhört, finde ich persönlich sehr schade.“ Dass die Insolvenz potenzielle Vertragsgespräche erleichtert, weiß Schlierkamp natürlich auch, er hält aber dagegen: „Unabhängig von den Vikings haben wir ja den Anspruch und das Ziel, die Nummer eins in Düsseldorf und Umgebung zu werden. Dafür stellen wir die Rahmenbedingungen sicher und professionalisieren uns, auch in Verbindung mit dem HC Düsseldorf in der Jugend. Da haben wir gute Spiel- und Trainingsstätten mit der Gothaer Straße und dem Rather Waldstadion, die auch nicht weit auseinander liegen. Wir bauen hier schon ein bisschen was auf, das auf lange Sicht erfolgsversprechend ist – unabhängig von den Vikings. Wir gucken da auf uns.“

Und da steht am Samstag (18 Uhr) das Regionalliga-Heimspiel gegen den TV Aldekerk an. Nachdem die Ratinger beim Tabellenzweiten TV Korschenbroich den Jahresauftakt mit der 26:34-Niederlage in den Sand gesetzt haben, sind sie nun als Tabellensechster punktgleich mit dem Siebten Aldekerk. ame

SGL-Regisseur Pagel blickt auf einen langen Leidensweg zurück

Als Christian Pagel im Februar des vergangenen Jahres offiziell als Sommer-Zugang der SG Langenfeld (SGL) bekanntgegeben wurde, war für den Mittelmann noch lange nicht an Handball zu denken. Erst zwei Monate zuvor hatte der Rechtshänder einen Kreuzbandriss erlitten – und sein langer Leidensweg damit erst begonnen. Doch die SGL hielt das nicht davon ab, auf den talentierten Regisseur zu setzen. Mit Erfolg: Seit der Adventszeit steht Pagel regelmäßig im Kader des Nordrheinligisten.

„Ich brauche immer einen Ball in meiner Hand, es war eine sehr schwierige Zeit“, sagt der heute 23-Jährige. Im Dezember im Ligaspiel bei der HG Remscheid kam er kurz von der Bank, im HVN-Pokalfinale gegen den TV Angermund erhielt er eine komplette Halbzeit Spielpraxis. Seine ersten Minuten im Trikot der Grün-Weißen. „Das lief soweit ganz gut“, sagte Pagel damals, der nach und nach Fortschritte macht. Heute klappt das „Springen immer besser“, sagt er „ich traue mir nach und nach mehr zu.“

Pagel ist zurück auf dem Feld – und soll mittelfristig eine weitere Verstärkung auf der prinzipiell gut besetzten Mittelposition der SGL sein. Momentan ist er für Trainer Markus Becker vor allem eine Ergänzung: „Er ist bei Weitem noch nicht so weit, dass wir ihn eine halbe Stunde in einem Ligaspiel fordern könnten.“ Wenn die etatmäßigen Mittelmänner Andre Moser oder Andre Boelken aber schwächere Tage erwischen, soll Pagel bereitstehen. „Wir brauchen über die Saison die Breite. Ende Februar, Anfang März würde ich mir wünschen, dass er wieder voll reinkommt“, sagt Becker.

Pagel hatte sich seine Knieverletzung bei seinem ehemaligen Klub LTV Wuppertal im Spiel gegen Angermund zugezogen. Nicht nur das vordere Kreuzband des rechten Knies war betroffen, sondern auch der Außenmeniskus und das Innenband waren gerissen. Im Ringen um Einsatzzeiten bei seiner Rückkehr kam und kommt hinzu, dass der Bundespolizist beruflich bedingt häufig kurzfristig in den Dienst rückt – und so Trainingseinheiten und Spiele verpasst. Das führt dazu, dass er zuletzt in der Regel auf der Bank saß.

Am Samstag (18 Uhr, Konrad-Adenauer-Gymnasium) im ersten Heimspiel des Jahres gegen den TV Korschenbroich rechnet Pagel aber fest damit, dabei zu sein. Die SGL will im Duell mit dem Tabellenzweiten den zweiten Sieg in Folge einfahren, um ihr Potenzial endlich in Punkte umzumünzen. „Wir müssen es nur abrufen“, sagt Pagel. Er selbst kann dabei immer besser helfen. mol