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Hildener Rennfahrer Julian Hanses mischt in der Euroformula Open vorne mit

Motorsport : Hanses will sich als Rennfahrer weiterentwickeln

Interview Der Nachwuchspilot startet in der Euroformula Open und reiht sich bereits unter den zehn besten Fahrern ein. Am Wochenende steigt das Rennen in Spa-Francorchamps.

In den vergangenen beiden Jahren sammelte Julian Hanses Rennsport-Erfahrung in der ADAC Formel 4 und in der Formel 3. In dieser Saison startet der Hildener in der Euroformula Open. Nach drei Rennen nimmt er Rang fünf unter 21 Startern ein. An diesem Wochenende fährt der 21-Jährige auf dem Kurs im belgischen Spa-Francorchamps.

Zunächst ein kurzer Rückblick auf das vergangene Jahr, da lief es in der Formel 3 ja nicht so gut. War das eine verkorkste Saison?

Julian Hanses: Es war eine Saison, die mein Potential nicht reflektierte. Da gab es zahlreiche Downs und die Ups waren an einer Hand abzuzählen. Als einziger Fahrer ist es problematisch, Daten zu sammeln, so dass Referenzen fehlten. Die vergangene Saison hatte schon Schattenseiten, sowohl in mentaler als auch in finanzieller Hinsicht. Trotz harter Arbeit konnte mein Team nicht an die Erfolge anderer anknüpfen. Ich habe es etwas unterschätzt, wie groß die Unterschiede zwischen den Teams sind. Aber ich habe in meiner langjährigen Rennsportkarriere gelernt, nach Niederlagen stärker als zuvor weiter zu kämpfen. Im neuen Team Motopark fühle ich mich sehr wohl, habe ein Top-Auto, mit dem ich um Podiumsplätze mitfahren kann. Das Team arbeitet unglaublich professionell und gibt mir Feedback, wie ich mich fahrerisch weiterentwickeln kann.

Es hat lange gedauert, bis Sie ein neues Cockpit gefunden hatten.

Hanses: Bis Anfang des Jahres war ich noch nicht sicher, ob ich in der Euroformula Open starten würde. Motorsport ist sehr kostenintensiv und die Suche nach Sponsoren extrem schwierig.

Letztlich haben Sie recht kurzfristig den Sprung ins Team Motopark geschafft, dadurch wohl auch einen Teil der Vorbereitung verpasst, oder?

Hanses: In die Vorbereitung sind wir Anfang des Jahres eingestiegen. Das war sehr kurzfristig. Es war eng, hat aber doch noch geklappt. Es gab ein starkes Entgegenkommen des Team Motopark – wir wollten schon in der Formel 4 zusammenarbeiten, da dem Inhaber Timo Rumpfkeil meine Arbeitsweise imponiert hat und ich mit dem Team sehr gut klar komme.

2018 sind Sie zuletzt nach einem Wechsel mitten in der Saison für einen britischen Rennstall gefahren. Ist es hilfreich, dass Sie mit Motopark jetzt wieder ein deutsches Team haben?

Hanses: Die Reisen zur Firma für die Vorbereitungen fallen weg, da ich nicht mehr nach England fliegen brauche – das kommt mir halt entgegen.

 Julian Hanses führte das Teilnehmerfeld auf dem Stadtkurs von Pau an, schied aber kurz vor dem Ende des Rennens wegen einer unverschuldeten Kollision aus.
Julian Hanses führte das Teilnehmerfeld auf dem Stadtkurs von Pau an, schied aber kurz vor dem Ende des Rennens wegen einer unverschuldeten Kollision aus. Foto: Fast-Media

In dieser Saison läuft es für Sie bislang rund. Sie haben bereits einen zweiten und einen dritten Platz geholt, außerdem nur wegen einer unverschuldeten Kollision kurz vor dem Ziel den ersten Sieg verpasst. Sind Sie in der Euroformula Open angekommen?

Hanses: Auf jeden Fall. Ich bin nach der letzten Saison sehr selbstkritisch an die Aufgaben herangegangen. Das Team Motopark hat mich mental aufgebaut. Sie haben gesagt: Wir wissen, was in Dir steckt, wir können anhand der Daten sehen, was Du kannst, wenn wir die Parameter optimal nutzen. Sie haben mir Tipps gegeben und Vertrauen geschenkt – das war gut für mein Selbstbewusstsein.

Spielt der Kopf eine wesentliche Rolle im Rennsport? Muss man selbstbewusst sein, um auch über ein gewisses Risiko zum Erfolg zu kommen?

Hanses: Gleich das erste Wochenende in der Euroformula bin ich zwei Mal in die Top Zehn gefahren, dadurch habe ich mich weiterentwickelt. Man darf sich selbst nicht schlecht reden, sondern muss selbstbewusst sein, das gilt aber für jeden Sportler. Wenn Du an Dich selbst glaubst, dann schaffst Du es auch. Risiko ist gar nicht notwendig.

Welche Ziele setzen Sie sich nach dem guten Auftakt?

Hanses: Eine konkrete Platzierung will ich mir gar nicht vornehmen. Die Tests im Winter haben gezeigt, dass ich den Speed habe, und ab einem gewissen Punkt war klar, dass ich das Potential habe, um vorne mitfahren zu können. Ich will mich als Fahrer weiterentwickeln. Mein Ingenieur ist guter Dinge, dass ich auf einem richtig guten Weg bin. Jedes Team hat eine andere Philosophie, wie das Auto abgestimmt sein muss, danach muss sich der Fahrer richten. Es gibt ein Grund-Setup, dann geht es darum, wie sich ein Fahrer damit fühlt. Ich kann auch meine Präferenzen nennen, wie sich das Auto zum Beispiel in den Kurven verhalten soll.

Das nächste Rennen steigt in Spa-Francorchamps. Ihre Erinnerung daran dürfte nicht die beste sein, weil danach die Kooperation mit Ihrem ersten Rennstall ­endete.

Hanses: Letztlich sind es die harten Tage, die einen stark machen. Ich werde mich wieder intensiv auf das Rennen vorbereiten, damit ich eine noch bessere Leistung abliefern und vorne dabei sein kann. Das Team macht einen Top-Job, stellt ein nahezu perfektes Auto hin. Wenn ich die Hausaufgaben, die der Ingenieur vorgibt, umsetze, dann ist eine vordere Platzierung drin. Auf jeden Fall habe ich auf dem Hockenheimring noch einmal eine Menge Selbstbewusstsein getankt.

Was begeistert Sie am ­Motorsport?

Hanses: Es ist der Reiz, mich weiterzuentwickeln. Generell macht es mir Spaß, in einem Auto zu sitzen. Dann ist für mich die ganz normale Welt geschlossen – ich kann einfach ich selbst sein. Der Rennsport ist etwas, mit dem ich mich identifiziere und in dem ich voll aufgehe. Das ist meine Leidenschaft: Schnelle Autos, schnell durch die Kurven fahren und letztlich der Kampf Mann gegen Mann auf der Strecke.