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Haaner Turnerbund hat in der Oberliga einen schweren Stand

Turnen : HTB kämpft mit hohen Ansprüchen

Das Team der Kunstturnerinnen des Haaner TB bestreitet die erste Saison in der Oberliga. Nach zwei Turniertagen stehen sie am Tabellenende.

. Trotz herzlicher Umarmungen und heiterer Gespräche ist den Mädchen und jungen Frauen aller acht Teams der Oberliga die Anspannung kurz vor ihrer Kür an den Geräten deutlich anzumerken: Die Halle an der Adlerstraße ist erfreulich gut gefüllt. Für den Haaner Turnerbund (HTB) ist es bereits der vierte Liga-Wettkampf als Ausrichter. Für die Mannschaft ist es etwas Besonderes, auf den Rängen viele bekannte Menschen zu erblicken. Das bedeutet zwar extra Motivation, aber auch einen höheren Druck, wollen sie doch ihr Heimpublikum nicht enttäuschen.

In der Halle selbst ruht ein großer Parcours mit vier Stationen: Boden, Sprungtisch, Stufenbarren und Schwebebalken. Das ist auch die Reihenfolge, in der die Haaner ihr Turnier bestreiten werden. Wertungsrichter – hauptsächlich Frauen – sitzen an langen Tischen vor den Geräten, und auch wenn die Damen hinter den Wertungskarten freundlich gucken, die Aufregung können sie den Turnerinnen nicht nehmen.

Die Teilnehmerinnen marschieren zusammen in die Sporthalle ein

Die Turnierleitung eröffnet den Wettkampf, alle präsentieren sich beim gemeinsamen Einmarsch. Und dann atmen sie alle noch einmal tief durch, fokussieren ihren Blick, scheinen im Kopf alle Bewegungen durchzugehen, die sie seit Wochen und Monaten akribisch trainiert haben. Jeweils in Vierer-Teams treten die Mannschaften an die Geräte. Auf dem Boden legen die Haaner eine solide Leistung hin. Diese Disziplin gehört zu den Steckenpferden des Teams: Marlene Bergheim, Joelina Gorny sowie Jessica und Kristin Rötzel liefern ab und sammeln wichtige Wertungspunkte. Auf den Rängen sitzen Eltern und Großeltern, viele von ihnen selbst ehemalige Turner, fiebern mit und kommentieren fachmännisch die Leistungen.

Nach einer kurzen Pause geht es für die Haaner weiter zum Sprungtisch, in derselben Zeit wechseln sich die anderen Teams an den Stationen ab. In der Halle herrscht eine ruhige, konzentrierte Stimmung. Das Haaner Publikum lugt nach links und rechts zu den anderen Mannschaften. Doch die Mädchen der Gartentadt sind ganz bei sich und feuern sich gegenseitig an: Nach mehreren Metern Anlauf und einem kräftigen Tritt auf das Sprungbrett gilt es, sich mit den Händen kopfüber vom Tisch abzustoßen, um dann – nach einem gekonnten Salto in der Luft – mit beiden Füßen punktgenau auf der Matte zu landen. Schon ein kleinerer Austritt bedeutet Punktabzug.

Eine Turnerin gerät bei der Landung ins Straucheln

Dass die Mädchen dieses Gerät beherrschen, zeigen sie eindrucksvoll in der Aufwärmphase. Doch können sie diese Leistung auch vor den Wertungsrichtern abrufen? Mit Schwung und Anlauf geht es los, und die Rötzel-Schwestern geben eine ordentliche Figur ab, nur Joelina Gorny gerät bei der Landung ins Straucheln und fällt leicht von der Matte. Auch der zweite Versuch sitzt nicht hundertprozentig. Für die 15-jährige Perfektionistin ein Ärgernis, das sie sich zunächst nicht anmerken lässt, aber es beschäftigt sie. Nachdenklich nimmt sie auf der Bank Platz. „Ich bin einfach hingefallen, weil ich zu viel Schwung mitgenommen habe“, analysiert Gorny nüchtern. Die nächste Disziplin am Stufenbarren setzt sie aus. Das liege anderen im Team deutlich besser, sagt sie.

Am Schwebebalken setzen die Mädchen schließlich auf Risiko und präsentieren ganz neue Figuren: Menicelli, Auerbach. Das meiste klappt, doch die Beine zittern, die Kräfte schwinden nach einem langen Turniertag, sodass bei vermeintlich einfacheren Übungen die Mädchen vom Balken stürzen und neu ansetzen müssen. Die Fan-Gemeinde zittert mit und feuert an.

Am Ende können sich die Haanerinnen, im Vergleich zum vorigen Turnier, um drei Punkte verbessern. Doch das reicht nur für den vorletzten, siebten Platz an diesem Tag. Trainer Werner Rötzel ist dennoch zufrieden: „Am Boden und beim Sprung waren wir sehr gut, beim Barren und Balken gibt es noch Luft nach oben, aber das wissen wir.“ Als Aufsteiger gleich die gewohnten Topergebnisse zu erzielen, fiele schwer, „aber die Mädchen passen gut hier hin“, ist der Trainer überzeugt. Für Ende September, zum letzten Turniertag, will er sein Team bestmöglich vorbereiten.