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Sonntagseinkauf – Rettung für den Handel?

Kreis Mettmann : Wenig Begeisterung über offene Sonntage

Das Land NRW will die Kaufleute unterstützen, indem bis Ende des Jahres bis zu vier verkaufsoffene Sonntage erlaubt sein sollen. Doch der Handel reagiert verhalten, denn mit den Großveranstaltungen fehlen die Publikumsmagnete.

Um dem durch die Corona-Krise notleidenden Einzelhandel unter die Arme zu greifen, regt NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) an, in diesem Jahr noch bis zu vier verkaufsoffene Sonntage zuzulassen. Dem Einzelhandel solle so die Chance geboten werden, die pandemie-bedingten Umsatzausfälle „zumindest zum Teil auszugleichen“, sagt er.

In der Corona-Krise konnte es keine verkaufsoffenen Sonntage geben, hatte doch die Landesregierung Städte und Kreise dazu aufgefordert, Großveranstaltungen abzusagen. Laut Ladenöffnungsgesetz brauchte es bisher immer einen Anlass wie ein Stadtfest oder einen Markt, um am Sonntag die Geschäfte zu öffnen. Diese Anlässe aber zeichnen sich auch in Mettmann bis zum Ende des Jahres nicht mehr ab oder stehen unter unsicheren Vorzeichen – so zum Beispiel der Blotschenmarkt.

Der verkaufsoffene Sonntag ist während des Weihnachtsmarktes erfolgreich gelaufen, „es wurden danach Gespräche über eine Wiederholung geführt“, sagt Mettmanns Wirtschaftsförderer Stephan Reichstein. Doch „angesichts der Herausforderungen in der Pandemie-Krise und den vielen Unsicherheiten sei bislang kein Wunsch nach einem verkaufsoffenen Sonntag an die Stadt herangetragen worden, sagt er. Und „angesichts der Ungewissheit über den Blotschenmarkt 2020 und die Fragen zu der Durchführbarkeit von anderen Veranstaltungen ist die Planungssicherheit für verkaufsoffene Sonntage in Mettmann als schwierig einzuschätzen.“

Erschwerend komme hinzu, dass die Gewerkschaft Verdi bereits Widerstand gegen weitere verkaufsoffene Sonntage eingelegt hat. Schon in der Vergangenheit hatte es immer wieder Klagen gegeben, da Verdi verkaufsoffene Sonntage nur dann akzeptierte, wenn der Anlass eine so große Zugkraft hat, dass auch ohne einen verkaufsoffenen Sonntag zu diesem Anlass eine große Anzahl an Besuchern kommt.

Der Nachweis dafür gelang den Kommunen nicht immer. Der Verlust wiegt in Mettmann ohnehin nicht besonders schwer, denn in der Kreisstadt wurde die Gelegenheit zu vier verkaufsoffenen Sonntagen noch nie ausgeschöpft, sagt der Wirtschaftsförderer.

Auch in der ohnehin nicht allzu einkaufsstarken Nachbarstadt Erkrath waren für dieses Jahr keine verkaufsoffenen Sonntage geplant, daher mussten auch keine abgesagt werden, berichtet Stadtsprecherin Maria Steinmetz. Die Wirtschaftsförderung stehe mit den Werbegemeinschaften und dem Einzelhandel in Austausch, aus deren Sicht sich ein verkaufsoffener Sonntag ohne weiteren Anreiz – Großveranstaltungen bleiben weiterhin untersagt – nicht lohnen würde.

Anstelle der Sonntage sind Abendveranstaltungen angedacht

Denn der Handel braucht Märkte und Feste, damit sonntags genügend Kunden in die Innenstädte kommen. Daher setzt sich der Einzelhandel in Erkrath auch nicht für zusätzliche verkaufsoffene Sonntage ein. „Eher angedacht ist, bei künftigen Veranstaltungen die Öffnungszeiten in den Abend hinein zu verlängern“, berichtet Steinmetz. Die Werbegemeinschaften und Vereine seien aber aktuell „sehr vorsichtig in der Planung von Veranstaltungen“. Um mehr Besucher in das Zentrum von Alt-Erkrath zu locken, sollte es in diesem Jahr eigentlich auf Beschluss der Politik auch mehrere Feierabendmärkte nach Heiligenhauser Vorbild geben. Doch nachdem die Premiere wegen der Corona-Pandemie bereits mehrfach verschoben werden musste, hat die Stadt schließlich auch die für den 17. Juni und den 2. September geplanten Termine abgesagt. Die Premiere kann damit erst im kommenden Jahr stattfinden.

 Denn im Gegensatz zu den Wochenmärkten steht beim Feierabendmarkt der gesellige Austausch an Imbissständen bei Live-Musik im Vordergrund, in Zeiten von Corona undenkbar. Um Besuchern und Händlern ein attraktives Format zu bieten, soll es nun im nächsten Frühjahr – möglichst ohne Einschränkungen – losgehen, mit insgesamt vier Feierabendmärkte auf dem Marktplatz in Alt-Erkrath, der abends mit mehr Leben gefüllt werden soll.

(arue/hup)