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Silbergrube im Kalkgebiet?

Silbergrube im Kalkgebiet?

Historie: Über die Fundorte von Metall im Raum Wülfrath gibt es verschiedene Meinungen.

Kreis Mettmann. Wenn in Wülfrath vom Abbau von Bodenschätzen gesprochen wird, ist meist von den gewaltigen Kalklagerstätten die Rede, deren Ausbeutung in den vergangenen Jahrzehnten tiefe Spuren in der Landschaft hinterlassen hat. Doch in längst vergangenen Tagen hat es auch hier die Suche und mehr oder weniger erfolgreiche Förderung von Erz gegeben.

Während sich in Velbert allerdings noch zahlreiche Hinweise auf den Bergbau finden lassen, muss man für die Suche in Wülfrath vor allem die Literatur bemühen. Dort gibt es indessen unterschiedliche Angaben etwa zum Beginn der Erzförderung. Der Name scheint einmal mehr für sich zu sprechen: Silberberg lautet der Flurname eines Areals bei Rützkausen, südlich der Stadtgrenze zu Velbert.

Ein Teil des Gebietes ist heute eingezäunt, riesige Bagger haben sich tief in den Boden gegraben: Unterhalb des kleinen Wäldchens, an dem einmal der Hof Silberberg gelegen haben soll, zieht sich seit kurzem ein Tunnel durch den Fels. Er verbindet künftig den Steinbruch Rohdenhaus mit dem im Aufschluß befindlichen neuen Kalkabbaugebiet Silberberg.

Laut Ralf-Ulrich Lütschs Ausführungen über den Bergbau in der Velberter Region befand sich hier ein erstmals im Jahre 1301 urkundlich erwähntes, reichhaltiges Silberbergwerk. Der in diesem Zusammenhang genannte Hof Eigen verschwand mit der Erweiterung des Rohdenhauser Bruchs, alte Grubenbaue fand man dabei wohl nicht.

Im Rheinischen Städteatlas, Ausgabe Wülfrath, ortet Kurt Wesoly diesen Hof denn auch im Oberbergischen und sieht am Silberberg keinen Beweis für einen Blei- und Silberabbau in jener Zeit. Nach Lütsch sollen in alten geologischen Karten des Silberbergs allerdings Fundpunkte für Blei- und Zinkerze verzeichnet sein.

Unstrittig ist dagegen die Existenz der Grube "Ferdinande" im nördlichen Flandersbach. Bereits 1753 betreibt hier Freiherr von Syberg zu Aprath die Bleigrube "Auf dem großen und kleinen Stinder" an der Grenze zu Velbert.

107 Jahre später erwirbt die Gewerkschaft Ferdinande die Rechte am Erzabbau, nimmt den Betrieb aber erst 1887 "unter größten Schwierigkeiten" auf. Zwölf Jahre lang erbringt die zu Spitzenzeiten 98Mann zählende Belegschaft eine Jahresförderleistung von bis zu 739 Tonnen.

Zahlreiche Schächte wurden bis in eine Tiefe von 169 Metern in den Boden getrieben, einer der Stollen ist mit einer Länge von 700Metern angegeben. Doch die Kosten sind hoch, der Betrieb wird unwirtschaftlich, und 1899 schließt die Zeche ihre Pforten.

Die angelegten Schächte wurden weitestgehend verfüllt, Spuren im Gelände sind praktisch nicht mehr auffindbar. Allerdings hatte am Flandersbacher Weg bis vor vierzig noch ein Landwirt sein Wasser aus dem Mundloch eines Stollens bezogen.

Zwar kein Relikt des Förderbetriebes, aber dennoch ein bis heute erhaltenes Gebäude der Grube ist ein Wohnhaus am Thekbusch. Hier steht das ehemalige Verwaltungsgebäude der Gewerkschaft "Ferdinande". Das schmucke Haus ist nicht nur am Baustil erkennbar, der sich sichtbar von den anderen Häusern unterscheidet, die gut sichtbare Jahreszahl "1888" am Giebel weist auch auf das Baujahr hin.