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Schwerpunkt Landratswahl im Kreis Mettmann: Im Dienst für rund 480.000 Bürger

Kreis Mettmann : Der Landrat hat vielfältige Aufgaben

Thomas Hendele ist sei 1999 Landrat im Kreis Mettmann. Er gibt einen Einblick in seine Arbeit.

Welche Aufgaben hat der Landrat?

Thomas Hendele: Als direkt von den Bürgern gewählter Landrat bin ich Vorsitzender des Kreistages. Ich bereite die Beschlüsse des Kreistags vor und bin für deren Umsetzung verantwortlich. Ferner leite ich die Kreisverwaltung und bin Dienstvorgesetzter der Beschäftigten. Außerdem bin ich der gesetzliche Vertreter des Kreises und mir obliegt die repräsentative Vertretung des Kreises. Gleichzeitig leite ich die Kreispolizeibehörde Mettmann.

Welche Dezernate leiten Sie?

Hendele: Ich leite das Dezernat I mit dem Landratsbüro, dem Personalamt, dem Rechnungsprüfungsamt, dem Hauptamt – zu dessen Aufgaben auch die Organisation der Kreisverwaltung, die Digitalisierung und die Wirtschaftsförderung gehören – und der Kreispolizeibehörde.

Wie viele Mitarbeiter unterstehen Ihnen?

Hendele: Bei der Kreisverwaltung rund 1500 und bei der Kreispolizeibehörde rund 800.

Wie sieht ein typischer ­Arbeitstag aus?

Hendele: Typisch ist eine Mischung zwischen Managementfunktionen, Sitzungen und repräsentativen Terminen. Dies bedeutet die Teilnahme an Konferenzen und Sitzungen des Kreistags, seiner Ausschüsse aber auch von überregionalen Gremien. Hinzu kommen typische Leitungsfunktionen und die Vertretung des Kreises bei regionalen und überregionalen Veranstaltungen. Und natürlich führe ich viele persönliche Gespräche. Unter 50 Stunden in der Woche geht es nicht, nach oben hin ist die Wochenstundenzahl offen, da Termine auch an den Wochenenden anfallen.

Welche Aufgaben hat der Landrat außerhalb des Kreishauses

Hendele: Vorwiegend repräsentativen Termine, wie die Eröffnung von Veranstaltungen des Kreises, die Aushändigung von Bundesverdienstkreuzen sowie die Gratulation bei Ehejubiläen und 100. Geburtstagen sowie die Teilnahme an wichtigen Veranstaltungen der kreisangehörigen Städte sowie von Vereinen, Verbänden und Kirchengemeinden. Zum anderen vertritt der Landrat die Interessen der Bürgerschaft des Kreises bei überregionalen Institutionen wie der IHK der Handwerkskammern, aber auch bei Ministerien und Dienststellen der EU, des Bundes und des Landes. Und nicht zuletzt mache ich mir sehr oft persönlich vor Ort ein Bild von Sachverhalten und ­Problemlagen.

Wie viel Einfluss können Sie als Landrat ausüben?

Hendele: Der Landrat hat durch seine Aufgabenstellung, die Beschlüsse des Kreistages vorzubereiten, wesentlichen Einfluss. Aber er braucht letztlich die Entscheidung des Kreistages, der diese nur dann trifft, wenn die Vorschläge des Landrats überzeugen. Die Einflussnahme auf die Städte hat letztlich empfehlenden Charakter, denn hier entscheidet der Stadtrat, der über die Vorschläge des Bürgermeisters zu befinden hat. Bei Fragen, die sowohl die Stadt als auch den Kreis berühren, hat der Landrat sehr wohl die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.

Wer ist eigentlich Ihr Chef?

Hendele: Bei den staatlichen Aufgaben der Kreisverwaltung unterliegt der Landrat der Dienstaufsicht durch die Bezirksregierung. Bei der Kreispolizeibehörde ist der Innenminister mir gegenüber weisungsberechtigt. Einen Chef im eigentlichen Sinn hat der Landrat nicht, aber ich empfinde die Bürger als meine Chefs.

Welche politischen ­Meilensteine gab es in den vergangenen Jahren für den Kreis Mettmann?

Hendele: Die Fülle der Entscheidungen der letzten Jahre lässt sich an dieser Stelle nicht darlegen. Deshalb drei Beispiele: Kreis und Städte haben auf meinen Vorschlag gemeinschaftlich entschieden, die städtischen und die kreiseigenen Förderschulen zu Förderzentren mit jeweils einer Dependance zusammenzulegen und dem Kreis die Trägerschaft zu übertragen. Dies hat für die Eltern den großen Vorteil, dass Sie zwischen unterschiedlichen Schulformen wählen können. Die Annahme der Förderzentren durch die Eltern ist überwältigend. Die Entscheidung des Kreistages, in Mettmann ein neues Rettungszentrum zu errichten, ist ein Meilenstein für die Sicherheit im Kreis. Hier werden die Kreisleitstelle mit der Notrufnummer 112, die Polizeileitstelle mit der Notrufnummer 110, ein Notarztwagen und ein Feuerwehrübungszentrum entstehen. Außerdem wird die kreiseigene Feuerwehrschule hier ihr Domizil finden. Insgesamt wird der Kreis 29 Millionen Euro für die Sicherheit der Bürger investieren. Ebenso wichtig ist, dass der Kreis seit 2008 schuldenfrei ist und diese Schuldenfreiheit über zwölf Jahre hinweg bewahrt hat. Dies erspart den kreisangehörigen Städten und damit der Bürgerschaft hohe Finanzierungskosten. Ein ganz wichtiger Beschluss ist die Verabschiedung des Integrierten Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzeptes durch den Kreistag. Die Umsetzung startet noch in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt des Baus von Photovoltaikanlagen auf kreiseigenen Gebäuden.

Welche Projekte peilen Sie für die kommende ­Legislaturperiode an, wenn Sie wiedergewählt werden?

Hendele: Dazu habe ich klare Vorstellungen. An erster Stelle steht die Sicherheit der Bürger. Die Corona-Pandemie hat uns gelehrt, dass wir mehr Ärzte brauchen, dass wir dafür sorgen müssen, dass ausreichende Schutzkleidung vorgehalten wird und dass wir die Akteure des Gesundheitswesens noch stärker vernetzen müssen, als wir dies ohnehin schon getan haben. Die Polizei wird weiterhin für niedrige Kriminalität und Unfallzahlen sorgen. Ein Schwerpunkt ist die Bekämpfung von Clans und kriminellen Rockerbanden. Ein weiteres Schwerpunktthema ist die Digitalisierung sowohl in unseren Schulen als auch in der Verwaltung. In den Schulen wollen wir jeden Schüler mit einem digitalen Endgerät ausstatten. Und die Verwaltung wird die bereits bestehenden digitalen Angebote an die Bürger umfassend ausbauen. Ferner werden wir den Schulentwicklungsplan für die Förderschulen umsetzen. Die Nachfrage der Eltern hat zur Folge, dass wir die bestehenden Schulgebäude ausbauen müssen. Als Erstes werden wir gemeinsam mit der Stadt Erkrath den Campus Sandheide errichten. Bei der Mobilität werden wir durch den Nahverkehrsplan die Angebote für die Bürger erweitern. Geplant ist die Inbetriebnahme der S 28 von Mettmann nach Wuppertal, die Erarbeitung und Umsetzung eines kreisweiten Radverkehrskonzepts und die Planung der Weststrecke Duisburg – Ratingen – Düsseldorf. Ferner werden wir prüfen, ob wir mit dem Projekt Angertalbahn einen S-Bahn-Anschluss für den niederbergischen Raum schaffen können. Zentrales Thema wird die Umsetzung des Integrierten Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzeptes sein. Der Kreistag hat die entsprechenden Prioritäten einstimmig beschlossen. Wir werden in der kommenden Wahlperiode die Umsetzung vornehmen.

Können Sie noch durch den Kreis fahren, ohne ­politischen Handlungsbedarf zu sehen?

Hendele: Das ist durchaus möglich, aber ich kann beim Wandern und Radfahren Eindrücke gewinnen, die sich in politische Ideen umsetzen lassen. Und wenn ich angesprochen werde, was sehr häufig geschieht, dann ist das in den allermeisten Fällen bereichernd, weil auch die Bürger Ideen haben, die höchst interessant sind.

Wie entspannen Sie?

Hendele: Die Freizeit ist knapp bemessen, umso intensiver und dankbarer erlebt man sie. Entspannung finde ich beim Wandern und Radfahren in der Natur, aber auch beim Besuch von Ausstellungen. Weniger entspannend waren die Spiele meiner Fortuna, aber ich hoffe sehr, bald wieder einmal ins Stadion zu gehen und dann auch Siege feiern zu können.

Warum sollten die Bürger unbedingt ihre Stimme bei der Landratswahl abgeben?

Hendele: Weil es die demokratische Möglichkeit ist, über eine wichtige Funktion zu entscheiden. Eine Funktion, die für die Lebensqualität, für die Zukunft und vor allem für die Sicherheit in diesem Kreis von entscheidender Bedeutung ist.