Musik: Zu wenige Zuschauer: Das Festival der Stimmen steht vor dem Aus

Musik : Zu wenige Zuschauer: Das Festival der Stimmen steht vor dem Aus

Die Zuschauer waren von dem Angebot der Künstler begeistert. Jetzt muss die Politik über die Zukunft der Voices entscheiden.

Noch vor Beginn der Vocal Night war für Uwe Muth, den künstlerischen Leiter des Stimmen-Festivals „Voices“, klar, dass es so mit diesem Veranstaltungsreigen nicht weitergehen kann. „Ich denke, dass wir angesichts mangelnder Resonanz nicht mehr weitermachen werden.“ Das Stadttheater war am Samstagabend nicht gerade gut gefüllt, die Enttäuschung war groß bei Muth. „Wir haben wirklich über all die Jahre versucht, ein attraktives Programm auf die Beine zu stellen, doch es fehlt der Zuspruch.“ Dass viele Sitze leer blieben, damit hatte Muth nicht gerechnet. „Da ist man schon ziemlich enttäuscht“, befand er.

Am Angebot kann es nicht gelegen haben: Andrea Töpfer, die Leiterin des Kulturamtes, zeigte sich sehr angetan von der Programm-Vielfalt am Samstagabend und meinte damit vor allem den Auftritt der mongolisch-persischen Formation Sedaa, die mit ihrem virtuosen Spiel die Gäste, darunter auch Regine Walther vom Kulturkreis Hösel, begeisterte. Die Künstler wollten gar nicht mehr von der Bühne und hätten durchaus ein Vollkonzert geben können. Doch es gab ja noch zwei weitere Programmteile.

Tatsache ist: Die Veranstalter hingen ziemlich in der Luft, Muth musste die Veranstaltungen selbst anmoderieren. In den früheren Jahren war es so, dass ein Vertreter der städtischen Führungsriege zumindest zu Beginn des Festivals auf der Bühne stand und die Bedeutung der Veranstaltung für die Kulturstadt Ratingen herausstellte. Außer Töpfer ließ sich am Samstagabend niemand aus den Reihen der Stadtspitze blicken – das ist keine Rückendeckung für ein über Jahre gewachsenes Festival.

Die Stadt gibt Jahr für Jahr 20 000 Euro – ein Budget, das die ganz großen Namen nicht ermöglichen kann. „Dies muss aber auch nicht unbedingt sein“, betonte Muth, „wir haben bewiesen, dass wir interessante und sehr gute Künstler auch für deutlich weniger Geld verpflichten können.“

Der Samstagabend zeigte jedenfalls, dass die Voices immer noch eine sehr kraftvolle Plattform sind: Peter Fessler (Gitarre), der übrigens bei der Premiere des Stimmen-Festivals bereits in Ratingen war, und Percussionist Alfonso Garrido waren bestens aufgelegt – ebenso die preisgekrönte A-Cappella-Gruppe Onair.

Es gibt nur wenige Formate dieser Art in der Region rund um Düsseldorf, die so vielfältig sind. Das Motto, das sich wie ein roter Faden durch all die Jahre zieht: Man traut sich was, ist mutig, geht andere Wege.

Und so gab es am Freitagabend im Stadttheater einen Mitsing-Abend, den man in dieser Form noch nicht erlebt hat. Es war eine Mischung aus Animation, Musik-Therapie und Gemeinschaftsgefühl. Über allem stand die Devise, Spaß zu haben im Kreise Gleichgesinnter.

Und auch bei dieser Veranstaltung war das Stadttheater längst nicht voll besetzt, aber dies tat der guten Stimmung, für die Constanze Jung und Nito Torres nebst versierter Band mit Inbrunst sorgten, wahrlich keinen Abbruch.

Es ging darum, Songs möglichst treffsicher zu singen – dies mit Hilfe zum Teil überaus langer Texte, die an die Wand geworfen wurden. Die Mischung war bunt, es gab Schlager, feinen Pop Marke Abba, Lieder als zeitlose Lebensbegleiter.

Jung und Torres legten sich ins Zeug und hatten selbst wohl am meisten Spaß. Irgendwie fühlte man sich wie im heimischen Wohnzimmer beim Singen mit Freunden. Nicht allen Gästen hat dieser Abend gefallen, einige sind zur Pause gegangen. Vielleicht hatten sie ja einen Unterhaltungsabend ohne Eigeninitiative erwartet.