Ratingen : Zu Hause an der Anger ist immer einer für sie da

Ratingen : Zu Hause an der Anger ist immer einer für sie da

Karoline Brandenstein kam nach Jahren im Ausland wieder nach Ratingen zurück.

Es gab viel zu erzählen aus den vergangenen Jahren: Karoline Brandenstein breitete ihr Leben aus – mit den Leichtigkeiten (überwiegend), den Beschwernissen (auch nicht wenige), Alltäglichkeiten (reichlich). Es ist ein offenbar kaum zu erschütterndes Leben mit vielen Geschwistern und Pferden. Auch, wenn man 1965 geboren ist, hat nämlich die Verbindung Mädchen-Pferd schon magische Bedeutung.

Sie ist, obschon nicht hier geboren, doch ein Ratinger Mädchen, eins aus wohlhabender Familie mit profunden Kenntnissen der anderen gut betuchten Familien dieser Stadt. Haben sie nun altes oder neues Geld.

Sie weiß wer mit wem und wenn nicht, warum nicht. Aber alles ohne Häme, ohne Neid. Bösartigkeit scheint ihr ohnehin fern zu liegen. Sie verbreitet die Grundstimmung Liebenswürdigkeit, dazu auch Zurückhaltung und Verständnis.

Die Eltern führten hier eine Fabrik – der Vater aber, so sagt Karoline Brandenstein, sei von der Kuba-Krise bewogen worden, den familiären Lebensmittelpunkt nach Österreich zu verlegen.

Nun gut, die dramatischen zwölf Tage im Oktober 1962 waren rasch ausgestanden – die Familie hatte aber inzwischen ein veritables Gut im Nachbarland. Karoline konnte sich ungebrochen ihres Lebens freuen; mit drei Schwestern und zwei Brüdern (und zwei Halbgeschwistern) ist man als Kind für mögliches Alleinsein schon ganz gut ausstaffiert. Sie war dann auch in Ratingen, absolvierte das Gymnasium, und „dann gönnte ich mir eine Tanzausbildung“. Das war kein absoluter Schnellschuss, das dauerte zwölf Jahre.

Außerdem suchte sie ihr Glück auf dem Rücken der Pferde und fand es auch, war sogar bei Meisterschaften, vornehmlich in der Dressur am Start. Vorübergehend nahm sie die österreichische Staatsangehörigkeit an, um für ihre Zweitheimat starten zu können. Rund herum um diese Zeit liegen auch ihre persönlich schönsten Jahre.

Mit einem Partner aus Wien hatte sie einen Hof in der Obersteiermark grandios ausgebaut, mit eigenem Gestüt, mit vielen Gastpferden, mit „Fremdenzimmern“, mit großem Service rund ums Pferd. Das lief gut, das war anerkannt, war ein Pfund, mit dem man wuchern konnte. Die Liebe zerbrach, Karoline Brandenstein war auch raus aus dem Geschäft.

Was machen die Ratinger in Krisensituationen, die ihnen in der Ferne die Lebensplanung verhageln? Sie kehren heim an die Anger. Irgendwer ist nämlich immer noch da, der einen auffängt und einem die Hand hält.

Mehr von Westdeutsche Zeitung